Busfahrt. Regen. Anschwellen der Wirklichkeit. Gottesprisma.

»Hat ass leiiiiw…«, denkst du und dann kommt ein BLUB. In Großbuchstaben. Um nicht weiter daran zu denken. Draussen regnet es. Ein fieser Nieselregen, der die Welt in ein nebliges Grau taucht. der dir die Sicht raubt. Alles in der Ferne wird unklar, während dein Fokus sich ändert. Das Gefühl durch ein merkwürdiges Prisma zu sehen, als wäre deine Iris aus einem sonderbaren Kristall from outer space. Sphärische Musik ist das, was du nun brauchst, mehr als alles andere. Du entdeckst Dinge, die du vorhin immer übersehen hast, siehst Altbekanntes in neuem Licht. Du steigst aus dem Bus und für einen Moment lang übertönt das Geräusch und die eklige Wärme die Musik, du fühlst die Wärme der Frau, die zwei Meter neben dir geht und weißt nicht, ob es nicht doch noch das Gemisch aus Abgasen und Ventilation des Busses ist.

Dein Auge weitet sich und du siehst jedes Detail. Deine Gedanken sind beschränkt auf das reine Wahrnehmen. Über dir der Himmel, ein grauweißes Tuch, schwer und voller Melancholie. Unter dir der Asphalt, grauschwarz, nassglänzend, ein Flickenteppich aus Pützen und organisch wirkenden Erhebungen. Als habe hier einst ein Fabelwesen seine Gedärme verloren, die dann zu Asphalt getrocknet sind. Du siehst Gesichter, jeder scheint dich anzusehen, du spürst, dass hinter jedem Blick eine Geschichte liegt, nur den Regen nimmst du nicht mehr wahr, ist der doch wie fallender Nebel.

Bahnhofshalle, Treppen, Anzeigetafeln. Ein Gewirr von Kabel hängt von der Decke. Ein schönes Motiv für ein Foto, denkst du und gehst weiter. Nach oben, wieder zum Himmel, von dem der Nebel hinabfällt. Zu einem bestimmten Augenblick bist du auf Augenhöhe mit dem Bahnhof. Nassglänzender Boden. Oben: Kabel, an denen Wassertropfen wie Tau hängen. Die Musik schwillt an. Wie ein Luftballon, möchtest du sagen, aber der Vergleich wirkt unpassend. Hinkt, sozusagen. Schwellkörper?

Die Welt wirkt unwirklich, so real scheint sie. Du bist eingehüllt in eine Traumwelt aus Nebel. Kleine Wassertropfen tanzen in einer Wolke. Tropenwetter ohne Wärme.
2208071900

5 Kommentare “Busfahrt. Regen. Anschwellen der Wirklichkeit. Gottesprisma.

  1. Ech geif och mam Führerschain während dem Dag net mam Auto an d'Staad fueren.
    Hues du ze vill Zait op der Goodyear?

  2. Pingback: Fireball’s Weblog – (enjoying the postapocalypse) » Blog Archive » Jahresrückblick

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