Die alten Medien und ihre “Blogs”

Ich wundere mich nun schon ein paar Tage lang, wieso die RSS-Feeds von rtlnews.lu und wort.lu auf dem luxemburgischen Blogverzeichniss Blogbuerg (An dieser Stelle noch einmal Kudos an pa!) auftauchten. Wort.lu hat kein Blog, aber, und das habe ich eben erst entdeckt, rtlnews hat welche. Anders als bei der lächerlichen Podcastsektion wird der Begriff nicht erklärt und es gibt auch keine Erläuterungen, wie man die Blogs in seinen RSS-Feed aboniert.
Symbolfoto: Erklärung für ein Klo
Symbolfoto: Japanische Erklärung für eine westliche Toilette. (cc by Hilly)

Und wieder einmal wird es deutlich: Die alten Medien verstehen weder Blogs, Podcasts noch Web 2.0. RTL wiederholt bloß ihre tendenziell fremdenfeinlichen und dazu noch schlechten Witzereisser sowie die Nachrichten über die Erfolge der Männer in Blau und Kühe auf den Straßen als Podcasts und das, was da als »Blogs« verkauft wird, sind die Texte der vier Kommentarrubriken, die RTL hat: »Carte Blanche«, »Commentaire«, »Carte Blanche économique« und »Rapport économique«. Eine Mogelpackung sozusagen. Den Inhalt gab es auch schon auf der alten RTL-Seite, nur wurde es dort nicht als Blogs verkauft. Da sieht man auch schnell, wieso das mit RSS nie erklärt wird: es ist überhaupt nicht möglich, einzelne Sektionen der RTLnews-Seite zu abonieren. Endweder alles oder nichts, so die Devise. Zeigt wieder einmal sehr viel Verständniss und Nutzerfreundlichkeit.
Sowas bringen nicht mal deutsche Tageszeitungen fertig. Da schreiben die bloggenden Journalisten wenigstens noch Inhalte, die sie nicht in ihrem regulären Medium veröffentlichen. Ich weiß nicht, ob ich RTL das empfehlen würde. Vielleicht sollten sie das mit Bloggen einfach sein lassen. Wissen die Autoren überhaupt, dass sie bloggen, oder wird das einfach so auf die Seite gestellt?

Endweder, die Journalisten/Redakteure/Moderatoren bei RTL fangen von selbst an, zu bloggen, oder sie werden dazu gezwungen und bringen nur ein halbgares Blog fertig, wie wir das schon oft bei anderen Medien erlebt haben. Insofern mag es ehrlicher sein, einach bestehenden Inhalt als Blog zu verkaufen, aber sehr viel Verständniss von der Sache zeigt es nicht. Und ich weiß auch nicht, ob ich mich eher aufregen oder nur darüber lachen soll. Aufregen deshalb, weil wohl viele Luxemburger zum ersten mal bei RTL auf den Begriff stoßen werden, Lachen, weil es einfach nur so herrlich dämlich ist. (Neue Medien braucht das Land!)

7 Kommentare “Die alten Medien und ihre “Blogs”

  1. Das mit den RTL- und wort-Feeds in der Blogbuerg nervt mich auch schon eine ganze Weile.

    Übrigens: ein Journalist, der momentan eventuell Zeit zum Bloggen hätte: Tom Graas. Und ein quasi selbst ernannter, der es schon tut: Alain Frast.

  2. Danke für den Kudos ;)

    Die Feeds hatte ich rein gesetzt, nachdem ich sie kürzlich entdeckt hatte. Eigentlich war ich der Meinung, dass man nicht genug Feeds da sehen könnte, aber trotzdem habe ich jetzt einige Bedenken. Nachrichtentitel und -text sind nicht wirklich als Blogeinträge zu gebrauchen, und der wort.lu-Feed funktioniert anscheinend schon gar nicht mehr.

    Am Moment arbeite ich an einigen Änderungen der Blogbuerg, um eher die Aktualisierungen der Blogs zum Vorschein zu bringen.

  3. Ach Joel,

    Bis die luxemburger Presse kapiert hat was ein Blog ist und was man damit alles machen kann, sind sie längst davon überrollt worden. ( Wenn sie es denn nicht schon sind.)
    Andersrum könnte man aber auch sagen, dass sie es gewollt ignorieren und nur halbgar behandeln, weil sie sehr wohl wissen wie viel Macht hinter den Blogs steckt….

    Wobei wir wieder bei dem schon beinah klassischen Streit wären, Blogger contra Journalisten.

  4. Bitte, danke und ich freue mich auf die neue Version der Blogbuerg. Ein kleineres “Archiv” der Aktualisierungen (zB. der letzten 24 Stunden) als Unterseite würde ich praktisch finden!

  5. Pingback: Fireball’s Weblog - Literature is the new rock! » Blog Archive » Die alten Medien und ihre »Blogs« (Zweiter, dafür aber nicht weniger schmerzhafter Teil)

  6. Pingback: Blogging like nobody’s reading | enjoying the postapocalypse

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