[0808282204]

Du kannst dein Glück kaum fassen. Du hast den Zug noch erreicht, der aus irgendeinem Grund fünf Minuten zu spät abfährt – als habe er auf dich gewartet. Wie war das nochmal? „Ein Gonzojournalist kommt nie zu spät oder zu früh, sondern immer genau dann, wenn er es will …“

Virtuos mit irgendwelchen Zitaten hantieren, postmodern, Cutup 2.0, quasi. Darin bist nicht nur du Meister.
Zu dritt saßt ihr irgendwo in Oberschlesien, im Niemandsland des polnisch-tscheschichen Grenzgebietes, auf einer Mauer in einem Hinterhof. Der Mond war beinahe voll und hing entgegen seiner Gewohnheiten wärmend am Himmel. Jede/r hing seinen eigenen Gedanken nach, die so laut waren, dass sie die Stille fast durchbrachen.

Eine dicke Motte flog gegen die Straßenlaterne, die ihrerseits ihr Licht auf die kaum befahrene polnische Straße war.
Es war dennoch nicht unkomfortabel. Eher angenehm.

Einige Zeit später. Ob Stunden oder Minuten konnte niemand mehr so genau sagen. Karaoke, John Lennon und viel zu viele fehlende Lieder. Ein Bushäuschen irgendwo in Oberschlesien.
Sie hatte dir ihre Hand hingehalten. Und du hattest sie genommen.
Und jetzt hattet ihr einander an der Hand. Und du wusstest, dass du sie nicht loslassen würdest, niemals am Besten, wenn nicht irgendwann der Bus kommen oder deine Muskeln schlapp machen würden.

Jede Berührung, jeder Atemzug, jeder Herzschlag brannten sich dir ins Gedächniss, wie das Gegenteil von Narbengewebe.

2 Kommentare “[0808282204]

  1. Pingback: long gone day | enjoying the postapocalypse

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