Religion, die Trennung und andere gesammelte, jedoch ungeordnete Gedanken

Momentan kocht es ja ein wenig zum Thema Religion. Nicht nur der luxemburgische Blogklumpen hat immer öfters Diskusionen, Videos, etc. über (bzw. gegen) das Thema, sondern auch gesamtgesellschaftlich bewegt das Bündniss zur Trennung von Kirche und Staat sowie die Debatte über Werteunterricht anstatt Religionsunterricht die Gemüter in Luxemburg.

Ich bin römisch-katholisch erzogen worden, war Messdiener und bin sogar gefirmt. Irgendwann nach meiner Firmung habe ich meinen Glauben verloren bzw. bemerkt, dass da eigentlich nichts war. Ich habe dann meine eigene Religion gegründet, den Zeroismus. Gut, damit konnte man auch prima Leute beeindrucken, was nicht unherblich dazu beitrug, dass ich diese Religion propagierte. Sehr ernst habe ich das aber nie genommen.
Ich habe mich trotzdem weiter mit Religion beschäftigt, weil ich es einfach nett finde, über diese Mythen und Legenden und Geschichten zu lesen. Okay, ich mag vielleicht einfach über Mythologie im Allgemeinen lesen, ob das jetzt Geschichten über Engel mit Feuerschwertern sind oder siebenärmige Götter, macht wenig Unterschied.
Sehr interessant fand ich auch die Diskordianer, und mittlerweile auch das Spaghettimonster.

Im Allgemeinen kommt meine Skepis zu allem, was irgendwie spirituell ist, nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern hängt auch sehr viel mit der wiederholten Lektüre von Das foucaultsche Pendel von Umberto Eco, wo vieles davon seziert wird. Das bleibt natürlich hängen: Die Neigung, das alles »nett« zu finden mit der Gewissheit, nicht glauben zu können.
Der Katholizismus hat den Vorteil, dass er sehr hübsch metaphysisch ist und für jeden Scheiß seinen Schutzpatron hat. Man betet nicht nur zu einem Gott, sondern zu einem dreigeteilten Gott, seiner Mutter, einem ganzen Herr von Heilgen und Seeligen und einer Armee von Engeln, mit ihrer eigenen Hierarchie. Alles sehr nett zum darüber Schmunzeln, aber dran glauben mag ich nicht mehr. Bzw. tue es einfach nicht mehr.

Mit dem Atheismus bzw. Agnostizismus kommt dann auch die Frage nach dem »Danach«, die wir einfach nicht beantworten können. Ich fände es doof, wenn es wirklich vorbei wäre, aber hey, davor schützt auch ein Glaube nicht.

Die Trennung ist dann sowas, wo ich lange gedacht habe, mhmm, ist das nicht eigentlich in Ordnung so, wie es ist bzw. mir wenig Gedanken darüber gemacht habe. Ich habe auch erst erfahren, dass der Islam keine Konvention hatte, als es hieß, die würden jetzt auch eine bekommen. Im Allgemeinen habe ich eher eine »Lasst die doch ihren Glauben haben«-Einstellung, als dass ich jetzt stark antireligiös wäre. Anderseits gibt es mir einfach viel zu viele Irre im Namen irgendeines Gotts. Stellt sich die Frage, ob es die nicht mehr gibt – oder ob es weniger sind, wenn man den Religionsgemeinschaften ihren finanziellen Topf wegnimmt. (Die Frage, inwiefern Zuschüsse zu Krankenhäusern und Schulen gerechtfertigt sind oder im Falle eines Falles verstaatlicht werden sollten)

Im Allgemeinen ist in Luxemburg die ganze Geschichte doch sehr politisch, und es geht um die Wurst, bzw. es geht vor allem auch um die CSV. Wenn die christlich-konservative Partei seit Jahren an der Macht ist, dann hat das einen Einfluss auf den Einfluss der Kirche auf das Bildungsystem, das soziale Leben, usw. Und darin liegt vielleicht auch ein (verstecktes) Ziel des Trennungsbündniss: der (in meinen Augen längst überfällige) Fall der CSV. Im Grunde genommen brauchen wir keine konservativen Kräfte im eigentliche Sinne, denn die Welt ändert sich ständig, sie ist nicht zu konservieren – ein ständiger Kampf gegen die Windmühlen des Fortschritts und des freien Denkens. Es sei nochmal daran erinnert, dass die einzige Nicht-CSV-Regierung seit Kriegsende von Vielen als die beste luxemburgische Regierung überhaupt bezeichnet wird. Was nicht heißt, dass ich unbedingt für eine sozialdemokratische-liberale Koalition wäre, aber vielleicht würde sie dem Land besser tun als das ewige Herumklettern an den Hämoriden des Jean-Claude Junckers, weil in einem Hintern schon kein Platz mehr ist.
(gut, dieser Abschnitt hatte jetzt nicht viel mit Religion zu tun)

Religion ist Privatsache, und die Vermischung von Politik und Religion hat selten zu etwas Gutem geführt, so wie es im Allgemeinen selten zu etwas Gutem führt, wenn man sich an aus dem Kontext gerissene Regeln aus alten Büchern hällt und Dogmata aufbaut. Vielleicht wäre das ein guter Schlusssatz für diese wirre Gedankensammlung.

Ein Kommentar zu “Religion, die Trennung und andere gesammelte, jedoch ungeordnete Gedanken

  1. Das Unangenehme an Religion im öffentlichen Raum ist, dass Leute, die religiös motiviert irgendwelche Dinge tun, immer ein Fleißkärtchen dafür erwarten, dass sie einem merkwürdigen Kult anhängen. Man kann eine Schule oder ein Krankenhaus betreiben oder konservative Politik machen oder einem Lebenssinn nachjagen, ohne dass ein religiöses Sahnehäubchen obendraufsitzt. Trotzdem gibt es immer noch dieses merkwürdige Gütesiegel.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *