Watchtower

Statt in Berlin zu sein, wo sich nicht nur die Grinsekatze aufhällt, die übrigens in dieser merkwürdigen Kavka-Sendung auftauchen wird, sondern auch die re:publica stattfindet, sitze ich hier in Luxemburg und versuche mal wieder, den Strom zu teilen wie einst Moses das rote Meer. Auch in Straßburg und London wäre ich gerne – oder sagen wir so: Ich habe ein schlechtes Gewissen, nicht dort zu sein, auch wenn es hier wahrscheinlich sehr viel gesunder ist und ich eigentlich keine Lust habe, mich mit Tränengas und Schlagstöcken behandeln zu lassen. Und hey, in London gab es rosa Sturmtruppen und Anon.

Marx hatte Recht, meint Richard Metzger auf boingboing. Dort steht auch, dass eine Graphic Novel über die Beat-Generation mit dem Namen The Beats erschienen ist, was mich freut und eventuellen Schenkwilligen eine Inspiration sein sollte.

L for Liberty erklärt den Kapitalismus und Roude Stär den Kommunismus. Sollte das Konzept der augmented Reality bald Wirklichkeit werden, so hoffe ich, dass es eine Funktion gibt, dass bei jedem Gespräch, in dem jemand ein Wort über seine Bedeutung hinaus verbiegt, ein Pop-Up mit der richtigen Definition aufspringt.

RTL lässt ein Video über Winnenden löschen – aber haben wir das nicht eh schon alle längst wieder vergessen? Vielleicht ist es auch besser so, dann können wir uns beim nächsten Mal, wenn die Medien voreingenommen und sensationsheischend über ein Thema berichten, wieder aufregen. Oh, halt. Es passiert doch eh ständig, denn die Medien haben offensichtlich ein Bündniss mit der Gewalt.

Am 24. Januar 2004 meinte Bill Gates Two years from now, spam will be solved.. Wie wir alle wissen, lag er falsch damit. Wrong Tomorrow heißt eine Webseite der zwei(?) Sci-Fi-Autoren Robert Scoble und Dave Winer, die sich mit solchen Vorhersagen beschäftigt und versucht, ihre (Nicht-)Erfüllung nachzuverfolgen.

Desweiteren ist der Weg nicht das Ziel, kann man Filme mit Kaffee und Vitamin C entwickeln, aber nur, wenn ein Parasit nicht das Verhalten beeinflusst.

Den Rest habe ich wieder alles vergessen. Das Internet ist nicht nur eine große Kopiermaschine, es ist auch die Maschine des Vergessens. Egal, solange über allem All Along the Watchtower schwebt, von dem ich mich nicht entscheiden kann, ob es in Battlestar Galactica oder in Watchmen schöner eingesetzt wurde.

2 Kommentare “Watchtower

  1. Die Definitionen von Kapitalismus und Kommunismus von JayJay und Sveinn zeigen in der Tat einige Ähnlichkeiten auf, nicht unbedingt vom “Resultat” her (auch wenn die Resultate vielleicht näher beieinander liegen als man annehmen könnte), sondern eher bezüglich der Vorgehensweise: beide wollen “ihr” System verteidigen, indem sie den es gegenüber den allgemein gebräuchlichen Verbildlichungen dieser Begriffe (Kapitalismus als Herrschaft des Geldes, Kommunismus als stalinistische Parteidiktatur) abgrenzen, und eine idealtypische, konsensfähigere Fassung davon entwerfen – dieser ideale Typus sei dann sozusagen was Kapital- resp. Kommunismus “wirklich” ist. Leider fehlt dabei der Bezug auf die Begriffsgeschichte, so daß beide Definitionen für mich letztlich recht unbefriedigend sind. Ich wage aber zu bezweifeln, dass es für so verschieden aufgefasste Begriffe “Pop-Ups” mit der “richtigen” Definition überhaupt geben kann.

    Zu Vorhersagen sei angemerkt, dass diese sich dadurch auszeichnen dass sie nicht eintreffen. Die radikalkritische Bibelforschung tendiert dementsprechend dazu, tatsächlich eingetroffene Prophezeiungen als Beleg für spätere Einschübe oder Eingriffe in den biblischen Text zu fassen.

    Leider habe ich Watchmen immer noch nicht gesehen; bei Battlestar Galactica habe ich mich allerdings geärgert, dass ich die Textpassagen nicht gleich erkannt habe.

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