The Band Oder: Literature is the new rock!

Hier schwirren ja nun schon einige Tage gewisse Dinge in den Kommentaren herum, vor allem auf Luxemburgisch. Und ich finde, man sollte das nicht verschweigen. Vielleicht hat der eine oder die andere ja schon den Link auf les jeunes mélancoliques gesehen. Geheimnisskrämerei ist nicht meine Stärke. Also machen wir es doch einfach offiziell, nachdem die Dinge sich jetzt so schnell entwickelt haben.

Ich träume ja schon seit meiner Entdeckung der gitarrenbasierten Musik und dem Bewusstsein, dass es nicht nur Superstars sind, die auf Bühnen vor mehr oder weniger begeistertem Publikum stehen, davon, Teil einer Band zu sein. Habe ich anfangs noch auf das Erlernen vom Gitarrenspiel auf einer akustischen Klampe mit dem Wunsch, irgendwann auf die elektrisierte Version umzusteigen, gesetzt und das arme Instrument mit meiner furchtbaren Nicht-Begabung für Melodie, Rhytmus und sonstigen Musik-Krimskrams unglaublich gequält, so habe ich den Wunsch irgendwann begraben und habe mir gedacht: »Wenn du schon nicht Rockstar sein kannst, willst du die Rockstars wenigstens über ihr Sexualleben befragen.« So bin ich dann zum Radio gekommen. Auf dem Radiocamp dann kam mir die Eingebung: beim Rock geht es nicht unbedingt um die Musik. Es geht um große Gesten. Um Posen. Darum, cool zu sein. Ich bin chronisch uncool, aber ich bin ein Kind der Generation, die Generation X nachfolgt. Wir haben nicht einmal mehr Anithelden. Aber Posen und große Gesten kann ich. Und wenn Billy Corgan sowas als Promofoto veröffentlichen kann, kann ich auch einen Kaputzenpulli anziehen, mich in eine dunkle und dreckige Gasse Chicagos Seattlebrucks stellen und meine Tastatur, die ich vorher mit den Worten „born to lose“, geschrieben mit TipEx, verziert habe, wie eine Gitarre halten und ordentlich posen.

Ihr merkt schon, worauf ich hinauswill. Ich hab jetzt ne Band. Eine Gruppierung. Eine Bewegung. Die jungen Melancholiker. Literatur-Band, nur zum Vorlesen, gleichzeitig aber eine Bewegung mit kultureller Botschaft, vielleicht auch ein wenig gegen den grassierenden „Emo“-Zeitgeist, wo die Masse die Melancholie nicht wie wir kreativ ausnutzt, sondern konsumiert, was Thierry in seinem Manifest angerissen hat. Der Name stammt übrigens auch von ihm. Unsere Beschreibung auf myspace trifft es vielleicht am besten:

Les jeunes mélancoliques is French and means nothing more nor less than the young melancholics. Partially inspired by dark romanticism, it is the vision of a new literary movement that reflects the human condition, and especially of the young generation, at the beginning of the 21st century. The idea for a new literary movement was born at the beginning of 2007 and quickly found interested writers. The official website lesjeunesmelancoliques.org is currently under construction and will be launched soon. It will offer a platform to all the authors of the movement and contain more information on who we are and what we are trying to achieve. And, most importantly, tell you what to do if you want to call yourself a jeune mélancolique! Add us as a friend and be informed as soon as we put our website online!
Who we'd like to meet: Novelists, short-story writers, non-fiction writers, poets, and writers of all sorts. Inspiring people, creative people, people who dare to see things differently. And people who see beauty in melancholy.

Und jetzt? Die Webseite wird erst einmal Platz für Vorstellung der Bewegung und der einzelnen Autoren sein, Texte beinhalten. Und später vielleicht auch Tourdaten. Denn wir sind gewillt zu lesen. Wir, das sind: Serge, Leti, Thierry und ich, Fireball/Joël.
Und wo lesen Blogger? Gemeinhin ist der schreibenden vun vorlesenden Zunft der Zugang zu Rockkonzerten wie dem Ring (noch!) verwehrt, und man will ja auch nicht gleich größenwahnsinnig werden. Edit, um die Dinge klar zu stellen: Wir sind auch nicht primär ne Band, sondern eine literarische Bewegung. Ob und wann wir Lesungen als „les jeunes mélancoliques“ geben, ist noch nicht entschieden. Lesen wollen zumindest Thierry und ich trotzdem. Und: wir haben keinen „Band“-Account bei myspace, was ich irgendwie angenommen hatte. ;-) (Ende Edit)

Wir suchen also Lokale, die gewillt sind, uns vorlesen zu lassen. Es gibt eine ungeschriebene Liste mit Favoriten, die wir anschreiben werden, aber jeder Vorschlag wird mit Freuden aufgenommen. Ein Event mit Konzert im Anschluss wäre auch sicherlich nicht zu verachten, solange das Vorlesen dadurch nicht zu kurz kommt. Genial wäre natürlich ein Blogger-Abend mit Lesungen, Frage/Antwort-Spiel über Weblogs und musizierenden Bloggern oder bloggenden Musikern.
Und ganz nebenbei: wenn irgendjemand gerne Fotos macht und diese Promofotoidee umsetzen mag, ich bin dafür sehr zu haben. :-)

Literature is the new rock!

10 Kommentare “The Band Oder: Literature is the new rock!

  1. Wer letztendlich mitliest, wird sich zeigen, denke ich ;-) Und nein, wir sind kein Vorleseclub. Ja, ich bin ein wenig abgeschweift mit meinem Rockstar-Speech. Vorlesen mag ich trotzdem, und ich finde, man kann durchaus schon nach Lokalen suchen. Literaturstil bzw. Bewegung steht eindeutig im Vordergrund! Lesen ist mir persönlich jedoch wichtig (Als JM oder "nur" als Blogger)! Und mindestens von Thierry weiß ich, dass er dabei ist, und dein Nicht-protestieren beim herumblödeln in den Kommentaren habe ich als prinzipielles Liebäugeln mit der Idee verstanden. :)

  2. Sorry fürs Falsch-interpretieren. Ich bin wohl selbst wegen Radioerfahrung und ähnlichem ne ziemliche "Rampensau" (oder "lesegeil") und erliege öfters der Fehleinschätzung "Wer schreibt, liest auch gerne", aber ich kann auch jeden verstehen, der lieber vor als hinter dem Mikrofon sitzt. :-)
    Aber hey, die Konfliktlösung funktioniert prima. :)

  3. Deinen Enthusiasmus in alle Ehren mein lieber Fireball :), ich möchte aber ein paar Worte dazu setzen (bitte nicht als kalte Dusche empfinden sondern als behutsame Begradigung): wir sind nicht primär eine Literatur-rockband :), Idee war und ist einen gewissen Literaturstil zu verkörpern, der natürlich durchaus auch Leseabende beinhalten kann, die du gerne abhalten darfst aber für die du bitte uns nicht als vorrausgesetzt mit einbeziehst (wobei ich nicht ausschliessen will dass wir dabei sind sondern eher sagen will dass es sich dabei nicht um das Ziel von lesjeunesmélancoliques handelt und man daher nicht unterschreibt vorzulesen wenn man beitritt). Daher finde ich es verfrüht nach einem Lokal zu suchen :)
    Hoffe die Worte kommen in dem Sinne an indem sie verfasst wurden.
    Nichts für ungut !

  4. Das mit den Tourdaten seheh ich persönlich noch immer etwas ferner in der Zukunft. Eine Lesung von Bloggern fände ich aber trotzdem toll. Diese erste Lesung würde ich auch erst mal unter dem Thema der Blogger sehen, wo man das vorlesen kann, was man will, und nicht nur, was man für die Melancholiker verfasst hat.
    Sofort die Namen hinzuschreiben wer bereit ist sich vor ein Publikum zu stellen, ist vielleicht nicht die beste Idee. "Einige Blogger, wie …" und dann Namen von Leuten die sich bereit erklärt haben. Das hält die Option für weitere Blogger offen, gibt aber schon aml einen Vorgeschmack. ;)
    So oder so. Ich will eine Lesung mit Art School Kulisse. :D

  5. Wie gesagt ich steh der Idee nicht im Weg :), es las sich halt in etwa so an als seien wir 4 uns darin einig und es würde nur noch an der Logistik hapern, dem ist für mich aber nicht so und deshalb wollte ich einmal klar stellen wie ich das sehe und dazu stehe; (dh momentan seh ich mich eher als Zuhörer als als Vorleser).
    :) ich weiss auch sehr wohl wie du das mit dem nicht-protestieren meinst, wenn man halt selbst begeistert ist interpretiert man auch logischerweise in die Richtung; ich wär dir aber dankbar wenn du mich als einen eher zurückhaltenden Menschen einschätzen würdest der nicht gleich lossschreit wenn ihm was nicht gefällt oder er Einwände hat, ich weiss das führt manchmal zu Konfusion, daher: bitte lieber einmal zu viel nachfragen.

  6. np :) natürlich funktioniert die Konfliktlösung daran hab ich nie gezweiffelt.
    freu mich auf etwaigte vorlesungen :)

  7. Ich kann mir zwar nur sehr wenig Konkretes darunter vorstellen, klingt aber trotzdem höchst interessant. Bin gespannt…

  8. Pingback: blo:Geescht » Les jeunes mélancoliques am d:qliq

  9. Pingback: Fireball’s Weblog - Literature is the new rock! » Blog Archive » Jahresrückblick

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