Freewriting #3

Heute habe ich exakt 10 Minuten geschrieben, und es sind die folgenden 2587 Zeichen geworden. Ich hatte heute das Gefühl, dass ich oft irgendwelche Sätze oder Forumlierungen verbessert habe, was man eigentlich später machen sollte. Trotzdem bin ich einigermaßen zufrieden mit mir. Ich bin mal gespannt was Ina noch so über sich verraten wird.

Ina wusste nicht wirklich, wieso sie noch immer nackt Bass spielte. Vielleicht war es nur die Macht der Gewöhnung, aber es konnte auch mehr dahinter stecken. Hatte ihr Exfreund immer noch einen unsichtbaren Einfluss auf sie, der so stark war, dass sie noch für ihn spielte?
Sie hoffte nicht. Diese Geschichte war vorbei, das Buch war fertig geschrieben und lag nun irgendwo in einem Schrank tief unten in ihren Erinnerungen, wo es ruhig verstauben sollte. Sie wollte es nicht herausnehmen. Die schönen Dinge sollte man konservieren, in Einmachgläser füllen und in eine Vitrine stellen, hatte mal jemand ihr geraten. Sie konnte die schönen Dinge nicht von den ekligen, schlechten Erinnerungen trennen. Teilweise hatten die letzten Tage, dieser Rosenkrieg auch noch einen Schatten auf die schönen Dinge geworfen, den sie nicht korrigieren konnte. Wenn sie den Schatten ausradieren wollte, musste sie alles ausradieren, und das wollte sie nun auch nicht. Besser eine verstaubte Erinnerung als überhaupt keine.

Was würde er sagen, wenn es je dazu kommen würde und sie ihm vorschlagen würde, nackt für ihn zu spielen? Sie malte sich schon vage erotische Geschichten aus und schalt sich sogleich selbst dafür. Sie hatte gelernt, wie schmerzhaft es sein konnte, wenn man sich zu viele Hoffnungen machte und wollte diesen Fehler nicht noch einmal machen. Sie wollte die Sache diesmal ruhig angehen und sich nicht von voreiligen Fantasien antreiben lassen. Das war nicht gut für sie, und für die Beziehung, sollte je eine daraus werden, ebenfalls nicht.

Sie saß nun auf ihrem Bett und betrachtete den Bass, dann den Rest ihres Zimmers. Ihr Kleiderschrank, vor dem sie noch vor einigen Minuten gestanden hatte und sich angezogen hatte, nachdem sie aus der Dusche gekommen war. Sie mochte dieses Ritual. Bass spielen, Duschen, neue Kleider anziehen. Vor allem wenn sie ausging oder wie jetzt, jemand auf Besuch kam, war sie dabei besonders gründlich und versuchte, jeden Schmutz von ihrem Körper und aus ihren Haaren zu waschen.

Ina hatte versucht, sich »richtig« anzuziehen. Was war richtig für ein erstes Date im eigenen Zimmer? Gab es unterschiedliche Abstufungen der Gewagheit, je nach Ort, an dem man sich traf? Beim Eisessen durfte es vielleicht ruhig etwas mehr Dekolletee sein, da er ja von anderen Frauen abgelenkt werden konnte, während er im Zimmer sowieso nicht viel anderes tun konnte, als sie anzusehen und sie nicht künstlich mit tiefem Ausschnitt Aufmerksamkeit erregen musste. Sie hatte das merkwürdige Gefühl gehabt, ihr hätte beim Anziehen jemand über die Schulter geschaut.

Ein Kommentar zu “Freewriting #3

  1. Ich würde sagen, der Ausdruck gefällt mir besser als gestern, das sofortige Korrigieren hat sicher den Vorteil, dass man noch mehr drin steckt und die Sätze und Absätze somit "organischer" bleiben. Mich würde interessieren, was Ina außerhalb von Bass und Kerlen noch so fasziniert..

Leave a Reply

Your email address will not be published.