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Außen braun, innen hohl*

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Schweinegrippe, Erdbeben, Finanzkrise – man hat nicht sehr viel zu lachen diese Tage. Und wenn dann auch noch die ADR im Osten die zweitstärkste Partei wird, hat man erst Recht Grund, sich zu fürchten.
Doch es gibt Hoffnung. Denn wenn am 8. Juni Menschen wie Ralph Hellinckx gewählt werden, dann wird ChamberTV besser als jeder Comedy TV-Sender.
Wer jetzt schon einen Vorgeschmack auf den brillianten Rethoriker und Politprofi Hellinckx haben will, der kann sich das knapp einstündige Interview von RTL mit dem 21 jährigen Kanidaten, der den Titel „Erstwähler des Jahres“ sicherlich verdient hätte, ansehen.

Fazit: Kein Inhalt ausser der, wenn sie aus Hellinckx Mund kommt erstaunlichen Forderung, dass die Leute richtig Luxemburgisch sprechen und schreiben sollten und der idiotischen Idee, einen der wichtigsten Teile des luxemburgischen kulturhistorischen Güter und damit UNESCO-Welterbe zu zerstören, weil man einen Zug unter einer Stadt bauen will, damit Hellinckx mit seiner „Landrover Defender“ durch die Stadt brausen kann.

Außerdem kann man mit dem Video, ganz passend zur Osterhasenpartei*, ein Trinkspiel veranstalten, wie Chris richtig angemerkt hat. Ich bin übrigens sehr dafür, dass man Hellinckx, der jetzt schon ein luxemburgisches Meme ist, auf Youtube setzt und ihn ein wenig remixt!

(*Der Titel der ganz frech von Thorben geklaut, das Foto ist cc by dem_Christoph)

Update: Auf Twitpic sind Bilder von Ralph aufgetaucht, auf dem Userstream von @segaloge. (Links entfernt. Chris hat Recht.)

Watchtower (III)

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Es wird mal wieder Zeit, um alle möglichen Fundstücke, die ich von meinem imaginären Wachturm im Internet erspäht habe, hier auszubreiten.

Bruce Sterling, ein anscheinend berühmter Autor des Cyberpunks, blogt jetzt für wired, auf deren Konto eine ganz schreckliche Übersetzungspassage bei den Simpsons geht. (Das „Wunderlich“-Magazin). Das kommt via anmut und demut, wo Ben auch ein Thompson-Zitat mit einem wohl seltenen Bild des jungen Hunter illustiert hat und diese geniale Gameboywerbung ausgegraben hat. Ich hatte Ben übrigens jünger eingeschätzt, aber ich vergesse immer wieder, dass die Verhältnisse des luxemburgischen Blogklumpen, in dem die potente thirtysomething-Schicht quasi ganz fehlt, nicht auf andere Länder umsetzbar sind. Vielleicht haben twitter und facebook mich aber auch schon so unmoralisch gemacht, dass ich kein Alter mehr einschätzen kann, sondern nur noch potentielle Opfer sehe.

In meinem Geburtsjahr gab es auch schon Musikpiraten. So ganz legal ist Jaydiohead bestimmt auch nicht. Last.fm ist ja auch so ein Tool, das man als Musikliebhaber gerne benutzt. Analog dazu soll jetzt BookArmy das last.fm der Bücher sein. Sollte ich mal ausprobieren, am besten in Kombination mit einem 300$ 30 €-Buchscanner (bzw. 10^100 Zimbabwe-Dollar) Wem das nicht gefällt, kann ja ein Weihnachtslicht verschlucken. Es gibt ja schon glow-in-the-dark-Fische, gibt‘s das auch schon in Froschform?

