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Angscht a Schrecken: Projekt Internationalisierung

Nachdem es immer wieder und wieder gewünscht oder angemerkt wurde, soll es nun endlich soweit sein:
Ich werde »Angscht a Schrecken zu Letztebuerg« übersetzen.
Der erste Schritt wird eine Übersetzung auf Deutsch sein, die auch selbst sprechen werde. Danach könnte man sich überlegen, das ganze auf weitere Sprachen aufzudehen – was aber nur möglich ist, sollten sich Übersetzer und Sprecher melden. Freiwillige vor!
Dann bleibt natürlich noch die Frage, welche Episoden man übersetzt. Ich denke nicht, dass es mir möglich ist, alle bisher 41 luxemburgischen Episoden zu übersetzen und zu sprechen – es sei denn, jemand bezahlt mich dafür. Also bleibt nur, eine Auswahl aus verschiedenen Episoden zu treffen und diese einzusprechen.
Falls jemand Vorschläge hat, welche Episoden sich für eine Übersetzung eigenen würden oder sonst irgendwie helfen will: meldet euch!
Ziel ist übrigens nicht nur, meinen nicht-luxemburgischen Lesern und Leserinnen in den Genuß von Angst und Schrecken kommen zu lassen, sondern das ganze auch in freien Radios im deutschsprachigen Raum senden zu lassen. Wenn schon Radios Interesse haben , immer her mit den Kontakten!

Podcast: Angscht a Schrecken net bei, mee och net ganz wait wech vun de Kakamaschinen

Seit ein paar Wochen schon stehen in zwei Museen, da eins nicht groß genung ist, die berühmt berüchtigen Colaca-Maschinen von Wim Delvoye. Im Blog Small city life wurde schon gefragt, wieso kein Blogger auf diese Maschinen reagierte. Dies sei meine Antwort auf die Kakamaschinen.
Als Gonzojournalist muss man sich sowas natürlich ansehen, wenn auch bloss aus der Ferne. Wenn dann noch ein Konzert in einem cyanblau ausgeleuchtetem Keller und ein wenig Paranoia und Zweifel über die wahren Pläne des diabloischen Wim Delvoye hinzukommen, sind Angst und Schrecken perfekt…

[audio:http://media.switchpod.com//users/fireballsweblog/angschtaschrecken45.mp3]
MP3-Direktdownload Angscht a Schrecken net bei, mee och net ganz wait wech vun de Kakamaschinen

Zu hören ist das ganze auch von 16 bis 17 Uhr in der Sendung Crumble auf Radio ARA auf den Frequenzen 103,3 und 105,2 oder im Internet unter ara.lu. Die Sendung ist diesmal besonders hörenswert, ist doch der Präsident der Republique Libre de Clairfontaine bei uns zu Gast. Ausserdem gibt es eine neue Folge der Bouneschlupp.

Die Musik stammt von Revolution Void und steht unter einer cc-Lizenz.

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Kreuzigung

Er trat auf den Balkon mit seiner gusseisernen Balustrade, blickte hinab auf den kleinen Platz vor seinem Haus, wo sie am Fußgängerübergang wartete. Autos rasten an ihr vorbei. Die Luft war warm, geradezu schwül, der Himmel schon graublau. Das kommende Gewitter kündigte sich an.
Sie wirkte in ihrem roten T-Shirt wie ein Fleck Blut auf der marmorweißen Haut des Platzes.
Sein nackter Oberkörper war behaart, er roch seinen eigenen Schweiß.
Als die Ampel unten am Platz, wo sie, rot wie Blut, zu warten stand, auf grün schaltete, breitete er seine Arme aus und schrie:
»Warum hast du mich verlassen?«

Das “Radiohead”-Modell

macht Schule: Trent Rezor, der normalerweise Nine Inch Nails ist, hat ein Projekt zusammen mit Saul Williams, der normalerweise Hip-Hop und Reden gegen Bush schwingt, gemacht. Das ganze nennt sich »The Inevitable Rise and Liberation of NiggyTardust « und kommt am 1. November als Download-Album raus. Und das schöne: gratis.
Wenn man nichts bezahlt, bekommt man 192-kbps-mp3s, wenn man 5 Dollar springen lässt, kann man zwischen drei Formaten, darunter sogar das verlustlose FLAC wählen. Wow.
Das ganze gibt‘s hier: The Inevitable Rise and Liberation of NiggyTardust

Die alten Medien und ihre “Blogs” (Zweiter, dafür aber nicht weniger schmerzhafter Teil)

Nachdem RTL ihre Blogs und Podcasts hatten, musste das zweitgrößte Revolverblatt Luxemburgs dann auch nachziehen: Das Tageblatt, auch bekannt als sozialistische Gewerkschaftszeitung des Großkapitals, hat jetzt auch sein Blog. Das ganze nennt man sinnigerweise »Tageblog« und wird auf der Homepage des Tageblatts mit den Worten »Kommentare & Leserreaktionen« beworben.
Symbolfoto: Erklärung für ein Klo
Symbolfoto: Japanische Erklärung für eine westliche Toilette. Passt auch zum Tageblog.(cc by Hilly)

Seit dem 3. September bloggt wird beim Tageblatt. Beteiligt sind die Damen und Herren Danièle Fonck, Francis Wagner, Fränk Hary, Guy Kemp, Helmut Wyrwich, Jean-Marie Backes, Léon Marx, Lucien Montebrusco, Philip Michel, Robert Schneider, Roger Infalt und Tom Wenandy. Alles Tageblattredakteure, die auch in dem gedruckten Blättchen manchmal ihre Meinung loslassen. Einen sogenannten Kommentar schreiben. Oh. Gibt es da etwa einen Zusammenhang? Hat man den gleichen Fehler wie RTL begangen?
Man hat. Vielleicht noch einmal schnell das positive: für das Tageblog gibt es einen seperaten RSS-Feed, jedoch nicht für die einzelnen Autoren, und man kann Kommentare schreiben. Was jedoch nichts am Inhalt ändert: Die Blogeinträge sind die Kommentare des gedruckten Tageblatts. Genau wie RTL versucht man auch hier, bestehenden Inhalt als etwas neues zu verkaufen, vor allem aber täuscht man etwas vor, was man nicht ist: ein Blog. Ein Blog hat nämlich eigenen Inhalt, es ist persönlicher als die Kommentare, die nur dann wirklich eine Meinung vertreten, wenn es um Fußballstadien geht, (edit) und vor allem: die Inhalte wurden für das Blog geschrieben. (/edit)
Und vielleicht, liebes Tageblatt, versteht ihr jetzt auch, wieso sich kaum jemand erbarmt, euch einen Kommentar unter die halbgaren Meinungen eurer Redakteure zu schreiben: Sie interessieren niemanden. Wieso auch? Dem Tageblattleser wird nichts Neues geboten, und wer sonst sollte eurer Internetangebot benutzen? Lieblos gemacht ist das ganz dann auch noch, denn die verpixelten und im Halbschatten aufgenommenen Autorenfotos wirken nicht so, als würde man es wirklich ernst meinen. Aber wenn die Agentur sagt, das sei klasse, dann ist es bestimmt auch klasse.
Das Ganze fällt mal wieder klar in die Kategorie »Nichts verstanden!«. Ich kriege selbst dann mehr Kommentare als ihr, wenn ich darüber schreibe, was ich auf dem Klo mache!
Es gibt gute Journalistenblogs. Aber momentan wage ich sehr zu bezweifeln, dass dies je in Luxemburg der Fall sein wird.
Fazit: Es schmerzt. Nicht nur, weil es zeigt, wie wenig die luxemburgische Presse von Web2.0 verstanden hat, nein, es zeigt auch, wie tot sie ist.
(Danke an E. für den sachdienlichen Hinweis!)

Möblierte Seele

Afurnishedsoul - Collapse of the Ivory Towers Afurnishedsoul - roboticat afurnishedsoul - BROKEN RECORD
Ich mag ja elektronische Musik, besonders wenn man ihr das Label »Indie« irgendwie aufdrücken kann. Das ist ein Grund, wieso ich öfters ins D:qliq gehe oder mich auf Konzerten innerhalb der »Republique Libre de Clairfontaine« herumtreibe. Afurnishedsoul macht solche Musik und das erste und einzige Konzert, das ich von ihm gesehen habe, war in der Republik. Seine Musik wurde davor aber schon einmal in der Queesch vorgestellt. Ich habe mir damals Collapse of the Ivory Towers heruntergeladen, alles ganz toll gefunden, die Seite gebookmarkt und das ganze fast vergessen. Für eine Radioserie habe ich die Musik dann als Hintergrundmusik benutzt, was ja auch ein Qualitätsmerkmal ist.
Auf jeden Fall ging die Webseite von damals irgendwann nicht mehr. Und so wartete ich. Bzw. ich habe öfters mal daran gedacht, dass Jeff, so heißt Afurnishedsoul nämlich im richtigen Leben, mir gesagt hat, er würde die Musik zurück online bringen.
Und das hat er jetzt getan. Auf seiner Myspaceseite kann man ganze 5 Alben oder Sessions herunterladen, immer komplett mit Cover. (Und das als Zip-Datei, anders als bei vielen Bands, die offenbar nie ein Gesamtprojekt verkaufen wollen?) Einziger Nachteil: Unter einer speziellen Lizenz wie Creative Commons oder ArtLibre gibt es die Musik leider nicht.
Prädikat: Empfehlenswert! Luxemburgischer Indie at it‘s best!

Podcast: Angscht a Schrecken zu Kopenhagen

Manchmal muss man als Gonzojournalist auf Konferenzen fahren. Dänemark und besonders Kopenhagen sind ein schönes Ziel für solche Konferenzen. Aber ob man hier so viel Angst und Schrecken erleben kann?
Der Gedanke, dass es in Dänemark auch „ohne“ geht, wird schon beim Überqueren der Grenze zunichte gemacht…

[audio:http://media.switchpod.com//users/fireballsweblog/angschtaschrecken44.mp3]
MP3-Direktdownload Angscht a Schrecken zu Kopenhagen

Zu hören ist das ganze auch von 16 bis 17 Uhr in der Sendung Crumble auf Radio ARA auf den Frequenzen 103,3 und 105,2 oder im Internet unter ara.lu

Die Musik stammt von Revolution Void und steht unter einer cc-Lizenz.

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Night Train

Der Nachtzug als grosses Ungeheuer in der Nacht. Du verlierst jedes Gefühl für Richtung oder Orientierung, da sie den Zug ständig herumdrehen. Ein langer, stöhnender, ächzender, metallischer Levitan frisst sich durchs Land. Wäre die Lokomotive nur mit Diesel betrieben gewesen! Das ganze hätte noch sehr viel martialischer gewirkt, mit dem Ständigen Auf und Ab der Kolben.
Die Sterne sind deine einzigen Begleiter, wenn die Maschine dich in deinem Bett herumwirft, du verwirrt aufwachst und dich verwirrt daran zu erinnern versuchst, wann dich das letzte Mal der Mittagsdämon heimgesucht hat.

Metawurm

Du bist zusammen mit fünf anderen Personen in diesem kleinen, schmalen Abteil. Jemand schnarcht. Eine Person kommt – wo auch immer sie die Nacht verbracht haben mag, zurück und du riechst eine ganze Stange gerauchter Zigaretten. Wie viel muss ein Mensch rauchen, um so nach Rauch und Asche und stinken? Erst nach fünf Minuten nimmt deine Nase nichts mehr wahr.
Verwirrt suchst du deinen Weg auf die Toilette. Da die grosse Behindertentoilette besetzt ist, musst du wohl oder übel die für „normale“ Personen aufsuchen. Hier schwebt ein Hauch von Urin in der Luft, vielleicht klebt er auch einfach vertrocknet am Boden. Du stellst dich seitlich vor das Klo, weil du dich hier nicht setzen willst und vor dem Klo kein Platz ist.
Auch eine neue Erfahrung.
Irgendwann in der Nacht hast du eine Sternschnuppe gesehen, deutlich wie schon lange nicht mehr. Nach kurzem Überlegen (und doch eigentlich sofort!) hast du dir einen Kuss von I. gewünscht. Ist dies nun ein Geständnis? Wenn überhaupt, dann war es eins, während der Folter der Maschine in der Nacht erzwungen. Die Grenze. Irgendwie bedrohlich, der lange Stopp, dazu deine irrationale Angst vor Passkontrollen. Du bildest dir ständig Bewegung ein, glaubst, das Arbeiten der Maschine zu hören. Aber welche Kolben sollen da langsam anlaufen, zum ewigen Kreislauf Ansaugen, Verdichten, Verbrennen, Ausstossen, wie Atmung, Verdauung und Reproduktion in einem. Die Maschine hat kein Sperma, keinen Uterus, und trotzdem fickt sie.
Und dennoch, das Schnaufen ging weiter. Vorbei an Windmühlen. Friedlich. Hoffnung im eisern Griff des Halbschlafes und des Keuchens dieses metallischen Wurms. Meta-ll. Metawurm. Meta für Meter.

Am Morgen dann, der eigentlich noch Nacht ist, fahrt durch urbanes und suburbanes Gefilde. Fast schon behutsam kriecht der Metawurm durch die Dunkelheit. Durch namenlose Bahnhöfe zwischen den grossen Städten, wo nur ein paar müde, vom faden Licht der Bahnhofsbeleuchtung merkwürdig in Szene gesetzte Frühreisende stehen, von grossem Abenteuer der Reise durch die Nacht verkündend. Mord im Orientexpress, Transsibirische Eisenbahn, Norddeich-Mole, Kopenhagen-Düsseldorf.
Zum Abschied winkt die Schaffnerin mit leichtem Akzent.

Photo cc by blogeescht