Homöopathie = Bullshit

Edzard Ernst gibt jedem 100.000 Dollar, der die Wirksamkeit von Homöopathie wissenschaftlich beweisen kann. Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet. Woran das wohl liegt?
Der „weltweit erste Professor für Komplementärmedizin“ im Interview mit dem schweizerischen Tagesanzeiger über eine der wohl erfolgreichsten Bauernfängereien für leichtgläubige Esoterikfuzzies und andere Hokuspokusgläubige.

(via sixtus)

12 Kommentare “Homöopathie = Bullshit

  1. Als ich gestern Abend den Tweet von sixtus gelesen hatte, wollte ich eigentlich auch etwas dazu schreiben. Aber der Wille ist manchmal nicht stark genug, um sich durchzusetzen. (Wäre das Gegenteil die Regel, bräuchten wir wohl weniger Komplementärmedizin und höchstwahrscheinlich auch weniger Pharmazeutika.)

    Dein Post hat mich aber jetzt aus der Reserve gelockt und ich will deinen Lesern ans Herz legen, doch auch bitte einen Teil der im verlinkten Artikel enthaltenen Kommentare zu lesen, in denen sich die gesamte Kontroverse dieser Diskussion, die mir jedes Mal wie ein “Dialogue de sourds” vorkommt, spiegelt.

    1. Geht es im Artikel nicht ausschließlich um die Homöopathie. Es geht darum, dass Herr Ernst im Tages-Anzeiger die Gelegenheit bekommt, sich zur Alternativmedizin im Allgemeinen zu äußern, vor dem Hintergrund des Erscheinens seines neuen Buches, das sich seiner eigenen Aussage nach an “Laien” wendet, nachdem er “realisieren musste, dass [er] mit [seinen] 40 Fachbüchern eigentlich das Ziel verfehlt” hatte. Honni soit qui mal y pense.

    2. Ist der Hintergrund des Interviews eine bevorstehende schweizerische Volksbefragung über die Komplementärmedizin – zu der nicht nur die Homöopathie gehört, sondern beispielsweise auch Phytotherapie, Akupunktur, Massage usw. deren Wirkung der Wissenschaftler “bei gewissen Indikationen” als “erwiesen” bezeichnet.

    3. Suggeriert der Titel des Artikels ganz trefflich, worum es dem Tages-Anzeiger höchstwahrscheinlich geht, nämlich eine Idee zu verbreiten, die du im Titel deines Posts noch kürzer und prägnanter auf den Punkt bringst, und sie somit wahrscheinlich für ein noch breiteres Publikum zugänglich machst (ich denke tatsächlich, dass es auch Menschen gibt, die nicht sofort etwas mit dem Ausdruck “widerlegte Methode” anzufangen wissen, bzw. welche sich eher vom Ausdruck “Bullshit” zum Lesen eines Artikels sensibilisieren lassen). Wenn ich Recht habe mit meiner Annahme, dass die Homöopathie in der Schweiz die Alternativmedizinart ist, die am meisten verbreitet ist, dann kann dieser Titel sehr wohl als Beeinflussung der Leserschaft verstanden werden im Hinblick auf die Volksbefragung.

    4. Der Tages-Anzeiger gehört zur Tamedia-Gruppe, u.a. Hersteller von Klopapier.

    Ach, und bevor man mich jetzt auch ganz schnell in eine “Esoterikfuzzies”- oder “Hokuspokusgläubige”-Schublade einordnet: Ich bin der Homöopathie gegenüber äußerst skeptisch eingestellt und glaube nicht an deren angebliche Wirkung. Ich finde aber, dass Menschen auch das Recht haben sollten, sich mit alternativen Methoden behandeln zu lassen und dazu auch entsprechende finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten sollten. Es wäre in dem Kontext übrigens interessant zu wissen, ob es von den einschlägigen Lobbies möglichst unabhängige Vergleichsstudien zum Kosten-/Nutzenverhältnis zwischen schulmedizinischen Methoden und Pharmazeutika und Alternativmedizin gibt. Falls jemand Links dazu hätte, es wäre nett, sie hier zu posten.

  2. 1. Ich hab den Artikel gelesen und weiß, worum es geht. Ich habe aber nicht “Komplementärmedizin = Bullshit” getitelt. Aus gutem Grund.

    2. Nichts spricht gegen Komplementärmedizin, wenn sie wirkt. Menschen über alles, was man möglicherweise als “Komplementärmedizin” ansehen kann (fallen darunter auch “probiotische” Yoghurts?), ist in meinen Augen nicht sehr weitsichtig, da Hokuspokus mit anscheinend wirksamen Dingen vermischt wird. Die Wirksamkeit von Spitzwegerich oder Fingerhut zu bestimmten Zwecken bestreite ich auf keinen Fall.

    3. Ist das nicht die Aufgabe der Medien? Ich weiß nicht, ob der Tages-Anzeiger auch andere Positionen aufgezeigt hat, aber Ernst scheint sich doch relativ gut auszukennen und gibt sowohl Für, aber natürlich vor allem Wider zu. Ideal wären natürlich zwei Stimmen. Trotzdem darf man den Lesern wohl genügend Medienkompetenz zumuten, um die Schlüsse, die du gezogen hast, selbst zu ziehen. Mir geht es jedoch nicht um die Abstimmung in der Schweiz, sondern um die Homöopathie alleine, die Schwachsinn ist.

    Wenn man sich mit alternativen Methoden behandeln lassen will, soll der Staat nur dann helfen, wenn erwiesen ist, dass diese Methoden helfen. Sonst könnte ja jeder kommen und behaupten, Mondstaub würde bei seinem Leiden helfen und der Staat solle gefälligst den Mondstaub für ihn bezahlen.
    Und ich bezweifele einfach mal, dass Hundekacke medizinisch wirksam ist.

  3. Ohne den verlinkten Artikel jetzt gelesen zu haben: “Homöopathie” ist IMHO ein ziemlich weit gefasster und diffuser Begriff. Klar gibt es da viele Sachen, wo die Patienten schlichtweg verarscht und abgezockt werden (z.B. Knoblauchpastillen für Leute mit Herz- und/oder Kreislaufproblemen), allerdings gibt es durchaus auch Produkte, die Wirkung zeigen (ich selbst nehme z.B. Sinupret, ein homöopatisches Erzeugnis, das aus Efeuextrakten hergestellt wird, wenn ich mal wieder eine Sinusitis habe, und das Zeug hat mich in den letzten Jahren eigentlich bei mir eigentlich immer gewirkt, aus welchen Gründen auch immer).

    Die Tatsache, dass Leuten für viel Geld unwirksame Produkte angedreht werden, gibt es aber in jeder Branche, grade auch bei Medikamenten, wie sie von der Schulmedizin angewendet werden (z.B. ist die Wirksamkeit der Impfung(en) gegen Gebärmutterhalskrebs nicht wissenschaftlich unabhängig erwiesen).

    Mag sein, dass es bei der Homöopathie mehr schwarze Schafe als in anderen Branchen gibt, aber es gibt IMHO eben nicht ausschließlich solche schwarzen Schafe in dieser Branche.

    Die Welt ist nicht schwarzweiß, die Welt ist grau.

  4. Nein, Homöopathie ist KEIN weit gefasster Begriff. In der Homöopathie wird “gleiches mit gleichem” behandelt und es werden vor allem Stoffe tausend- und mehrmals mit Wasser verdünnt (“potenziert”), weil Homöopathen glauben, dass sie dadurch wirksamer werden.
    Sinupret ist zB. jediglich PFLANZLICH und nicht nach Homöopathie-Verdünnungsmethoden hergestellt.

    Und hier liegt genau mein Problem: Homöopathen versuchen stets, ihre Produkte als “Naturheilkunde” oder was “natürliches” darstellen. An Naturheilkunde und pflanzlichen Wirkstoffen ist NICHTS falsches, ich erwähnte schon den Fingerhut, der ja sehr bekannt als Herzmedizin ist. Aber Erdöl hat sicher nichts mit “pflanzlichen Heilmitteln” zu tun, und auch das wird in der Homöopathie verwendet, wie Tausende anderer haarsträubender Dinge, zB. Elefantenmilch,Uran, Coca-Cola, Schießpulver oder auch Zement.

    Natürlich ist die Welt nicht schwarz/weiß, aber bei manchen Dingen ist es ziemlich einfach.

  5. Danke für die Aufklärung, hab das grade nochmal nachgegoogelt, da hatte ich wohl wirklich eine völlig falsche Vorstellung vom Begriff “Homöopathie”.

    Von diesen nach der Lektüre des Wikipedia-Artikels scheint mir eins klar zu sein: Homöopathie hilft gegen ein körperliches Leiden: Durst. Da gibt es kein besseres Heilmittel als Wasser, und zwar reichlich.

  6. Nachtrag: Bei remedia.at musste ich nach den ersten paar “Arzneien” gleich an Figuren wie Jefferson Hartley denken, wenn ich mich nicht irre…

  7. Hundekacke und Coca-Cola? Hihi.

    Richtig, Homöopathie ist kein Überbegriff für ein Sammelsurium alternativer Behandlungsmethoden, sondern ein bestimmtes System mit festen Regeln, Methodik etc. Das ist Astrologie aber auch.

    Das Verführerische an Homöopathie is die Kuscheligkeit der Anamnese. Wer schon immer fand, dass schulmedizinisch arbeitende Ärzte kalt, knapp und unpersönlich arbeiten, autoritär Diagnosen stellen und nur an den Symptomen herumdoktern, ohne nach den Ursachen zu suchen, der kriegt beim Homöopathen genau das, was er wollte, nämlich viel Zeit und Zuwendung und Interesse an allem. Denn du und deine Krankheit sind eins, bzw. deine Krankheit ist ein Aspekt deiner selbst an einem bestimmten Punkt deines Daseins. Die Globuli, die du dann kriegst, auch, die entsprechen dann deinem Wesen. Also, die sind nicht gegen den Husten, sondern für dich und deinen Husten.

    Das Merkwürdige ist, dass jemand, der sich so gründlich und einfühlsam mit dir und deinen Symptomen befasst, und, da er das täglich tut, auch viel Erfahrung mit Patienten und ihren Therapien sammelt, trotzdem Hundekacke in x-facher Verdünnung verschreibt.

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie der Forschungsstand zur Wirksamkeit von Homöopathie ist. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass es Bullshit sein muss.
    Der gesunde Menschenverstand identifiziert auch schnell das verschwörungstheoretische Denkmuster, das da sagt, dass Zweifler an der Homöopathie nur nützliche Idioten des Schweinesystems, des Wissenschaftsapparates und der Pharmafirmen sind und Homoöpathie gerade deshalb gut sein muss, weil die Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt ist.

    Andererseits fallen mir in meinem Umfeld ein Haufen Leute ein, die eigentlich nicht für Verschwörungstheorien und Hippiekitsch zu haben sind, die aber beschwören würden, dass es hilft, bereits unzählige Male geholfen hat und sie volles Vertrauen in ihren Homöopathen haben.

    Das müsste eigentlich, wenn schon nicht naturwissenschaftlich, so doch statistisch erfassbar sein.

    Ob es solche Statistiken gibt? Oder ob sich sich das Homöopathie-Fandom dann wieder auf die absolute Individualität jedes Falles rausredet?

  8. @pascal: die welt ist auch nicht grau, sondern eher bunt (meine zumindest…;-)!
    auch ‘schwarze’ schafe sind meist in die herde derer eingebettet, die gebetsmühlenartig vorgekauten unsinn widerblöcken!
    durch solches gebahren wird bullshit aber nicht glaubhafter oder gar wirksam!

  9. Eines ist aber positiv: Die Homöopathen quälen wenigstens nicht Milliarden von Tieren sinnlos zu Tode. Und ob Placeboeffekt oder nicht, ich finde, maßgebend ist das Ergebnis. Und wenn Millionen von Menschen damit geholfen werden kann – und sei es durch einen Placeboeffekt – ist es doch in Ordnung. Im Gegensatz zu den horrenden Nebenwirkungen der Produkte der Pharmaindustrien. Und das ist einzig und allein das störende für diese Unternehmen: Ihnen entgehen Milliardengewinne und deshalb kotzen sie sich so aus.

    Möge jeder selbst für sich entscheiden und nicht die Entscheidung über sich abgeben an einen Weißkittel, der null Ahnung von Pharmakologie hat und einen einmal gesehehen Patienten besser kennt als der sich selbst.

  10. Rani: Ich stimme dem nicht zu. Klar soll und darf jeder glauben, was er will, aber es gibt halt auch Grenzen, wo das Argument, dass auch gut ist, wenn Placebo hilft, nicht mehr gilt, nämlich bei AIDS, Krebs, usw.
    Und das mit den Millionengewinnen: Ich wäre auch nicht gerade glücklich, wenn jemand mit nutzlosen Präperaten Geld verdienen würde – letztendlich bleibt dann auch weniger Geld für die Forschung an wirksamen Medikamenten.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *