Meinungsfreiheit

Eben sah ich folgenden „Status“ bei einem meiner Facebookkontakte:
XY* thinks people with limited understanding of morals, history and consequences should shut up and not mess with social and political issues

Ich finds erst Mal erschreckend, sowas von Jugendlichen in einem halbwegs aufgeklärten, westeuropäischem Land lesen zu müssen. Ich meine, Ok, ich will auch nicht, dass Nazis den ganzen Tag auf der Straße stehen und ihre Parolen schreien, genausowenig will ich keine Post von Pierre Peters, PI lesen müssen oder den ganzen Tag Gebrabbel vom ADR hören. Und trotzdem müssen in einer Demokratie, in einer freien Gesellschaft alle Menschen gleich behandelt werden – und dazu gehört die Meinungsfreiheit. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Gesellschaft nur dann funktionieren kann, wenn jeder seine Meinung kund tun darf, solange er sich dabei an gewisse Regeln hällt. Und gesellschaftlicher Konsens über schwierige Themen wie beispielsweise die Sterbehilfe lässt sich nur dadurch erreichen, dass man auch die Argumente der Gegenseite hört.
Anderen Leuten den Mund verbieten heißt meistens, zu glauben, man wüßte selbst besser, wie es laufen sollte. Das klingt für mich ungefähr so wie „Ich schreib jetzt meine eigene Wikipedia!“.
Jede Diktatur zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Meinungen von Kritikern verbietet, deren Werke verbrennt, sie einsperrt, foltert, tötet, usw. – immer aus Furcht, die eigenen Argumente wären nicht die Besseren. Und ich weiß zumindest von meinen Argumenten gegen die ADR, Pierre Peters, PI und sonstige Nazis, dass sie besser sind als deren. Was aber nicht heißt, dass es nicht wichtig ist, dass auch diese Menschen ihre (in meinen Augen durchaus verquere) Meinung äußeren dürfen.

Ihre Meinung ist mir absolut zuwider. Jedoch würde ich mich dafür totschlagen lassen, damit Sie sie äußern dürfen! (Voltaire Evelyn Beatrice Hall, unter dem Pseudonym Stephen G. Tallentyre in „Die Freunde von Voltaire“, 1906. Das Zitat wird in dieser Form oft fälschlich Voltaire zugeschrieben (Wikiquote)

(*Name von der Reaktion geändert)

18 Kommentare “Meinungsfreiheit

  1. Wou hues du dann Englech geleiert zanter wei heescht “should shut up” dann “den Mund verbieten”?

  2. Also aus “should shut up” an den Rescht vun deem Saatz sou eppes ze man an et matt “braune Scheiße” an “Nazis” ze taggen ass krass Polemik.
    Waat erwaards de dir dovun?

    Wann jo, vill spaass

  3. Klenge Kritiker: Vlaischt hätt ech erwähnen sollen, daat an der Diskusioun och Sprech wéi “Meenungsfraiheet sucks” gefall sinn. Den Prinzip alleng erféiert mech.
    Huch? Hues du main Artikel gelies? Oder just d’Tags, déi sech op Nazien, ADR, PI an Pierre Peters beruffen?
    Et geht jo drems daat jiddereeng seng Meeng därf soen (also och Nazis), anescht wéi den zitéiteren Status et implizéiert.
    Den leschten Saatz vun dengem Kommentar verstinn ech net.

  4. Wieso schreibst du einen eigenen Text, der schlecht, reißerisch, überflüssig ist, wenn du als Schlußklausel eh ein Totschlag-Zitat bringst, das alles hinwegfegt, was du selbst geschrieben hast?

    In 15 Zeilen mal eben laienhaft Meinungsfreiheit in Luxemburg behandeln und sich anschließend im Schein eines wunderbaren Zitates baden, um etwas Glanz zu erhaschen? Nee nee, das ist pseudo – in diesem Sinne werfe ich auch ein Aphorismus in den Raum, damit mein Post besser aussieht:

    “In einem Kuhfladen kann man ein komplexes Ökosystem sehen – oder nur einen ganz gewöhnlichen Misthaufen.” – Toll, was? Man, bin ich gut!

  5. Das Zitat stimmt auch nicht von Voltaire, es stammt von Evelyn Beatrice Hall aus deren Werk über diesen: “Die Freunde von Voltaire”.

    Vielleicht sollte man doch warten bis man Ahnung von Geschichte hat ehe man seine Meinung lauthals herausposaunt….

    gleiches gilt wohl auch für Konsequenzen und Moral

    deemnach lautet mein Zitat “quod erat demonstrandum” (auch wenns eher ein sprichwort ist)

    (bitte falschen comment löschen- danke)

  6. Ech géif mengen, dass et éischter dorems geet, wéi d’Gesellschaft mat enger Meenung emgeet.

    Et ass natierlech dem Beschof säin gutt Recht seng Meenung zur Stierfhellef ze äußeren. Mee wa seng Meenung awer op Aussoen opbaut, déi iwwert keen argumentativen Ennerbau verfügen, dann dierf d’Gesellschaft, virun allem d’Politik, déi Meenung net all ze eescht huelen. Dat virun allem dann, wann et Meenunge sinn, déi d’Fräiheet aschränken.

  7. Manuel: pseudo-was? Ich kapier gerade nicht, was du mir mitteilen willst. Irgendetwas war es bestimmt.
    Pol: Ich weiß jetzt gerade nicht, welchen Kommentar ich löschen soll, da beide wirr sind und Fehler enthalten.
    Ausserdem find ich es bezeichnend, dass du nochmal versuchst drauf zu hauen, ohne auf meine Antwort zu reagieren.

  8. Du kannst dir ein pseudo- auswählen:

    pseudo-intellektuell
    pseudo-belehrend
    pseudo-kulturell
    pseudo-bloggy
    pseudo-ich-muss-mal-wieder-was-Cleveres-loswerden
    pseudo-selbstdarstellend (obwohl man das pseudo hier eigentl. weglassen kann)

    Schade, dass du meinen Post nicht verstehst, ich find’ ihn ziemlich deutlich – Naja, man versteht ja bekanntlich nur dass, was man verstehen will. Wow, das hat auch Zitat-Charakter!

  9. Manuel: Dein Kommentar lässt sich irgendwie auf “Du schreibst deine eigene Meinung, wie scheiße!” zusammenfassen.
    Tja, mach ich aber. Nicht mehr, und nicht weniger. Klar ist das selbstdarstellend. Aber darum geht es hier ja. ;-)
    Pol: OK. Danke übrigens für den Hinweis, habe ich geändert.

  10. Den zitéierten Status huet implizéiert, dass Leit “with limited understanding of morals, history and consequences” net MUSSEN de Baak haalen mee just deem WIERKLECH opgekläerten Deel vun der Gesellschaft hier pseudo-intellektuell Éclaboussuren erspueren SOLLTEN. Vu datt se et net maachen gesinn ech net an weem ech hei soll de Mond verbueden hun, an méng Ausso mat Nationalsozialismus an Zesummenhang ze bréngen as wierklech enner aller… firunallem well den Auteur vum Blog vläicht enner Emstänn sollt nosichen WAAT hei mat NS a Konsorten a Verbindung bruecht kéint gin, enner aanerem vun eelere Semester mat méi wäitleefegem understanding of history (cf. schéinen Doud).
    Ganz besonneg well den wäerten Blogger mech soss als Unhänger vum Vatikaneschen Leithammel ugesäit, woumat NS a massiver Kontradiktioun steet.
    “should” as ee Conseil, “must” wier ee richtegt Mond verbidden.

  11. Et ass awer och an der Diskusioun drems gaangen, daat “Meenungsfraiheet sucks”. An daat fannen ech ziemlech erschreckend. An jo, Mond verbueden kann een och an esou enger iwerhiewlecher Aussoe dran gesinn. An och den Conseil fannen ech schon erschreckend genuch.

