Freewriting #8

Diesmal auf der Hand geschrieben, deshalb „nur“ 1563 Zeichen.

Ina wusste nicht so Recht, was sie eigentlich genau vermisste. Ihre Kindheit war glücklich gewesen, jedenfalls so weit sie sich erinnern konnte. Immer, wenn jemand das Wort »Kindheit« sagte, musste sie an die Apfelbäume hinter dem Haus denken. In ihrem Kopf tauchte das Bild von goldener Herbstsonne, die durch die dicken Blätter auf sie und die glänzenden Äpfel fiel. Sie hatte ihre gesamte Kindheit auf diesen Bäumen verbracht. So jedenfalls war das Sinnbild, das natürlich nicht stimmte.

Sie hatte natürlich eine ganze Reihe von anderen schönen Erinnerungen, die sie nur zu gerne aus dem süßen Einmachglas mit der Aufschrift »Kindheit« hervorholte und dabei glückselig lächelte.
Vielleicht war es genau das. Sie tat das viel zu oft, um diese unschuldigen Zeiten nicht zu vermissen.

Unschuld, gepaart mit einer naiven Unwissenheit, die die Welt in einem goldgelben Licht erscheinen lässt. Das war es, was sie vermisste. Das Leben, wenn man sich seiner erst einmal bewusst geworden war, war nicht mehr unbeschwert. Es war nicht einmal mehr einfach, oder gar einfacher.

Das war auch ein Teil von dem, was die Melancholie auslöste. Sie hatte nie wie Peter Pan ewig Kind bleiben wollen, aber sie hatte Versprechungen gehabt. Verschiedene Dinge hatte sie sich selbst versprochen, andere hatte die versprochen bekommen, so wie Erwachsene nun mal Kindern Dinge versprachen, die sie eigentlich gar nicht wissen konnten. Oder sie sagten einfach »Jaja« zu dem Gebrabbel des Kindes, ohne zu merken, dass sie damit ein für das Kind gültiges, bindendes Versprechen abgegeben hatten.

2 Kommentare “Freewriting #8

  1. > Oder sie sagten einfach »Jaja« zu dem Gebrabbel des Kindes, ohne zu merken, dass sie damit ein für das Kind gültiges, bindendes Versprechen abgegeben hatten.

    Hm, ich weiß nicht, ob man die Sichtweise Inas als allgemein gültig ansehen kann. Hängt wahrscheinlich auch von dem Alter des Kindes ab. Jedenfalls haben Kleinkinder einen ausgeprägten Sinn für Details, sie saugen diese Details die die Erwachsenen überhaupt nicht wahrhaben oder bemerken wie ein Schwamm auf. Problematisch wird es allemal wenn verbal und non-verbal ausgedrückte Botschaften nicht übereinstimmen.

    Ich bin gespannt darauf, Ina näher kennenzulernen.

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