_

Sünden?

Ad hat das hier als Stöckchen an seine Blogroll weitergegeben. Und da stehe ich auch drauf. Deshalb:
Sündenquittung
Ich habe Drogen genommen – 20€
… und das mehr als einmal – 15€
Ich zeige beim Autofahren manchmal Vögel oder Stinkefinger – 15€
Ich habe einen Unfall verschuldet – 35€
Ich lüge manchmal, dass sich die Balken biegen – 15€
Ich setze Gerüchte in die Welt – 20€
Manchmal lästere ich über das Aussehen von anderen – 15€
Ich versuche, in einem unbeobachteten Moment in fremde Schubladen und Schränke zu gucken – 15€
Ich habe schonmal mutwillig etwas zerstört – 100€
Ich bin mal in einem Raum gewesen, während andere dort Sex hatten – 15€
Ich fahre machmal schwarz mit Bus oder Bahn – 40€
… und wurde dabei schonmal erwischt – 35€
Ich habe manchmal die Schule geschwänzt – 15€
Ich habe absichtlich die Hausaufgaben nicht gemacht – 15€
Ich bin sitzen geblieben – 50€
Wenn ich mein Gewicht angebe, stimmt das nicht – 30€
Ich hatte schonmal Cybersex / Telefonsex mit einem Fremden – 15€
Ich mache einen Pups und schiebe die Schuld für den Mief auf jemand anderen – 4.99€
Ich täusche manchmal in einem Chat über mein Geschlecht – 4.99
Ich habe heute schon gelogen – 0.05€
Ich habe heute schon masturbiert – 0.59€
Ich mag Oralverkehr – 4.99€

enjoying | 1 Comment

Nacktschnecken. (in einer Welt ohne Jahreszeit)

Auf diesem Hügel sitzen und sich, einem merkwürdigen Impuls folgend, mit dem Kopf in Richtung Boden legen. Die Stadt steht Kopf und man hat das Gefühl zu fallen, obwohl man sicher liegt und die Kräfte der Schwerkraft einen sicher halten. Vertigo. Der Heimweg, mit Sigur Ros aus dem Paradies zurück in die Stadt. Die einsamen Laternen beleuchten das hohe Gras, das auf den Hügeln wuchert orange und gibt der Szenerie einen unwirklichen Schein.
Überall sind Nacktschnecken. Wieso überqueren sie die Straße? Es sieht aus wie in einem Film.
Darf die Realität nicht aussehen wie in einem Film? Muss immer alles so deutlich sein wie am Tag, so grell von der Sonne beleuchtet? Du bist doch auch eher ein Kind der Nacht?

Wieder wanderen deine Gedanken nach Paris. Du warst dort und hast es fast vergessen. Du warst genau zwei Stunden in der Stadt des Pendels. Im Untergrund, den Weg tastend, irgendjemanden fragend, der meinte, in Luxemburg wäre es legal, zu kiffen. Du hast ihn nicht berichtigt. Es ist gut, wenn die Menschen ihre Träume behalten. Es war dunkel, aber an den Mauern war Literatur. Oder hast du das alles nur geträumt? Du hattest keine Zeit, vor das Pendel zu treten und niederzuknien und endlich zu wissen. Bilder in deinem Kopf bauen sich auf und zerstören sich sobald sie ihren Zenit ereicht haben, wieder selbst, wie ein Kaladeidoskop der Herrlichkeiten in der Hölle.

Berührungen. Alles bloss geträumt? Du solltest morgen nach Krümmeln suchen. Aber was für Beweise wären das? Du bist dir nicht sicher, was in dir vorgeht. Alles ist vage, undefiniert. Ihr sitzt beide am Feuer, an der ewigen Flamme, die hier nicht einmal metaphorisch gemeint ist und du denkst, dass jetzt eigentlich der Moment wäre. Aber es passiert trotzdem nichts. Du bist zu feige, ihre Hand zu nehmen und zu gestehen, dass du gerne hättest, dass da etwas passieren würde. Und dann, obwohl du nicht einmal sicher bist, ob es nicht eine furchtbar dumme Idee ist, versuchen wollen, zu beweisen, dass es sich lohnt, zu hoffen. Die Sterne sind über dir, aber es gibt keine Hilfe. Diffuses Licht aus der Urzeit, nur dazu da, uns zu zeigen, wie klein wir sind.
Die Grillen singen, weil sie Sex haben wollen, nicht um zu zeigen, dass Sommer ist. Eine Welt ohne Jahreszeiten. NGE.

Nächtliche Wanderungen durch merkwürdige Konzeptgärten. Du möchtest fast stolpern, ohne genau zu wissen, was das auslösen würde. Gute Gespräche bei Sternenschein. Schreiben. So viel redest du übers Schreiben, dass du ganz vergisst, es zu tun. Und dann kommt ein Buch und bringt dich aus der Fassung, dass du eine Woche lang nichts liest. Du weißt nicht, wie lange es her ist, dass du so lange nichts gelesen hast. Und wieder bist du in deiner Kindheit, in der du tagelang gelesen hast, Bücher über Abenteuer, die du selbst hättest erleben wollen, die dir aber immer verwehrt blieben.

All die Leute tauchen wieder auf, teilweise scheinen sie die Erinnerungen verdrängt zu haben, teilweise ist es schön, immer noch gemeinsam daran denken zu können. Vater und Mutter spielen. Die Kindheit der Anderen. Erzählungen von früher, die sich anfühlen wie gezuckerte Fotographien mit Gelbstich. Technicolorschlittenfahrten, als das Farbfernsehen noch selten war. Elterliche Abenteuer, in der gleichen Reihe mit den Kindern von Büllerbö.

Was bleibt, ist das bittersüße Gefühl der Melancholie und des Versagens. Es wieder einmal nicht geschafft haben, den Kopf so zu leeren, wie es gut gewesen wäre. Metamechanik des Gehirngetriebes. Dieselpunkbiologie.

Behringer MS40


Diese zwei Babies sind mein. Nicht nur, dass sie wunderschön anzusehen sind, sie klingen auch einfach nur geil. Wieso schepperende 2.1 PC-Boxen mit prolligem Subwoofer, wenn man einfach nur geile Monitorboxen haben kann? Einziges Problem könnte der Tinitus sein, den ich mir irgendwann einfangen werde, fürchte ich.

Schäume

Blub. Blub. Blub. Du magst dieses Wort. Wie ein Fisch. Blub. Into the White singt Kim Deal. Blub lässt dich die Dinge verdrängen. Du sagst es, wenn die Gedanken dir zu Kopf steigen und du merkst, dass sie zu lächerlich sind. Wenn deine Hände kribbeln und du dich nicht fragst, ob du jetzt einen Herzinfakt haben wirst.
Leuchtröhren aus der alten Eisenbahnwerkstatt mitgehen lassen. Die haben wir damals dort gefunden und spontan für eine Kunstinstallation benutzt. Ich glaube, so wird alle große Kunst geboren. Christo auf dem Weg zu seiner ersten Installation, lässt im Laden eine Rolle Geschenkpapier mitgehen.

Du hast vor einigen Tagen eine Schulkameradin aus alten Zeiten wiedergesehen, mehr aus Zufall. Und du hast dir mal wieder Gedanken gemacht, die du dann mit einem dicken »Blub« verscheucht hast.
Und dann träumst du von ihr. In deiner alten Schule, mit Leuten aus deinem jetztigen Leben. Und ihr. Komischerweise seid ihr euch ganz nahe. Sie sitzt zwischen deinen Beinen, ihr umarmt euch und ertragt doofe Kommentare von Aussenstehenden.

Du erinnerst dich nicht sofort an den Traum. Er taucht erst später einmal auf. Es ist seltsam.
Der Sommer verstärkt all diese Träume.

Vermischtes

Es ist wieder Sommer. Für wie lange?

Ich hoffe, dass es mindestens diese und nächste Woche noch ein wenig sonnig bleibt, denn immerhin arbeite ich mal wieder auf dem Abenteuerspielplatz Ettelbrück, wo gutes Wetter mehr als wünschenswert ist. Alleine schon wegen den Kindern. Dieses Jahr ist das Thema übrigens Asien, weshalb ich jetzt im Schlaf Origami falten kann.

Eternal Tango, die lächerlichste Band auf dem Rock um Knuedler hat es offenbar nötig, zu spammen. Einige Bandmitglieder zeigen sich amüsiert in den Kommentaren, andere posten 5 mal den Link auf die bandeigene Myspaceseite. Ich habe mir erlaubt, letzteres zu zensieren, verstehe ich mein Blog doch nicht als Werbeplattform. Konkret hat sich übrigens kein Bandmitglied zum Inhalt geäussert. (Ich könnte jetzt diesen abgeluschten Ghandispruch zitieren, aber nö, ich bin eigentlich bloss amüsiert.

Jens Scholz: Warum ich Harry Potter lese. Das ist mir irre symphatisch. Harry Potter mag Popkultur sein, aber die Bücher bleiben trotzdem gut, wenn auch keine „Hochkultur“.

A geek in Japan: Neu in meinem Feedreader. Sehr coole Sachen gibt es da. Zum Beispiel tanzende Sturmtruppen.

A Subway Map of Web Trends 2.0. Von der Tokioer Ubahn ausgehend hat man hier eine mehr oder weniger übersichtliche Karte von mehr und minder bekannten Web 2.0-Diensten gezeichnet. Sieht schön aus, und interessant finde ich die Versionnummern und die Vorhersagen. via strange maps

Ich muss mal wieder Freewriting machen. Mal sehen, ob ich heute abend mal nicht zu müde bin.

Band Sieben

Das war's dann jetzt. Ich bin seit Mittag fertig mit letzten Band der Buchserie, die mich wohl am meisten geprägt hat. Ich bin mit Harry, Hermione und Ron aufgewachsen, auch wenn ich sie irgendwann überholt habe. Alles, was ich im Internet getan habe, hatte von Anfang an sehr stark mit Harry Potter zu tun und ich hätte dieses Blog nicht eröffnet, wäre ich nicht in der besten und großartigsten aller HP-Communities gewesen, die es gab. Ich hätte ohne die Serie wahrscheinlich auch nicht angefangen, selbst zu schreiben.
Ich habe diese Bücher immer und immer wieder gemacht gelesen. Die ersten drei Bände konnte ich eine Zeit lang quasi auswäendig. Ich weiß noch, wie ich mich gefühlt habe, als ich sie zum ersten Mal gelesen habe. Heute entdecke ich, dass die Bilder in meinem Kopf so gewaltig und detailreich sind wie kaum bei anderen Büchern und ich Orte entdecke, die dem ganzen ähnlich sehen.

Der siebste Band ist schön. Er bricht mit dem Schema, das alle seine Vorgängern charaktersiert hat, ist düster und hat ein kitschiges Ende. Aber das muss wohl so sein und ist auch gut so. Natürlich hatten gewisse Leute Recht, aber ich lag auch mit einigen Vermutungen nicht so falsch. Das Ende hat glaube ich niemand so vorausgesehen. Und trotz aller Düsterniss gab es auch immer wieder Zeilen, bei denen ich laut lachen musste. Meine Lieblingszeile:
»I forgot we'll be hunting down Voldemort in a mobile library.«

Und jetzt? Nach all den Jahren, in denen es immer einen Band gab, auf den man warten konnte, war es das jetzt. Man schlägt das Buch zu und möchte fast weinen, weil es vorbei ist, und das für immer. Und jetzt?

Mischwelt

Während dem Gewitter
standen wir unter einem Baum
Es war eine Platane
wie sie in der Stadt der Liebe stehen
Wir umarmten uns
unter diesem grünen, feuchten Zelt
Es spielte keine Musik
einzig das stete Tropfen
Doch ich hörte nichts
Blind und taub vom Regen
die Gedanken
Zunge an Zunge
nur in der Mischwelt

(Ist mir eben auf dem Nachhauseweg eingefallen, bei der Platane in meiner Straße. Hat neben der Mischwelt sonst keine reale Inspiration. Das hier ist auch jetzt eher Notiz an mich selbst.)

Tagesrhytmusstörungen

Um 8 aufgestanden, um 9 arbeiten, um 10 wegen schlechtem Wetter wieder heim. Zwei Stunden vorm PC rumgegammelt, gegessen, HP6 gelesen, eingenickt, um halb 6 wieder aufgewacht und -gestanden, gegessen, ferngesehn.
Ich fühlte mich eigentlich recht wach heute morgen. Und jetzt fühle ich mich als sollte ich sofort wieder schlafengehen oder als wäre ich ziemlich krank und schwach.

Ich geh jetzt Perlen aus Fimo basteln. Entschuldigt, ich fühle mich so ausgebrannt wie ein Fichtenwald nach einem Buschfeuer.

Helle Augen

Die Bright Eyes zu sehen war eigentlich eine logische Entscheidung, mag ich die Band doch sehr, besonderes die ruhigen, mit akustischer Gitarre gespielten Songs. Trotzdem habe ich mir kein Ticket vorbestellt und mich erst am Donnerstag entschlossen, wirklich da hin zu gehen. Keine lange Phase der Vorfreude wegen spontaner Aktion.

Leider hieß das auch ein teureres Ticket kaufen zu müssen, das dann leider 25 statt 20 Euro kostete. Dafür gab es dann auch eine Vorband. Oder eine Vorsängerin. Die nennt sich Jaymay, hatte trotz der unglaublichen Hitze im Atelier eine Mütze auf und stand mit einer akustischen Gitarre auf der Bühne. Und sang über Beziehungen. Und das klang alles sehr schön. Ich habe sofort an New York und diverse Szenen aus „Friends“ denken müssen, und ich sollte Recht behalten: Jaymay kommt tatsächlich aus New York und hat ihre Karriere an offenen Mikrofonen begonnen. Sie kann neben wunderschönen Liedern trällern auch noch erstaunlicherweise Blasinstrumente mit ihrem Mund nachmachen. Das klingt täuschend echt, sieht ein wenig merkwürdig aus und gab im Atelier Szeneapplaus.

Soweit ich sie verstanden habe, war dieses Konzert erst das zweite, das sie vor den Bright Eyes gespielt hat. Sie hat sich bedankt, verwirrt ob der vielen möglichen Schreibweisen von „Luxemburg“, wirkte ein wenig aufgeregt und hat irgendwann dann doch ihre Mütze ausgezogen.

(Bild CC by Jacobine)

So langsam begann ich zu ahnen, wie viel ich noch im Laufe dieses Abends schwitzen sollte.
Ich holte mir also schnell ein Getränk, was im Altier nie mehr als 20 Meter Weg bedeutet, denn die Location ist sehr klein, was aber immer für schicke Stimmung sorgt.
Nach längerer Wartepause, Aufbau von Instrumenten, diversen Hockern und Mikrofonen sowie der Dekoration, die aus Blumenkästen bestand, kamen die Bright Eyes dann endlich auf die Bühne. Und wieder einmal wurde mir klar, wie sehr man sich doch beim Hören einer Band verschätzen kann. Ich war der Meinung, die Bright Eyes würden hauptsächlich aus dem Sänger Conor Oberst und seiner Gitarre bestehen, was jedoch nur für die Studioproduktionen so ist, wo dann halt Gastmusiker eingeflogen werden. Zumindest Live stimmt das nicht. Ein Streichquartett, Bläser, Keyboarder, E-Gitarre, Bass und zwei(!) Schlagzeugerinnen standen auf der Bühne. Und ich könnte da auch noch etwas vergessen haben. Ja, Fagott und Querflöte gab es auch noch teilweise.
Alle ganz in weiß. Oberst erzählte nachher, normalerweise würden alle weiße „Wedding Suits“ tragen, aber man habe ob der Hitze darauf verzichtet. Nur der Keyboarder trug seinen Anzug, weshalb er von Oberst gelobt wurde.
Ich habe viele Songs nicht wiedererkannt, was wohl teilweise an meinem allgemeinen Songnamengedächniss liegt, wohl aber auch daran, dass ich die neue Platte Cassadaga nicht besonders gut kenne. Auf zwei Songs hatte ich gehofft: Something Vague und First Day Of My Life. Letzterer kam ziemlich am Anfang und ich wurde wieder einmal überrascht ob der gelungenen Instrumentalisierung. Das große Live-Line Up zahlt sich wirklich aus, geben die verschiedenen Instrumente einem Lied doch viel mehr Tiefe.

Tiefe gab der ganzen Performance auch die merkwürdige Videoprojektion, die dauernd über die Musiker projiziert wurde. Also, ich dachte jedenfalls, dass es eine Videoprojektion sei. Bis Oberst seinem Freund dankte, der mit Hilfe eines Overheadprojektors (Manche kennen das vielleicht noch aus der Schule!) und diversen Folien, Super8-Filmen und Farbe sehr spezielle Muster auf und hinter die Musiker zauberte. Er kann somit sofort auf die Musik und das Gesprochene reagieren, was sehr sehr gut aussieht. Vor allem wenn er Farbe in eine wassergefüllte Schüssel (Oder sonst was, ich habe es nicht erkannt) tropfen lässt und die über dem Kopf des Sängers merkwürdige Muster bildet. Außerdem bestimmt billiger als die Lichtshow gewisser Roboterbands.

Während dem Konzert schmiss Oberst die blumige Dekoration in die Menge, bedankte sich mehrmals bei Jaymay und forderte Applaus für sie. Musikalisch rockten die Bright Eyes einfach nur. Die melancholischen Songs waren in einer Frische umgesetzt, die den Songs ihre inhaltliche Tiefe ließen, sie aber von der Einfachheit der akustischen Gitarre befreiten.

Ein gelungener Abend an dem ich, wie in Luxemburg üblich, mal wieder eine Menge alter Bekannter sah. Das Land ist so klein, dass man eigentlich kaum irgendwo hingehen kann, ohne jemanden zu treffen, den man kennt. Aber eigentlich ist das auch schön so, denn nachher fühlt man sich in seinem Musikgeschmack nicht mehr so alleine.
(Last.fm Eventpage)
Bright Eyes Ticket
Dieser Post wurde zuerst hier veröffentlicht.