Erster Tag in Montréal

[0805061816CET-6, Hotel Lord Beri, Montréal, Québec, Kanada]
Alors, Monsieur le Vice-Président, wie gefällt es ihnen in Montréal?
Ich hatte mich auf den Deal eingelassen, mich um 20 vor Sieben mit einer meiner Gastgeberinnen in Valleyfield, Christina, auf dem Hotelflur zu treffen. Sie sah ein wenig aus wie ein Paris Hilton-Lookalike, war aber eigentlich ganz nett. Nachdem ich ihre Mutter und Wohnung gesehen hatte, war mir einiges klar geworden, auch ich nicht alle Zusammenhänge kannte. Nun war es aber gerade mal Fünf, und ich beschloss, die Stadt unsicher zu machen. Das Hotel lag im Quartier latin, was eine seltsame Mischung aus Downtown-Hochhäusern, Kebap-Buden, Krimskramsgeschäften und thailändischen Nuddelsuppenrestaurants war. Und dennoch relativ schick wirkte.

Quartier latin in Montréal

In mir erwachte ein zu tiefst luxemburgischer Trieb: Ich wollte ein Bier. Ich bin nicht der große Biertrinker, ich bin eher ein Fan von Gin-Tonic, Rum, Whiskey, zum Mixen auch gerne Wodka.
Aber heute wollte ich ein Bier. Ich hatte lange keins mehr gehabt und es dürstete mir einfach danach. Aber ich streifte nur libanesische Restaurants, in denen Schilder mit fehlenden Umlauten hingen. Nebenan thailändische Restaurants, die irgendwelche merkwürdigen Suppen verkauften, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Auf den Straßen sassen überall Punks, die sehr viel schwärzer und dunkler angezogen waren als in Luxemburg.
Wahrscheinlich gefährliche HC-Leute, denen ich entgegen meiner Gewohnheiten wohl lieber nicht zulächeln sollte.

Vielleicht kann mein Durst nach Bier, den ich im Übrigens nicht stillen konnte, da ich keine Bar fand, die entweder nicht furchtbar teuer wirkte oder seltsam leer war, deshalb, weil ich mir einige Stunden zuvor neue Schuhe gekauft hatte, von denen ich nicht nicht sicher wusste, ob sie mir gefielen. Ich hatte 140 kanadische Gummidollar dafür bezahlt, was je nach Wechselkurs 80-100 harte Euro waren. Das war ziemlich teuer für Schuhe, die ein wenig drückten und von denen ich nicht wusste, was ich von ihnen halten sollte. Anderseits wäre ich auch bereit gewesen, 70 € für Allstars auszugeben, was Stoffschuhe im Wert von höchstens fünf kanadischen Gummidollar waren.

Fires neue Schuhe in Montréal

Ich wollte mich als Journalist vorstellen, sagen, ich würde für die international an- und bekannte europäische Gonzo Times schreiben. »Comment, vous ne connaissez pas les GONZO TIMES? Mais je suis comme même pas en Etats-Unis ici! «
Aber es wird wohl das beste sein, sich mit Deo einzusprühen und den Vice-Président zu spielen.

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