    An wann ech soen “ESOUGUER Nazien mussen hier Meenung kennen soen”, wiesou gesais du dann do eng Verbindung? Just well ech dain Status als Ausgangsbasis huelen, fir main Gedankengang ze féiren? Verstinn ech net ganz. Et waar awer och bestemmt net meng Absicht, dech als Nazi ze bezeechnen, wiesou sollt ech daat och maachen, wou wier do d’Logik?

    Wéi een sech kann als opgeklärt bezeechnen, wann een un Botschaften aus engem 2000 Joer aalen Märchenbuch glewt, bleiwt mir schleierhaft, mee bon, och opgeklärt Chrëschten missten am Fong wessen, daat Stirwhellef an NS-Euthanasie zwou verschidden Saachen sinn an ech fannen et ziemlech krass, déi zwou Saachen ze verglaichen. An och d’Roll vun der Kirch am zweeten Weltkrich ass wuehl eng, iwert déi een kann Diskutéiren.

  12. Du wells Kontroverse andeems de méng Ausso mat NS a Verbindung bréngs, da wonner dech net wann ech der eng aaner Kontroverse zréckginn.
    Opgekläerte Chreschten respektéieren iwwerzeegten Atheisten, mee vu datt der ganz vill nemmen mam Stroum Schwammen statt aus dem Floss ze klammen, da kann och een opgekläerte Chrescht nemmen de Kapp reselen.
    You just proved me right.

  13. Maika, wiesou ennerstells du mir, ech wéilt dech mat NS an Verbindung setzen – an kanns du mir wéisen wou an wéi ech daat genee maachen? Well ech eng Kontroverse wéilt? Pardon, mee wann ech Kontroversen well, ginn et aaner Themen wéi dech mat NS an Verbindung ze setzen.
    Mee interessant, fir d’Nazi-Verglaich-Argument mol eng Kéier emgedréint ze beobachten. Trotzdem wärt d’Diskusioun elo wahrscheinlech zu Enn sinn.

  14. Huch, was ist denn hier los? Ich finde nach wie vor Luxemburgisch mühsam zu lesen, drum entgeht mir einiges, aber…

    “Wer von nix keinen Blassen hat, soll die Klappe halten” – das ist eher rotzig als staatsbedrohend, zumal es in einem absolut folgenlosen Kontext ausgesprochen wurde. Die einzige Folge, die das haben kann, ist, eine weitere Rotzigkeit als Reaktion zu kriegen, und die hat sich der Schreiberling redlich verdient ;)

    “Wer als erster Nazi schreit, hat gewonnen” ist ein Grundsatz, der jede Menge Aufgeregtheit und Rotzigkeit hervorbringt, ganz besonders, wenn er in Konkurrenz zu dem weiteren Grundsatz “Du sollst nicht mit den Nazis vergleichen” tritt. Das ist ein bisschen wie Brausetablette in Cola oder ein Negerkuss in der Mikrowelle.

    Froh zu sein bedarf es wenig.

  15. Full ack, Joël.

    Das Schöne an der Demokratie ist doch, dass jeder eine Meinung haben darf, aber niemand eine Ahnung haben muss. (Das dürft ihr ruhig auch als Aphorismus verwenden, wenn ihr irgendwo Funken versprühen wollt, stammt von mir aus dem Jahre 2001.)

    Meinungen sind nicht da um sie zu verbieten, sondern um sie zu zertreten. Und das Zitat klingt eindeutig nach Mund verbieten, sag ich als Student englischer Linguistik. Falls dies nicht der gewollte Effekt sein sollte, müsste der Autor vielleicht seine Englischkenntnisse überdenken.

  16. Meinung zertreten?

    ER HAT GESAGT, ER WILL ANDERE MEINUNGEN ZERTRETEN!!! HALLO, MENSCHENRECHTE?!

    Vertreten meinst du?

    Der war echt gut.

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