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Montréal, revisited

photo cc by abdallahh

Ich schlage die Augen auf. Montréal. Wieso auch nicht, immerhin habe ich noch einige dieser winzigen U-Bahntickets, mehr Papierschnipsel als ernst zunehmende Fahrkarte.
Irgendjemand hat mich in der Natur rund um die Stadt ausgesetzt. Arschloch. Auf der Karte sehe ich ganz genau, wo ich mich befinde. Und wenn ich aufschaue, ist es ein lichter Wald. Vor allem Nadelbäume. War klar, wir sind ja schließlich im hohen Norden. Muss so sein, denke ich mir und wundere mich gar nicht darüber, dass mich irgendwer, einfach irgendwo in der Gegend ausgesetzt hat. In meiner Tasche nur dieses Ticket.
Jetzt könnte ich eine Landkarte brauchen. Egal was für eine, sie könnte ruhig auch erfunden sein. Alles ist besser als die Wildnis vor Montréal. Wahrscheinlich werde ich bald an eins dieser Betonungetümer, die sie Autobahn nennen, stoßen. Riesig und rostig wird sie vor mir aufragen, wie die Pfeiler einer Alptraum gewordenen Achterbahn. Über einen Fluß wird sie führen, von dem die Kanadier sagen, es sei einer der kleineren Flüße ihres Landes. Und ich hielt ihn für ein Meer.

Eine Gruppe von Wandern, in neonfarbene Gewänder gehüllt, geschützt vor dem sauren Regen der 1990er Jahre, der sogar Gold auflöste. Sie lachen und erklären mir, sie würden den Weg auch nicht wissen. Und sie haben nicht einmal kanadische Bonbons dabei. Wahrscheinlich sind das die Leute, die die Ureinwohner mit geschmuggelten Zigaretten belieferen, die diese dann in Wohnwägen entlang der Autobahn verkaufen. „C‘est tout de la contrabande!“ Oder so ähnlich. Ich verstehe kaum ein Wort, denn das Französisch, was diese Menschen reden, ist so merkwürdig, dass der Marseiller Dialekt wie aus dem Mund eines Mitglieds der Académie française klingt.
Ich stolpere also weiter durch den Wald und hoffe, keinem sprechenden Fuchs zu begegnen, denn genau das wäre jetzt das, was ich nicht mehr aushalten würde.

Zum Glück stolpere ich aus dem Wald auf eine Straße. Ein Schulkamerad fährt mit einem VW Bus, bunt bemalt mit Flammen, vor und nimmt mich mit. Wieso gerade er, der immer nur Hohn und Spott für Hippies übrig hatte, so einen Bus fährt, wage ich nicht zu fragen. Wir sind hier auf dem nordamerikanischen Subkontinent. Unbequeme Fragen sind hier nicht so angebracht wie in Kontinentaleuropa. Er fragt mich, ob es in Montréal legal sei, Gras zu rauchen. Ich antworte wahrheitsgemäß, ich würde es nicht wissen, aber wenn wir ein wenig durch die Stadt fahren würden, ließe sich sicher ein Coffeeshop finden. Er grinst mich mit seinem breitesten Sonnenbrillengrinsen an und meint: „Klar, ist ja eine kleine Stadt, da geht das schnell!“

Ich sehe nach draußen. Montréal, das eher so aussieht, wie ich mir Los Angeles immer vorstelle, ist eigentlich gar nicht so klein.

Piraaaaaaaaaaaaaat_innen!

photo cc by Norman B. Leventhal Map Center

Wer hier öfters mitliest, weiß es sicherlich schon: Ich bin ziemlich aktiv bei dem luxemburgischen alternativen selbst-verwalteten Magazin Queesch. Ich schreibe Artikel, tue so, als würde ich layouten und verkaufe Magazine vor Bäckereien und lerne dabei Freunde kennen.

Die aktuelle Ausgabe geht um Wohnen und Wohnraum (nicht nur) in Luxemburg. Das Dossier ist eine gute Zusammenstellung und ich kann es nur jeder interessierten Person ans Herz legen!

Für die nächste Ausgabe haben wir uns das Thema „Piraterie“ ausgesucht. Es geht nicht nur um säbelrassende Freibeuter_innen, sondern auch um Piraterie im Internet, im Äther und bei Produkten. Und wir suchen noch Artikel und andere Beiträge. Falls sich also jemand bereit erklären würde, etwas zu schreiben, bitte meldet euch hier oder bei der Queesch!

Natürlich nehmen wir auch Artikel, die nicht mit unserem Dossier-Thema zu tun haben, sondern auch so ziemlich alles andere. Das gilt auch für Reviews, Poesie oder Lyrik usw. Es ist übrigens nicht schlimm, wenn ein Beitrag schon in einem Blog erschienen ist.

Also: macht was! Anstatt immer nur über die schlechte und heruntergekommene Medienlandschaft (in Luxemburg) zu meckern; einfach selbst Medien sein! (Oder auf englisch, weniger konkret, dafür aber schöner: Don‘t hate the media – be the media!)