Sonntagsartikel

Ich ärgere mich in letzter Zeit immer mehr über Geschlechterrollen und ihre Auswüchse, egal ob das jetzt „Mädchenmilch“ (mit nur 1,5% Fettgehalt) oder Comedians mit pseudoevolutionärpsychologischen Hintergründen sind. Und wenn man dann in der Zeit einen Artikel über intersexuelle Kinder liest, wird man noch viel nachdenklicher, vor allem in Bezug auf Erziehung und gesellschaftlicher Einfluß auf Geschlechterollen.
Leseempfehlung. Und wenn irgendwer mehr zum Thema weiß: mich interessiert das.

9 Kommentare “Sonntagsartikel

  1. Knüpf mir den Artikel heut mittag vor!
    Es gibt sicherlich viele Aspekte in der Sexualbiologie die wahnsinnig intressant sind. Nicht blos von evolutionärer Perspektive betrachtet (Warum gibt es überhaupt geschlechter, und wie kann man deren Enstehung evolutionär erklären – die Antworten sind häufig nicht sehr trivial…). Intressant find ich zb dass es bei uns Primaten das Y Chromosom ist (bzw ein paar Gene dortdrauf) welche das Männliche Geschlecht definieren. Wir sind also standartmässig alle Frauen, die Präsenz des Y Chromosomes ist bestimmend. Bei vielen Arthropoden ist das umgekehrte der Fall. Bei manchen Reptilien ist es die Temperatur die die Sex-bestimmenden Gene aktivieren. Bei Fliegen ist es ein komplexeres Phenomen, was als Gen Splicing bekannt ist.
    Es gibt zB Menschen die XXY Chromosome haben, und, obwohl sie unter verschiedenen Entwicklungsdefekten leiden, eher männliche Charakteristiken aufweisen. übrigens, wer sich wundert, ist bei Frauen immer blos ein X Chromosom aktiv, das andere ist sozsagen abgeschaltet. Sehr intressant sind übrigens Spezies mit mehr als 2 Geschlechtern, ich glaub ich hab mal von einem 4 geschlechtrigen Insekt gelesen… Müssts aber jetzt nachlesen. Oh ja und Bienen Genetik natürlich (http://members.aol.com/queenb95/principles.html). Wenns jemanden wirklich intressiert, ich müsst noch irgendwo ein paar PDFs aus meinen Vorlesungen über so Zeugs haben…

  2. Au ja, hätt ich fast vergessen: Ein recht seltenes Phänomen ist die Rekombination bei der Meiose (enstehung der Spermien und Eizellen) bei dem das geschlechtsbestimmende Teil vom Y auf das X springt. Folglicherweise sind die Nachkommen entweder Mädchen mit XY oder Jungen mit XX. Häufig wird dies nie erkannt, weil die wenigsten von uns unsere Chromosome anschauen… Ich kann mich aber an ein paar entsetze Gesichter bei Sportveranstaltungen erinnern (während des kalten Krieges waren viele DDR und UDSSR Sportlerinnen so auf Steroiden dass man vorsichtshalber eingeführt hat, Chromosomen Bilder (Karyogramme) zu schiessen um zu schaun ops denn Männlein oder Weiblein ist…

  3. hey Jo :)

    ech setzen grad an mengem haus zu canterbury an hun fir d’eischte keier seit enger woch rem internet!

    juhuuuuu aaah ech sin bal gestuerwen ouni ^^
    *addicted*
    *internetintravenös*

    Schöne Grüße :—)

  4. Ein paar unzusammenhängende Gedanken zum Thema:

    Mag ja sein, dass das alles irgendwie genetisch oder evolutionär erklärbar ist. Aber lästig ist, dass es in solchen Diskussionen immer auf Dummheiten wie “Frauen kaufen Schuhe, Männer lügen am Telefon” runtergebrochen wird.

    Eins der vielen Päckchen, die intersexuelle Kinder zu tragen haben, muss wohl auch der Umstand sein, dauernd als Beweismaterial in Erklärungen des Menschen und der Welt an sich vorgeführt zu werden.

    Abschneiden, Schweigen und/oder Lügen scheint eine brutales und unangemessenes Umgehen mit einem komplexen Sachverhalt, da wundert es mich nicht, wenn es nicht das gewünschte Resultat erzielt.

    Nur, wer einen Schniedelwutz hat, darf mit den anderen kleinen Jungs Fussball spielen? Das führt geradewegs zu Punkt eins zurück.

  5. Für mich – und ich denke da sind Leute die qualifizierter sind als ich, ist eben vieles nicht “evolutionär” erklärbar, sondern viel viel mehr durch Erziehung. Ich finde, dass sich diese ganzen “das ist wegen den Urmenschen so”-Erklärer schon fast mit “Rassenlehre” auf einer Stufe stehen.
    Aber das macht die Welt halt ungleich komplexer, wenn man sie nicht immer durch Gott/Schicksal/Gene erklären kann, sondern auch durch eigenes Zutun und Erziehung.

  6. Das ist, glaub ich, der Punkt, dass in der Diskussion unausgesprochen mitschwingt “genetisch/evolutionär=nicht veränderbar; erziehungsbedingt=veränderbar”. Rückwärts gedacht: Wenn ich etwas für nicht veränderbar erklären will, suche ich mir die eine Begründung, will ich es als veränderbar sehen, suche ich die andere.

    Vielleicht hab ich bei Erklärungen die sich auf die “So war das Jahrtausende lang bei den Urmenschen”-Theorie stützen, immer nur die blöden, kurzen, versimpelnden Argumentationen gelesen. Aber wenn man mal Naturvölker betrachtet, deren Dasein besser dokumentiert ist als das des Cro-Magnon-Menschen, dann sind die alle sehr verschieden voneinander. Und sie sind sehr anpassungsfähig und stets im Wandel begriffen. Warum sollte das bei den Steinzeitmenschen anders gewesen sein? Aber je weniger Informationen hat, desdo mehr Raum kann man mit Mutmaßungen füllen.

  7. Ich habe leider gerade nicht genug Zeit ein sinnvolles Statement zu der Diskussion abzugeben, aber wollte mal auf das Genderblog hinweisen: http://genderblog.de/
    Meiner Meinung nach kann man so ziemlich alles, was es im deutschsprachigen Web zu dem Thema gibt, über das Blog finden.

  8. Klingt interessant. Aber die erste längere Diskussion, die ich dort angeklickt hab, ist ein Haufen antifeministischer Verschwörungstheorien (Jungs sind Schulversager, weil sie von feministischen Lehrerinnen unterdrückt werden…) Sind die da immer so? *grusel*

  9. Ob die da immer so sind, kann ich dir nicht sagen, da ich die Diskussionen nur hin- und wieder lese. Die haben halt dort das übliche Problem mit unqualifizierter Kritik: Löscht man sie, macht man sich der Zensur verdächtig – lässt man sie stehen, steht jede Menge bullsheet in den Kommentaren.
    Ich habe das Blog auch nicht wegen der Diskussionen in den Kommentaren empfohlen, auch nicht so sehr wegen der eigenen Artikel, die recht unterschiedliche Qualität haben und oft z.B. auch nur Veranstaltungshinweise sind. Ich finde das Genderblog v.a. deshalb empfehlenswert, weil es eine ausführliche Linkliste hat zu aktuellen Artikeln und relevanten Blogs in diesem Themenfeld.

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