_

Watchtower (IV)

watchtower4

Lange ist es her, dass ich einen Beitrag in der Watchtowerserie veröffentlicht habe. Schön, dass sich jetzt dank sterbender Harddisk alle Blogbeiträge, hinter die ich ein Sternchen gesetzt habe, verschwunden sind. Aber jeder Neuanfang birgt auch Chancen. Ich mag es, frische Betriebssysteme mit meinen Erkenntnissen aus früheren Desastern neu zu bestücken und nur Software zu installieren, die ich wirklich brauche. Was Blödsinn ist, denn schon bald wird meine Festplatte wieder zugemüllt sein mit Entwicklerversionen von Firefox oder modifizierten Chromeversionen, die keine Daten an Google übermitteln.

Obwohl es eigentlich schon fast unmöglich war, es zu übersehen, möchte ich das wunderbare Blog Fancy Fast Food dennoch verlinken. Weil ich es subversiv finde. Nicht immer unmöglich: Science Fiction. Über die Physik des Unmöglichen schreibt Michio Kaku, Luxemburgern bestens bekannt aus ihrem ersten oder zweiten Englischbuch.

Über das Blog I heart digital life habe ich heute zwei interessante Links gefunden, einmal Wie vermeide ich es, rassistische Artikel (für die Wikipedia) zu schreiben, über den man sicherlich diskutieren und nachdenken kann und sollte, und Hacking the spaces über Hackerspaces und ihre Rolle im Kapitalismus beziehungsweise der Gegenkultur.
Wer könnte sinnbildlicher für den Kapitalismus stehen als Mickey Mouse? Wie Disneyland in einer dystopischen Steampunkrealität aussehen würde, kann man hier bei boing boing offworld sehen.

Ich habe gestern neue Schuhe bekommen und habe mir blöderweise die Achillesferse (oder so) aufgeschrubbt, weil ich der Meinung war, es wäre eine super Idee, ohne Socken den Initiallauf zu absolvieren. Dumme Idee. Da gefällt mir dieses Paar, mit dem man einen MIDI-Controller kontrollieren kann, doch schon viel besser. Passend dazu: Kokosnuss-Kopfhörer!

Als letztes dann noch ein Link für Liebhaber der Typografie: Ein Schriftartenerkenner.

Photo cc by Rutger Blom

Offline/Online

onlineoffline

Das erste Mal, dass ich einen Menschen, den ich zuerst nur online kannte, „in der realen Welt“ gesehen habe, war (natürlich) ein Date, das, soweit ich mich erinnere, in diesem Blog auch relativ gut dokumentiert ist.
Chatbekanntschaften sind offline jedoch weitaus weniger spannender sind als Blogbekanntschaften. Ganz einfach weil man von Leuten, mit denen man sich mit dem Ziel, sich kennen zu lernen, spricht, sehr viel mehr weiß als von Bloggern, die immer nur einen Teil ihrer Persönlichkeit preisgeben.

Insofern fand ich das Festen 1.0, organisiert von Pianocktail, dem besten luxemburgischen Blog über Popkultur (Ist das jetzt Eigenlob? Immerhin wurde ich mal zum Ehrenpianocktailer ernannt …), ausgerichtet auf der wunderbaren Terrasse Thorbens, sehr erhellend und angenehm. Ich fühlte mich sehr wohl unter Menschen, über die ich mich schon oft genug aufgeregt habe. Letztendlich sind solche Internet-Plänkeleien aber oft nur Kleinigkeiten, über die es sich in Anwesenheit von Bier, leckerem Essen und interessantem Gesprächsstoff nicht lohnt, nachzudenken. Begegnungen außerhalb des Internets sind dann doch stärker gefiltert, habe ich zumindest das Gefühl. Was nicht unbedingt eine schlechte Sache ist. Ich bin ja eigentlich ein ganz friedfertiger Mensch, auch wenn ich online bisweilen mit härteren Bandagen diskutiere. Auch das hat seine Berechtigung.

Worauf ich hinaus will, weiß ich gerade selbst nicht so Recht. Vielleicht auf die Binsenweisheit, dass es sich lohnt, auf die Menschen hinter den Blogs zu achten und sich nicht krampfhaft auf irgendwelche Dinge zu berufen, die vor ewigen Zeiten (im Internet: vor 3 Wochen) waren. Das Leben ist doch viel zu schön für sowas.

Und ja, gerne eine Wiederholung von Veranstaltungen wie dem Festen. Oder #Twhiskey, Pub-Quiz, Open-Air Kino, Lesungen, gemeinsam Alterswindeln kaufen gehen. Sowas halt.

(Ein so wirrer Artikel verdient natürlich auch ein wirres Symbolbild, das von Fabio Bruna stammt und wie immer unter einer CC-Lizenz steht.)

World Press Photo

worldpressphoto

Ich habe mir gestern (trotz Müdigkeit) die World Press Photo in der Cité de l‘image in Clervaux, die auch die berühmte Family of Man leitet, angesehen.

Die Bilder überwältigen. Viele Fotos stammen aus dem Krieg in Georgien letztes Jahr, an den sich hier jetzt kaum noch jemand erinnert, der aber – wie jeder Krieg – unendlich viel Leid gebracht hat, was man auf den Bildern besonders gut sieht. Gewalt und Trauer sind zu sehen und je mehr man von der Ausstellung sieht, umso beklemmender wird die Stimmung. Manche Bilder schnüren einem regelrecht den Hals zu, wie zB. das Foto einer auf dem Schulweg ihrer Kinder erschossenen Mutter in El Salvador oder die Holzkreuze in Guatemala. Dennoch gibt es auch schönes und erstaunliches zu sehen, so zum Beispiel dieses fantastische Foto eines Schneeleoparden, das mich umgehauen hat. Ebenso genial ist die Serie, die mit Actionfiguren berühmte Kriegsfotografien nachgestellt hat. Auch die Boxer sind eindrucksvoll und erfrischend lustig.

Dann das Gewinnerbild. Zuerst habe ich mich gefragt, was das soll, wieso so ein vermeintlich banales Foto das beste Pressefoto des Jahres sein soll. Und dann habe ich den dazugehörigen Text gelesen und verstanden. Ein Sinnbild ist es, für die Krise, die Menschen aus ihren Häusern vertreibt. Für die Angst, die uns Polizisten mit Waffen in leerstehende Häuser schicken lässt. Für (globales) Versagen.

Mir wurde gestern auch bewusst, dass ich Fotoausstellungen sehr mag. Ich liebe es, die Bilder gut ausgeleuchtet vor mir zu sehen, die Haptik des Fotopapiers erahnen zu können, sie in angemessener Größe zu sehen. Ich werde ruhig dabei, vertiefe mich in die Bilder, wandere im Geiste zu den Orten, an denen sie geschossen wurde, baue eine merkwürdige Empathie für Fotografen und Abgebildete auf.
Man kann die Fotos der Ausstellung auch online sehen. Aber ich rate jedem, der die Chance hat, sich das Ganze nicht nur am Monitor anzusehen. Es macht einen Unterschied.

Aber auch die Frage, unter welchen Umständen verschiedene dieser Fotos gemacht wurden, ist wichtig. Die Rolle des Fotografen ist in Konflikten oft sehr schwierig und oft genug wird die Schwelle der „Berichterstattung“ übertreten, weil man eine Sensation will, möglichst blutige Bilder. Natürlich braucht es Mut, sich als Fotograf auf ein Schlachtfeld zu begeben, aber ich finde, die Verpflichtungen der Presse im Krieg sind nur ungenügend geklärt.

(Photo cc by Jean.M)

Müdigkeit

muedigkeit

Man braucht als Mensch immer beides. Klarheit, Nüchternheit als Geisteszustand des gesunden Menschenverstandes genauso wie den Rausch, das „Ecstasy“ auf dessen Suche der Menschen in seiner natürlichen Form immer ist. Leider ist Alkohol als legales Rauschmittel nur unzureichend geeignet, um künstlerische/kreative Tätigkeiten zu unterstützen, hat aber den Vorteil, in feinen und geringen Dosen während der Arbeit gebraucht werden zu können. Die meisten anderen Drogen sind nur als Erfahrungssammlung zu gebrauchen, das Arbeiten unter ihrem Einfluss bringt meist nur sinn-freies zustande.
Vielmehr ist das reflektierte Verarbeiten wichtig.

Müdigkeit bzw. Schlafentzug ist, wenn richtig eingesetzt, eine ideale Droge, da man unter ihrem Einfluss wunderbar arbeiten kann, jedoch weniger Filter besitzt (was wichtig ist!) und dennoch nicht „dumm“ oder blöd wird, wie es z.B. mit (zu viel) Alkohol schnell der Fall sein kann. Ich habe die anstrengenden sechs Stunden Radio mit einer Flasche Bier gemischt. Eine absolut richtige Entscheidung.

Wer sollte das alles verstehen? Ich hatte einen sehr weiten, ungetrübten Blick. Ich sah vom „Aldringer“, jenem schmutzigen Busbahnhof im Stadtzentrum aus fast die Synagoge, zumindest aber das Gebäude am nächsten Block klar und deutlich, was mir neu vorkam. Eine seltsame Schärfe lag in der Luft, wie oft nach Regen, wenn alles um einen herum wie frisch gewaschen erscheint.
Am Bahnhof hätte ich schwören können, bis nach Esch zu sehen, die Atommeiler Kattenhofens zu sehen, ja die Stadt Marseille hätte ich erblickt, hätte die Autobrücke über die Gleise mir nicht die Sicht versperrt.

So gut mein Blick auch war, mein Empfinden gegenüber den Menschen war völlig gestört. Ich erkannte nicht, dass eine Frau beim Bäcker vor mir dran war und glaubte dann auch noch, die Verkäuferin hätte mir falsch ausgegeben und entschuldigte mich, als ich langsam meinen Fehler begriff, mit fadenscheinigen Ausreden.

Als gäbe es irgendetwas zu verstehen. Horrormeldungen aus dem Gefängnis auf den Gratiszeitungen, nass und veraltet am Boden. Ein Moment der Melancholie in der Stille der Nacht.
Wer sollte sich darum kümmern? Die Welt war zu frisch für mich. Der menschenleere Zug sollte mich nach Hause bringen, in den Norden, in den kalten Norden.

(Photo cc by Jason Roger)

heiter scheitern

heiterscheitern

Ich bin vor einiger Zeit durch einen Link von Nele über den Podcast heiter scheitern gestolpert. Ein queeres Stößchen aus den Zonen der Unbewohnbarkeit beschreiben die drei Podcasterinnen aus Hamburg ihr Projekt. Es erinnert ein wenig an den wohl bekannteren Spreeblick-Podcast. Leute sitzen irgendwo und reden über Zeugs und das wird aufgenommen. Während Johnny und Tania Spreeblick meistens über ihr Privatleben und lustige Begebenheiten daraus erzählen und dabei von Thema zu Thema springen, so haben Marlen, Steff und Joke immer schon ihr Grundthema Queer. Und jeder Podcast behandelt einzelne Facetten bzw. mehr oder weniger spezifische Themen aus queerer Sicht.

Horizonterweiterung ist garantiert, so leben die Drei z.B. in einer funktionierenden, Dreierbeziehung. Und man verzeihe mir meine Unwissenheit, aber auch wenn ich das Konzept Polyamory kannte, so wusste ich einfach bis vor kurzem nicht, dass es sowas gibt und wie das funktioniert. Auch wenn ich empfehlen würde, bei der ersten Folge anzufangen, wenn man keine/wenige Vorkentnisse hat, so fand ich die Folge über Beziehungen und die über I kissed a girl am interessantesten.

Absolute Hörempfehlung.
Übrigens merkwürdig, wie sehr meine Anforderungen an Radiosendungen und an Podcasts varieren. Ich finde solche Gesprächspodcasts toll und überlege schon, in einer eventuellen WG einen einzuführen, während ich sowas im Radio niemals hören würde bzw. Musikpausen einbauen würde. Aber funktionieren beide Medien tatsächlich so unterschiedlich? Oder könnte man auch eine anderthalbstündige Diskusionssendung im (freien) Radio ohne Unterbrechungen senden?

Photo cc by celesteh

Seven Nation Army

7nationarmy

Kaum ein Lied hat mich persönlich so sehr begleitet und Lebensgefühl ausgedrückt wie Seven Nation Army der White Stripes. Da wird jetzt so manch einer die Stirn runzeln. Immerhin ist Seven Nation Army eins der Lieder, das Besoffene morgens um Vier auf der Straße grölen und das in Fußballstadien im Chor gerüplst wird. Das ist das Schlimme für mich. Seht euch mal den Text an!
And a feeling coming from my bones says ‚find a home‘…
Verdammt, so ein Text gemischt mit der einprägsamen Melodie und jugendlicher Orientierungslosigkeit irgendwo zwischen Dreadlocks, Kommunismus und Neon Genesis Evangelion, das brennt sich einfach ein. Deshalb ist es eine Schande, dass so gut wie niemand auf den Text achtet, genau wie bei Queens We Will Rock You so gut wie niemand auf das Gitarrensolo achtet.

Und dann habe ich eben durch @fudgegraphics und @MissAbsent jetzt diese wunderbare Coverversion von Nostalgia77 gehört. Und das hat mir eben das Gehirn raus geblasen. Ich wusste schon, dass es großartig ist, als noch gar keine Stimme zu hören war. Aber als diese dann einsetzte …

Hört selbst, nach dem Sprung. Weiterlesen

Schreiben

Schreiben

Ich bin ja wirklich nicht gut darin, einfach so los zuschreiben. Möchte ich glauben. Eigentlich weiß ich, dass ich nur dann schreiben kann, wenn ich „einfach so“ drauf los schreibe. Und das stimmt auch wiederrum nicht, denn für alles, was mit Angscht a Schrecken zu tun hat, plane ich Plots, Witze und Pointen oft lange, ehe ich mit Schreiben anfange. Oft vergesse ich die Hälfte davon wieder während dem Schreiben und verwende wesentlich schlechtere Witze und Wortspiele, über die nur ich lachen würde, würde mir ein anderer sie erzählen.

Das mit den Absätzen ist auch so ein Phänomen. Hat man einen abgeschlossen, weiß man oft nicht mehr, wie es weiter gehen soll. So geht es mir zumindest. Vielleicht ist das auch nur eine kleine psychologische Blockade, weil man ja schon zumindest einen Teil der Arbeit, nämlich einen Absatz, abgeschlossen hat und jetzt eine kleine Pause nehmen will. Was dazu führt, dass man sich an Mails erinnert, die man dringend schreiben sollte und tippt dann erst mal daran, sucht Dinge für diese Mail im Internet und endet damit, eine halbe Stunde lang Tetris zu spielen und kein ein Wort geschrieben zu haben.

Dann entdecke ich zusehend die Angst, nicht gut zu schreiben, nicht alle Facetten von einem Thema zu beleuchten oder meine Streitgesuche nicht gut genug zu formulieren. Ein völlig neues Gefühl für jemanden, der immer nur „so drauf los“ geschrieben hat.

Aber ich wollte gar keinen Text schreiben, um den es so halbwegs humoristisch übers Schreiben geht, denn ich bin kein Komiker und kann auch nicht gut komische Texte schreiben. Auch bei Angscht a Schreckenlachen die Menschen immer da, wo ich denke „oh, das ist ein doofer Witz“ und bei den Dingen, die ich furchtbar witzig finde, grinsen sie höchstens. Ich wollte eigentlich einen Text übers Schreiben unter Drogeneinfluss schreiben, weil ich diesen Artikel von Telepolis ganz interessant fand. Aber das passiert halt, wenn man einfach so drauf los schreibt.

(Photo cc by dbdbrobot)