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life is boring

lifeisboring

take it all back.
Life is boring, except
for flowers, sunshine,
your perfect legs.
A glass of cold water
when you are really thirsty.
The way bodies fit together.
Fresh and young and sweet.
Coffee in the morning.
These are just moments.
I struggle with the in-betweens.
I just want to never stop loving
like there is nothing else to do,
because what else is there to do?
– Unknown

Ich habe im Moment leider keine Zeit, viel zu bloggen, denn die Uni brennt. Und es fühlt sich gut an.

Nachrichten aus Währing

NachrichtenWaehring

Nun bin ich schon fast eine Woche in Wien. Mein Zimmer sieht noch immer ein wenig leer und improvisiert aus, aber das wird schon noch. Ich fühle mich wohl hier, in Währing, dem achtzehnten Bezirk Wiens, direkt an der U6, jener U-bahnlinie, die zu einem großen Teil oberirdisch auf Arkaden fährt und edle anmutende Stationsgebäude hat. Mein Hörsaal ist eigentlich ein Kinosaal, dafür aber sehr bequem.

Auf dem freien Radio Wiens, Orange 94, war ich auch schon zu hören, was aber nicht heißt, dass ich Angscht a Schrecken in Zukunft vernachlässigen werde, denn in einer Großstadt wie Wien gibt es wohl jeden Tag Anlass, eine Folge zu schreiben (was ich trotzdem nicht tun werde!).

Ich vermisse übrigens schmerzhaft Rosmarin, der in Österreich illegal zu sein scheint. Auf jeden Fall konnte ich noch keinen entdecken, was ich dann doch recht merkwürdig finde. Vielleicht sollte ich auf Kümmel umsatteln.
Außerdem vermisse ich das Geräusch von Regen auf einem Dachfenster. Aber man kann ja nicht alles haben.

Ich fühle mich wohl hier. Schön, dass mein Bauchgefühl Recht hatte und sich die Unsicherheiten und der Stress in den letzten Wochen doch gelohnt haben.

Ach, und das Blog hier heißt nun offiziel nur noch „enjoying the postapocalypse“. Als Fireball kennen mich doch eh nur ganz besondere Freunde. Wenn ihr wollt, könnt ihr eure Linktitel also umstellen. Wäre nett.

Foto aus Wikimedia Commons

the meaning of life

themeaningoflife

Ausgehend von dem Haiku

She asked me about
The meaning of life,
didnt Know what to say— blank

haben Vytautas Alechnavicius, Goda Jankute und Sergejs Radkevics dieses schöne, merkwürdig naiv-poetische Stop-Motion Video gedreht, das es nach dem Klick zu sehen gibt.

Ich sollte auch mal Haikus schreiben. Irgendwie habe
ich das Gefühl, das liegt
mir doch schon. Vielleicht.
Weiterlesen

grasp me

cityof

City of music and great musicians, city of fiacre and dancing, city of bon vivants, city of Freud, city of exquisite Sacher cake and great coffee, city of wine, city of culture, music, concerts, arts, theater, science, peace, beauty and love, city of districts, here I come …

photo cc by Les Hutchins

Märchen aus dem Pleistozän

evolutionspsychologie

In Grommels Post über die luxemburgische Piratenpartei kam es, und das nicht wirklich unprovoziert (Edit 6/10/09: die entsprechenden Posts sind merkwürdigerweise verschwunden?) von mir, über eine Diskussion über Sexismus und Geschlechterrollen. Ich war ein wenig erstaunt über Blödsinn wie „Fußballhormone“ und die Theorie, dass Homosexuelle während der Schwangerschaft „zu viele Hormone“ vom „anderen Geschlecht“ bekommen haben. Und lange konnte es natürlich auch nicht dauern, bis jemand kam, der etwas von Höhlenmenschen und Jägern und Sammlerinnen schrieb.

Ich hatte das Gefühl, dass die Diskussion ein wenig aus dem Ruder geriet habe deshalb entschlossen, einen Artikel über meine Sicht der evolutionären Psychologie zu schreiben. Einerseits, weil es einfacherer ist, als in der Hitze des Gefechts einen Kommentar zu schreiben, den ich aber noch abschicken muss, ehe ich zum Zug muss, den ich fast verpasste, weil ich so lange schreibe und der dann glücklicherweise ein paar Minuten Verspätung hatte und zweitens, weil ich keine Lust habe, darüber zu diskutieren, ob „Homosexuelle das dritte Geschlecht“ sind oder ob ich persönlich lieber mit Puppen gespielt hätte oder aus der Emma vorgelesen bekommen habe, als ich jünger war. Sprich: Ich will bei einem Thema bleiben und es nicht durch wortergreifungsstrategieähnliche Manöver ersetzen lassen.

Es gibt sehr viele gute Argumente gegen Evolutionspsychologie. Aber fangen wir vorne an, nämlich bei der Methode. Die ist nämlich schon sehr kritisch, da die Annahmen der Evolutionspsychologie oft auf tönern Füßen stehen. Es gibt nämlich sehr wenige Fakten aus dem Pleistozän, der Zeit der evolutionären Entwicklung des Menschen. Es gibt keine verlässlichen Daten zur Population, Habitat, Lebens- und Essgewohnheiten, was bedeutet, dass die meisten evolutionspsychologischen Annahmen eben genau das sind: Annahmen. Und auch die wenigen Knochenfunde sind nicht immer sehr aufschlussreich. So herrscht bis heute Streit drüber, ob Lucy nicht eher Luca war und ob frühe Hominiden überhaupt gejagt haben oder nicht eher zum größten Teil Aasfresser waren.

Außerdem können keine Kausalzusammenhänge geschlussfolgert werden, denn dafür müssten experimentell eine Variable manipuliert und ihre Auswirkungen auf eine andere Variable erfasst werden, und das in einem experimentellen Rahmen, der möglichst wenige andere Einflüsse zulässt – und das ist, es sei denn, die Evolutionspsychologen erfinden eine Zeitmaschine, nicht möglich.

Viele evolutionspsychologische Hypothesen sind sogenannte „Just-So-Stories„. Das heißt, die Verhaltensunterschiede in heutiger Zeit werden erklärt, in dem man die Verhältnisse vor tausenden Jahren hin gebogen werden. Damit lässt sich so ziemlich alles erklären, auch widersprüchliche Beobachtungen. Solche Geschichten sind nicht falsifizierbar.

Was wäre zum Beispiel, wenn man in psychologischen Tests ein besseres räumliches Erinnerungsvermögen bei Männer feststellen würde? Evolutionspsychologen würden auch dazu eine „evolutionäre“ Erklärung finden, bspw., dass Männer sich sehr genau die Wasserstellen merken mussten, an denen sie ihre Jagdbeute wieder finden konnten.

Oft sind die „Erkenntnisse“ von Evolutionspsychologen über angeblich universelle Wesenszüge von Menschen sehr stark von ihrem eigenen kulturellen und sozialen Kontext abhängig. So wurde Steven Pinkers Buch „The Blank State“ vorgeworfen, die Mainstream-Sicht der Clinton-Ära wieder zu geben. Wobei auch viele Evolutionspsychologen versuchen „universelle“ Modelle zu entwickeln.

Reduktionismus ist ein weiteres Argument gegen die Methodik der evolutionären Psychologie. Man geht hierbei davon aus, dass die Biologie zwangsläufig die Psychologie mit sich bringt. Hierbei wird vergessen dass unsere Gehirne sich nicht nur aus den „Bauplänen“ der genetischen Information entwickeln, sondern sehr sehr mehr durch die Entwicklung, die dieses Gehirn durchmacht. Übrigens sind vollständig entwickelte Gehirn ohne sonstige Anhaltspunkte selbst für Neurobiologen nicht als männlich oder weiblich zu bestimmen. Stoffwechsel, Durchblutung, und Strukturen sind so identisch – und innerhalb der Geschlechtergruppen wiederum so verschieden – dass die Frage nach dem Geschlecht nicht anhand eines Gehirns beantwortet werden kann.

Evolutionspsychologie geht davon aus, dass unser Gehirn modular aufgebaut ist und es für jede Situation ein Modul gibt, das die richtige Reaktion darauf hervorruft. Jedoch zeigen empirische Studien, dass viele Reaktionen eben nicht vorprogrammiert sind, sondern von der Situation, der Umgebung und wahrscheinlich auch der Prägung des kulturellen Umfeldes abhängen. So ist beispielsweise längst bewiesen, dass der Mythos, Männer würden sich am Meisten von Frauen mit „Sanduhrfigur“ angezogen fühlen, Unsinn ist und das, was als attraktiv empfunden ist, von Kultur zur Kultur ändert.

Als Evolutionspsychologie erfunden wurde, ging man übrigens davon aus, dass die menschlichen Gene quasi identisch mit denen von vor 50.000 Jahren sei. Genetiker haben herausgefunden, dass es scheint, als seien manche Gene nur 10.000 Jahre alt – oder sogar jünger. Aber Geschichten vom Ackerbauer- und Viehzüchter in der U-Bahn sind sicherlich genauso spannend wie Jäger und Sammler in der Vorstadt …

Natürlich ist es schwer, alle Argumente gegen Evolutionspsychologie aufzulisten, außerdem bin ich werder Archäologe oder Psychologe und kann mich eigentlich nur auf die Quellen, die ich im Netz finde, verlassen. Hier noch ein paar Bemerkungen von Comme, (danke übrigens!) die sich durchaus auskennt:
1) deskriptiv != präskriptiv: selbst wenn es biologisch begründete Geschlechtsunterschiede gibt, müssen daraus noch lange keine Vorschriften für das menschliche Zusammenleben erwachsen.
2) Bisher belegte Unterschiede sind wesentlich kleiner, als das in den Medien so dargestellt wird; die Varianz innerhalb der Gruppen ist größer als die zwischen den Gruppen.
3) Kausalrichtungen: z.B. muss nicht sein, dass ein höherer Testosteronspiegel bei Männern zu höherer Aggression führt, der Spiegel kann vielmehr auch ein Korrelat des Aggressionslevels sein.

Zum Abschluss noch eine Liste von guten Artikeln zum Thema:
Freitag: Wird man als Frau geboren?
Skeptic.com: Sex, Jealousy & Violence
Michael Lenz: Evolutionspsychologie – Kritische Einwände aus interdisziplinärer Sicht
Newsweek: Why Do We Rape, Kill and Sleep Around?

Photo cc by Stefan Kloo