Nach Trainspotting und Flugzeugstarren kommt jetzt, die Krise lässt grüßen, Polewatching. Wer hingegen lieber seine Kentnisse in Typographie verbessert, dem sei typefacts an‘s Herz gelegt.
Die Spinnen, die letztes Jahr irgendwann auf der anderen Seite des Ärmelkanals aufgetaucht sind, sind jetzt in Tokio. Dass sie in Deutschland alle durchdrehen und das Internet wegsperren wollen, ist nichts neues, aber dieser Vorschlag hier ist noch ein wenig weltfremder. Verdammt krank und so menschenverachtend, dass ich am liebsten das Wort mit „N“ davorschreiben möchte, ist diese CDU-Meinung, dass Homosexualität“ eine Krankheit und „heilbar“ sei. Dann hör ich doch lieber Alan Moore zu, wie er Rorschach liest.

Photomanipulation geht auch ganz leicht ohne Photoshop und Gesichter erkennt man mit Star Trek. Und wenn wir schon im Weltraum sind: Das Zentrum unserer Galaxie nach Himbeeren riecht und die NASA Deep Space Internet testet. Beide Dinge finde ich sehr over the top awesome.

Ein Blog von jenen, die ganz unten sind nennt sich Soziale Manieren und eine Seite über Magazine aus Papier GuteSeiten. Außerdem ist Luxemburg mal wieder Weltmeister, bei etwas, was wir richtig gut können: Rotwein saufen. (Jaja, Tankstellenverkäufe, ich weiß.)

Aus Mexiko, wo gerade die Welt untergeht, Schweinepest und Erdbeben und morgen wird es wahrscheinlich auch schwarzes Sperma regnen, erreichte mich heute eine Postkarte mit dem Bildniss von Subcomandante Marcos, mit diesem weisen Spruch hinten drauf: Wofür auch immer du kämpft, mit welchen Mitteln auch immer … Denk an den Postkartenfotographen! In diesem Sinne: Denkt an die Blogs!

(Photo cc by James Emery)

Das Land der Linken

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Ich bin ja chronisch unentschlossen, was die nächsten Wahlen angeht. Ich weiß zwar, wen ich sicherlich nicht wählen werde, aber auch wenn dann noch zwei Parteien bleiben, weiß ich nicht, ob das nun tatsächlich die Richtigen sind oder ich aufgrund von Symphatie wähle. Und vor allem sind zwei Parteien noch immer eine zu viel, wenn man eine Parteienliste wählen will. Oder sollte ich etwa meine Stimmen auf die Personen der Parteien verteilen? Und was, wenn irgendeine der Parteien, die ich eigentlich nicht wählen wollte, dann doch Positionen hat, die mich überzeugen und von denen ich nichts wusste?

Also muss eine Entscheidungshilfe her! Mein Versuch, die Wahlprogramme nach Wörtern „Internet“ oder „Kulturflaterate“ zu durchsuchen, schlug fehl, diese Wörter ganz einfach nur so selten vorkommen, dass man sich fragen kann, ob die meisten Parteien/Politiker überhaupt wissen, worum es bei Themen wie Netzneutralität überhaupt geht. Der Wahl-o-mat der Bundeszentrale für politische Bildung war in vergangenen Jahren zwar immer ein nettes Spielzeug, hilft mir aber nicht, mein luxemburgisches Problem zu lösen. Doch per twitter fand ich Abhilfe! @abotis wies mich auf den EU Profiler hin. Schnell die 30 Fragen beantwortet und dann das Ergebniss angeschaut. Und die erstaunen schon ein wenig. Fast alle luxemburgischen Parteien befinden sich auf der linken Seite der „socioeconomic“-Achse, nur die ADR ist ein wenig weiter nach rechts als die Nullachse. Im Vergleich dazu sind z.B. die deutsche CDU und CSU sehr viel weiter rechts als die luxemburgische CSV.
Die einzige luxemburgische Partei, die auf der „EU-Integration“-Achse im negativen Bereich liegt, ist die KPL.
Mehr Bilder und merkwürdige Tatsachen nach dem Klick.
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Befindlichkeit (Drang)

