Der junge Mann und der See

Wie sehr ich diesen See vermisst hatte, wusste ich erst, als ich wieder an seinem Ufer stand. Dem einen Ufer. An dem schon so unglaublich viele Dinge passiert sind, dass ich kurz überlegte, ob ich es nicht küssen sollte, weil Pathos doch manchmal etwas unterbewertet wird. Und diesmal konnte ich auch meinen lang gehegten Traum, den See mit dem Schiff zu erkunden, wahr machen. Ich war von den Bergen über den See gekommen. Und nun stand ich an diesem Ufer, das in meiner persönlichen Mythologie ein hochheiliger Ort ist. Und selbst wenn es heute so sehr regnet, dass es scheint, als fiele der See selbst vom Himmel, so atme ich dennoch mit jedem Zug den Stoff alter und neuer Legenden ein.

Es ist schön, hier zu sein, nach all der Zeit.Nach all dem Vermissen. Nach all dem Gram um verpasste Gelegenheiten. Nach all den Träumen. Es gibt keinen Ort, an dem ich gerade jetzt lieber wäre. Auf meinem Mobiltelefon ein Anruf in Abwesenheit von Ruth. Ich kümmere mich nicht darum. Ich könnte mir sogar vorstellen, mich irgendwann hier zur Ruhe zu setzen, wie der Nebel gerade über dem See ruht.

4 Kommentare “Der junge Mann und der See

  1. Auf dem Bild irritiert mich der Strick im oberen Teil. Das erinnert doch sehr an einen Galgenstrick!
    Aber, ach, das ist ja nur ein Bild… ;-)

  2. ich hatte gehofft, die Tatsache, dass ihr Säcke alle da seid, verdrängen zu können und dann schreibt der olle Joel so n Post und ich werd richtig traurig. Schön geschrieben du dummes Schwein

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *