Überstrichen

Szenecafé ohne Szene. Unruhige Tage vor dem Sturm, der sicher kommen wird. Vielleicht einfach einmal aufhören, den eigenen Gedankenstrom aufzuschreiben und zu analysieren? Du fühlst dich ein wenig schmutzig, obwohl frisch gebadet. Vielleicht die alten Klamotten, vielleicht die ungewohnte Sonne, vielleicht auch einfach nur das Gefühl des Alters dieser Ferien, die quasi unendlich sind. Zum zweitletzten Mal soll der Zyklus beginnen.

Sie haben diese wunderbare Klowand mit all diesen schrägen und sich gegenseitig widersprechenden Sprüchen übermalt. Was wie eine Metapher klingt, ist eigentlich die Realität, nur eine Tatsache, die man mit ein wenig Bestürzung wahrnimmt, dann mit den Achseln zückt und nicht weiter daran denkt. »Freedom for the mental prisoners!« stand da und ich habe es lustig gefunden. Was aber, wenn es wirklich eine Metapher war? Alles neu macht der September. Und ich bin voll des Schwermutes, da der Sommer, den wir nie hatten, auf ein Ende geht und der Herbst, in dem ich mein zweites Jahrzehnt auf diesem Planet beenden werde, eigentlich schon begonnen hat.
Interview
Wenn man zuhause ist, macht einem graues Wetter nicht so viel aus, manchmal wünscht man es sich sogar. Im Urlaub ist es wichtiger, man achtet immer auf das Wetter. Ich auf jeden Fall, aber das macht nichts. Ich mag Wolken, denn ich hasse einfarbigen Himmel. Wieder eine Metapher meiner Gefühlswelt?
Irgendwann äußerte ich den Wunsch, das Meer zu sehen. Sehnsucht nach einem Ort, an dem man Sehnsucht haben kann. Nun werde ich es sehen, aber ich habe das noch nicht mal richtig realisiert. Wie auch, Dänemark ist weit weg!

Über jemand anderen schreiben? Wohl kaum. Obwohl, ich möchte Ina wiedersehen, ihre Gefühle teilen, erleben, wie sie denkt, sie richtig kennen lernen. Dabei ist sie eigentlich bloß eine Puppe in einem Regal in deinem Kopf, mit ein klein wenig Eigenleben. Das ist eine merkwürdige Formulierung für etwas, das eigentlich sehr nahe liegend ist. Natürlich ist ein Charakter, eine Figur, die du erfunden hast, ein Teil von dir, der dich interessiert, den du aber auch einfach irgendwo liegen lassen kannst. Obwohl, alles kannst du nicht mit deinen Charaktern machen.
Ina nimmt wohl kaum ein Messer und schneidet sich die Pulsadern auf, so dass sie stirbt. Das ist einfach nicht »In-Chara«, wie das in Fanfictionkreisen genannt wird. Aber »er« könnte kommen kommen, die beiden könnten sich küssen, Sex haben, ein Liebespaar werden, während du dich sehnst, Ina wäre real und würde Bass für dich spielen. Ein eher absurdes Szenario, auf jeden Fall der letzte Teil. Oder du lässt ihn einfach nicht kommen, lässt sie enttäuscht sein und gibts dem ganzen den gleichen furchtbar melancholischen Ton, den auch dein Leben hat.
(Symbolträchtiges nicht-wirklich-Symbolbild copyright by the_zipper)

3 Kommentare “Überstrichen

  1. Ach Mist verdammter, ich würde so gerne mit nach Kopenhagen kommen. :( Ich werde zwar auch in einer Stadt am Meer sein, aber es wird keine Sehnsucht geben ausser der nach einer fremden Stadt. Die Stadt wird sich nach zuhause anfühlen – ich werde das Meer, den Hafen und seine Cafés wiedererkennen und ich werde bei einem Earl Grey etwas eifersüchtig und traurig gen Osten schauen.

    Argh. Jetzt bin ich auch wieder melancholisch. Hör auf solche Texte zu schreiben. ;P

    Den Wunsch, dass eine erfundene Person Wirklichkeit ist kenne ich nur allzugut. Schöner Text!

  2. Pingback: Fireball’s Weblog - Literature is the new rock! » Blog Archive » Jahresrückblick

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