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Der Drang zu Schreiben überfällt dich bei dem Anblick des trostlosen Bahnhofs.
Eine Welt in Grautönen.
Pützen, Asphalt und Stahlbäume an denen die Früchte der Angst wachsen.
Wachsende Überwachung für wachsende Angst.
Darüber Kabelgewirr, dass diese Welt zusammenhält, dicke Nervenbündel, damit es stets hell für „Gottes“ Auge ist.
Beruhigend nur, dass es keine Verschwörung gibt.
Aber: Schreiben wollen? Gerade jetzt? Es könnte so schön sein, alles könnte mit Ruhe und Ungemütlichkeit über die Bühne, die die Welt bedeutet, gehen. Vielleicht ist es auch mehr: Schreiben müssen.
Mit dem Hochdruckreiniger ins Ohr, den ganzen Schmutz und Dreck und Schleim und Schmalz, gelb, orange und blutig aus dem Gehirn pusten, auf dass er durch die Luft fliegt und auf der Straße landet, die sogleich in Flammen aufgeht und zu einem blutigen Teersee schmilzt, in dem kleine süße Exkremente mit Kulleraugen schwimmen.

Die Vegetationszeit ist eigentlich nur sehr kurz. Ich habe trotzdem immer noch Hoffnung, denn Totgesagte sterben zu letzt.
Die Chlorophyllmenschen des bizarren Planeten Endoplasmaretikulum haben ihre Invasion begonnen, und nur eine Gruppe kann die Erde retten: zwei Nerds, eine Whiskyflasche und ein gut gesinntes Weichtier aus outer space, das in einem alten Satelliten wohnt.

Schwärze zieht auf, ein Augenfleck verdeckt die Sonne.
Was ist die Befindlichkeit des Landes?

(Photo cc by megat)

Netzneutralität (II)

Wie La Quadrature du Net zu berichten weiß, ist das Votum im ITRE-Auschuss gut ausgegangen und das kritische Amendment 138 wurde bestätigt. Ich hatte ja die drei luxemburgischen Abgeordneten, die in diesem Ausschuss sitzen, angeschrieben und promt zwei Antworten erhalten. Gestern und heute erhielt dann nochmal zwei Antworten auf meine Mails, einmal von Claude Turmes persönlich:

Moien Joël,
merci vir dain email. mir ennerstezen deng Positioun voll a ganz a stemmen vir déi amendementer déis du uginn hues. Et geet em d‘fundamental Rechter vun den Internet-Benotzer.
schéi gréiss,
Claude
Claude Turmes, MEP, Vice President of the Green Group in the European Parliament

und einmal von Herrn Goebbels bzw. seinem Assistenten, der sich bisher ja noch nicht zu Wort gemeldet hatte:

Léiwen Härr Adami,
Wei Dir vläit wësst, war gëschter Owend an der ITRE-Commissioun den Vote zum Trautmann-Rapport. Och zu eiser Freed ass dat famoust Amendement 46 mat 40 zu 4 Stëmmen ugeholl gin!
Mat beschte Gréiss,
Marc Ernsdorff
Assistent vum Robert Goebbels

Find ich klasse. Vielleicht ist das aber auch nur Wahlkampf, aber für mich ist diese Aktion ein Erfolg gewesen und bedeutet, dass ich wohl in Zukunft öfters „meine“ EP-Abgeordneten nerven werde. Vielleicht ist demnächst ja ein Blogger unter ihnen? (Achtung: Das war jetzt explizit kein politisches Statment. Ich bin noch immer ziemlich ratlos, für wen und wie ich meine Kreuze machen soll.)
In Deutschland wird das Votum aber wohl kaum Grund zur Freude bieten, denn dort wird mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit die Internetzensur durchs Parlament gejagt – woraufhin die Blogger streiken.

Ein <3 für Blogs

Jaja, ich mach auch jeden Scheiß mit. Immerhin bin ich ja auch irgendwie deutschsprachige Blogosphäre, auch wenn ich weder das Wort Blogosphäre mag und den luxemburgischen Blogklumpen kuscheliger, da überschaubarer, finde.
Hier meine unbekannten Perlen:

If the future isn‘t bright, at least it‘s colourful Das Blog von Comme ist eins der Blogs, die ich am längsten lese, auch wenn man der Autorin mittlerweile auch einige Dinge vorwerfen kann, zum Beispiel das Kaufen von Sportschuhen und das Nichtmögen von Sigur Rós. Trotzdem definitiv eine Perle, da Comme zu den wenigen Menschen gehört, die es schaffen, mich mit geschriebenen Worten dazu zu bringen, laut zu lachen. Das schafft sonst eigentlich nur Max Goldt.

dieJulia macht nicht nur tolle Fotos von Wien und den Bergen, sondern schreibt auch lustige Schüttelreime und Rezepte, die ich nie kochen, geschweige denn essen könnte, trotzdem aber immer lecker klingen. Und wenn der Textoutput mal höher ist, dann ist das umso wunderbarer. Außerdem ein Teil der ersten Blogger-Liebesgeschichte, die ich mitbekommen habe.

Den Herrn Stardustlyriker mag ich nicht nur, weil er Zeitzeuge aus einer Zeit ist, die ich nur aus Erzählungen und von 8-bit-Nostaliktshirts kenne, sondern auch, weil er es schafft, eine interessante Mischung zwischen Privatleben, Meinungen und „Gemischtem“ zu bloggen.


classless Kulla
schreibt nicht nur über Verschwörungstheorien, sondern auch wundervoll übers Trampen. Außerdem ist er diskordianischer Kommunist, was ich großartig finde.

Ben von anmut und demut bastelt nicht nur seit Anfang des Jahres sein eigenes Blogsystem und schreibt so interessant darüber, dass es auch für einen relativen Laien wie mich spannend ist, sondern verbindet seine Postings über Popkultur und ähnliches auch stets mit tollen Bildern. Eingepackt ist das ganze in einem ansprechenden Layout.

Ist die Gefühlskonserve zu bekannt, um hier bei „unbekannten Blogs“ erwähnt zu werden? Ich weiß es nicht, aber ein Multitalent wie Deef, der es nicht nur schaffte, mich an einem der schlimmsten Tage meines Lebens (ich übertreibe, aber es fühlte sich so an!) per twitter aufzumuntern, sondern auch die tollsten Hörbücher der Welt und die beste Zitatserie von allen führt, darf nicht unerwähnt bleiben.

So. Wäre der luxemburgische Blogklumpen nicht so klein und überschaubar, dass in einer Aktion „Een Härz fir Blogs“ sowieso alle Blogs genannt würden, würde ich sie glatt ausrufen. Ich mag euch nämlich, Blogosphäreklumpen!

København Store: action, please!

Ab jetzt review ich mehr oder weniger regelmäßig CDs, die mir freundlicherweise von der Agentur labile aus Italien zur Verfügung gestellt werden. Es handelt sich wohl vor allem um Sachen aus dem Indie und Postrock-Bereich, wobei das ja auch immer viel heißen kann. Das erste Album, das ich mir vornehme, kommt von der italienischen(!) Band København Store und nennt sich „action, please!“. Merkwürdigerweise steht im Internet, dass es schon letztes Jahr 2008 rausgekommen ist, während auf dem Zettel von labile „Street Date: november 2009″ steht. Kann sein, dass es bisher nur in Italien als CD erhältlich ist.

kobenhavenstore

København Store stammt trotz ihres Namens aus Italien und besteht aus vier Leuten. Allerdings begann die Band als Duo nach einer Reise durch Skandinavien, wodurch sie auch inspiriert worden. Das erklärt auch den für eine italienische Band unüblichen Bandnamen.
„action, please!“ ist meistens ein dichter Teppich aus typischen postrock-Gitarrenklängen, vermischt mit elektronischen Sounds, teilweise auch mit Gesang.
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Homöopathie = Bullshit

Edzard Ernst gibt jedem 100.000 Dollar, der die Wirksamkeit von Homöopathie wissenschaftlich beweisen kann. Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet. Woran das wohl liegt?
Der „weltweit erste Professor für Komplementärmedizin“ im Interview mit dem schweizerischen Tagesanzeiger über eine der wohl erfolgreichsten Bauernfängereien für leichtgläubige Esoterikfuzzies und andere Hokuspokusgläubige.

(via sixtus)