Studentenleben (public beta)

Ich liebe ja Blogs von Studenten über ihr Studentenleben. Also nicht, dass ich nur darüber lesen will, aber wenn man mit einer so typischen Studentenbloggerin wie Comme „aufgewachsen“ ist, kann man wahrscheinlich gar nicht anders, als das, was da in Studentenwohnheimen, WGs und Hörsällen abläuft, klasse, lustig und erstebens- oder zumindests lesenwert zu finden.
Und ich selbst möchte ja auch irgendwann mal ein richtiger Student sein, auch wenn ich noch immer nicht so Recht daran glaube, dass das je passieren wird. Nicht, weil ich mir das nicht zutraue, sonder eher, weil ich im Gefühl habe, dass mich ein tonnenschwerer Laster beim unachtsamen Überqueren einer Strasse erwischen wird. Es ist schon viel zu lange gut gegangen, als ob ich immer so viel Glück haben könnte.

Aber das Praktikum in Marseille ist ja schon ein gutes Training für das Studentenleben, sollte ich es je haben. Ich wohne bekanntermassen auf dem Campus „Luminy“, in einem von 6 wunderschönen Studentenwohnheimen. Es gibt auch ein paar nett aussehende Gebäude mit Studios, die im Vergleich zu meinem Kabuff wahrscheinlich wie Paläste aussehen.
Gemeinsames Bad und gemeinsame Küche klingt eigentlich gar nicht so schlimm. Ich hatte mir so fünf bis sieben andere Personen vorgestellt, mit denen ich ein normal aussehendes Bad und eine normal aussehende Küche teilen würde. So wie man sich das halt so vorstellt, als naiver Pratikant.
In Wahrheit teile ich mir die Küche und das Bad mit ca. 20 Personen. Und die Räume sehen nicht aus wie man sich solche Räume normalerweise vorstellt, sondern eher wie ein einem.. na ja, Studentenwohnheim. Eklig.

Das Bad besteht aus drei Klokabinen mit Schüsseln ohne Brille, ohne Klopapier und es wundert mich, dass Bürsten vorhanden sind und die Spülung funktioniert. Am ersten Tag war eins der drei Klos vollgekotzt. Zum Glück bin ich am zweiten Tag auf ein anderes Stockwerk (höher!) umgezogen, dh. ich muss nie auf ein Klo setzen, von dem ich weiss, dass es mal mit eingetrockneter Kotze beschmiert war. Was wahrscheinlich jedoch bei jedem der Klos der Fall ist, aber was man nicht weiss, verursacht keine Verdauungstörungen.

Die Küche besitzt ganze zwei Herdsockel. Keine Herdplatten, wie jede normale Küche, sondern ca. 20 cm hohe Herdsockel. Ich habe sowas noch nie gesehen, weiss nicht, wieso das so ist und will es auch nicht wissen. Die Küche sieht öfters ähnlich aus wie das beschriebene Klo des ersten Tages, nur, dass die Nahrungsmittel noch keinem Verdauungsorgan hinzugefügt wurden. Obwohl man das manchmal gar nicht so genau sagen kann.
Meistens ist die Arbeitsfläche total versaut, es liegen kleine Tintenfischarme herum, abgefallenes Paniermehl von Fischstäbchen oder der eingetrocknete Schaum übergelaufener Milch bilden eine nette Kruste, die nicht nur für das allgemeine Kochvegnügen sorgen, sondern auch noch ein herrliches Biotop für Wesen bilden, über die ich mir lieber keine Gedanken machen.
Es gibt zwei Spülbecken. Mindestens eins davon ist ständig verstopft, in dem anderen befindet sich die Kruste von angebranntem Essen (oder verbranntem Rotkohl – so genau wollte ich es noch nicht untersuchen). Heute haben zwei junge Männer, die eine Sprache sprachen, die ich nicht verstand, aber für etwas in die Richtung „arabisch/türkisch“ halte, einen Fisch ausgenommen. Und sich dabei lauthals darüber gestritten, wie man das richtig macht.
Ich wollte nicht fragen, ob die Fischstäbchenüberreste, die seit zwei Tagen auf der Arbeitsfläche liegen, von ihnen stammen.

Ich stach meine unschuldigen und immer noch halbrohen Kartoffeln testweise mit meinem Taschenmesser und verschwand wieder in mein Zimmer. Hatte ich erwähnt, dass auf der guten Kochplatte derzeit etwas brodelte, das offensichtlich niemand gehörte? Das passiert auch öfters. Leute kochen etwas und lassen es so lange stehen, bis es vollständig karbonisiert ist. Wahrscheinlich zu Testzwecken. Ich will auch gar nicht wissen, wie viel Crack in der Küche schon gekocht wurde.

Als ich wieder kam war ein Waschbecken überschwemmt und die Innereien des Fisch taten das, was sie sein ganzes Leben lang getan hatten, nur jetzt halt ohne seine Hülle: Sie schwammen. Nur dies mal im Waschbecken.
Das ganze hat den Vorteil, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich ein paar Reiskerne, die mir beim Wasserabschütten ins Waschbecken fallen, dort drin lasse. Die Brühe dort drin ist sicher das Experiment für die Abschlussarbeit von irgendwem, genau wie der Fischkopf letztens auf der Aussentreppe…

Über die merkwürdige Lärmbelastung erzähle ich dann ein anderes Mal. Entgegen all dem, was ich jetzt erzählt habe, bin ich übrigens ziemlich glücklich hier. Es fühlt sich ein klein wenig an wie Urlaub. Mit dem Unterschied, dass ich manchmal auch arbeiten muss. Und sonnig ist es.

5 Kommentare “Studentenleben (public beta)

  1. Ich hoffe, dass oben Beschriebenes zur allgemeinen Unterhaltung und Belustigung zählen soll und deshalb masslos übertrieben wurde….wenn dem nicht so sein sollte, lese ich da etwa zwischen den Zeilen: hilf mir mama und hol mich da raus???

  2. http://twitter.com/JollySea/statuses/847112930

    Les ich da eine Mutter, die ihren Sohn vermisst und ihn vor abgeschnittenen Tintenfischärmchen auf der Arbeitplatte beschützen will, das aber so nicht im Internet sagen will und es deshalb in eine mässig gute verpackte Portion Ironie verpackt?
    (Ist alles wahr. Ausser vielleicht das mit dem Crack. Und trotzdem gefällt es mir hier. Die Sonne scheint, Zikaden singen und das Leben meint es gut mit mir.l)

  3. wow, und ich dachte, hier wär’s eklig! :)
    vielleicht grillst du dir dein Tofu lieber draussen über einem offenen Feuer…

  4. uiiii, vivement la cuisine luxembourgeoise ,Wat elo nit wellt heeschen dei Franseich Kichen wierneicht, mae et bezit sech op dei leif zouzstaen, mat dengen matbierger. Gudden Apetit

  5. Dat mat der Kichen hätt ech der awer kënnen soen. Haas de net d’Fotoen gesinn vu menger Studentewunneng d’leshct Joër? Do huet de Knascht sech iwwerall opgetiermt, net nemmen den Dësch an d’Kachplack. Ech färten, dat ass an engem Studentewunnheem normal. -_-

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *