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Tage am Meer

Meer bei Ostende
Ich war am Meer. An der belgischen Küste. Ich vermute, ich werde bald nur noch Kachkéis a Bouneschlupp zu mir nehmen. Es ist jetzt eine Woche her, dass die kleine Göttin in Luxemburg war, ich ihr die Standard-Touritour gegeben habe (inklusive fehlende gëlle Fra und wir den Zug nach E. verpasst haben, weil zwei Züge in die gleiche Richtung am Bahnsteig standen und wir in den falschen gestiegen sind.
In Belgien ist Urlaub machen billig, ich habe für die Fahrt (Hin- und Zurück) im Zug gerade mal 55 Euro bezahlt, der Campingplatz kostete 15 Euro die Nacht, war aber dafür nicht sonderlich luxuriös. Aber wir haben gezeltet, da ist es schon fast Luxus, wenn es ein Duschhäuschen mit Strom zum Handyaufladen gibt.

Das Essen ist in Belgien nicht teurer als in Luxemburg, eher noch billiger. Nicht teuer ist auch die Kusttram, die mit 68 km längste Straßenbahnlinie der Welt, ein Dreitagesticket kostet gerade mal 10 Euro. Und dafür kann man mit der längsten Straßenbahnlinie der Welt am Meer entlangfahren! Sonst gibt es nicht so viel zu sehen, wobei Ostende dieses Jahr Kulturhauptstadt von Flandern ist. Und sogar ein Nachtleben hat, das es wert ist, erkundet zu werden. Dann sind auch junge Menschen zu sehen, während am Tag Senior_innen mit kleinen Hunden überwiegen.

Strand bei ostende

Das Wetter war relativ gnädig. Der Wind war zeitweise sehr heftig, aber hey, das ist im Komplettpaket „Atlantikküste ohne Bucht“ mit drin. Regen gab es nur am letzten Abend und am Abreisemorgen. Das Zeltabbauen ist nass nicht sonderlich schön und das dumme Gefühl, das Ding zu Hause noch einmal zum trocknen raus nehmen zu müssen, bleibt, aber immerhin beeilt man sich.

Ein paar ruhige Tage zu zweit. Und erste photographische Experimente, mit denen ich euch wohl jetzt öfter quälen werde, denn ich habe mir eine Lumix angeschafft. Braucht es mehr für einen Urlaub? Müssen es immer gleich aufregende Städte oder Abenteuer in der Südsee sein? Ist es nicht manchmal das größte Abenteuer, in das peitschende Angesicht des Meeres zu blicken und sich selbst darin zu sehen?
Flut

Gewehre über Bord werfen

Ich kann nicht gut schlafen, wenn eine emotional geladene Diskussion unbeendet im Raum steht. Ich fühle mich manchmal eifersüchtig und weiß nicht, was ich mit dem Gefühl tun soll. Gehört das in den Sondermüll? Ich liege gerne mit meinem Netbook im Bett. Ich erinnere mich nur selten an meine Träume, aber manchmal werfen sie mich wochenlang gefühlsmäßig total über den Haufen. Ich vermisse Wien und den Sommer. Ich schreibe Protokolle von besonderen Begegnungen, um keinen Moment zu vergessen. Ich bin unsicher, was meine Frisur angeht. Ich mich habe monatelang nach einer Badewanne gesehnt und saß seit meiner Ankunft in Luxemburg kein einziges Mal in einer. Ich kann mich manchmal überhaupt nicht ausdrücken. Ich vermisse es, dass A. mir alle paar Wochen ein neues Beziehungsdrama auftischt. Und dann auch wieder überhaupt nicht! Ich weiß nicht genau, wie meine Zukunft aussehen soll. Ich lächele jedes Mal, wenn ich an einem Kuchenbaum vorbei laufe, weil ich an Ina denken muss. Ich sehe oft Menschen im Zug, die ich interessant finde, spreche sie aber fast nie an. Ich denke manchmal immer noch, ich würde ein berühmter Rockstar oder Schauspieler werden. Ich werde gerne interviewt, gebe aber meistens schlechte Antworten. Ich habe kein Gefühl für Grammatik.

Ich werfe Gewehre über Bord.

Falsche Station

Buenos Aires Subway for Electric Line

Ich befand mich in einem merkwürdigen Dorf. Vielleicht eine Filmkulisse aus starker Pappe oder so was. Die Häuser sahen südamerikanisch aus, aus Lehm, mit Flachdächern in denen die Balken zu erkennen waren. Irgendein Workshop fand statt, vielleicht das Hackercamp oder so was. Mich langweilte das Ganze und ich begann herum zu wandern, scheinbar auf der Suche nach einem Klo. In meiner Tasche immer noch eine kleine Plastiktütchen mit Marihuana.
Ich nehme an, es handelt sich um das Marihuana, das ich K. vor vielen Nächten bat, aufzutreiben und das er mir in einem Bus auf der Türkenschanze übergab. Wahrscheinlich war es so lange in meiner Hosentasche.

Ich fand kein Klo, sondern mich ziemlich verwirrt an einer Wiener U-Bahnstation wieder. B. ist mit mir hier, allem Anschein nach auch bekifft. Ich starrte auf den Netzplan, der merkwürdigerweise eine Rundlinie aufzeigt, die ich nicht kannte. Die Schienen fahren auch rund um die Station, die mir nicht bekannt vorkommt, an der ich laut ihrem Namen aber schon einmal war. Eine gemeine, gefährliche Falle, die nur sehr eklige, langsame Verbindungen hervorbringt. Ich beschloss, dass es viel zu lange dauern würde, mit der U-Bahn zu fahren, da wir mehrmals umsteigen müssten. Ein paar hundert Meter weiter gäbe es eine Station, an der eine Linie uns sofort nach Hause bringen könnte.

Unterwegs wurde es dunkel. Vor einem Supermarkt begegneten wir einer Gruppe, bestehend aus einer dicken Frau, riesigen Ausmaßes und einer ganzen Schar Pfadfindern, alle in beiger Uniform. Ich murmelte etwas wie „Das sind aber keine einheimischen Pfadfinder!“ in B.s Richtung. Keine Reaktion. Wir fragten nach dem Weg oder wurden nach dem Weg gefragt. Wahrscheinlich wollten die Pfadfinder auch einen Weg wissen, während uns erklärt wird, wir müssten nur die Straße runter gehen. Ich dachte schon wieder nur ans Rauchen, befummelte aufgeregt die kleine Tüte in meiner Hosentasche, konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen.
Wien wirkte dreckig und viel zu sehr wie eine Autobahnauffahrt. Ab hier war die Straße wie in wirren Fetzen. Wir hatten uns irgendwo im Osten der Stadt verlaufen und würden nie die gesegnete Station erreichen …

(Foto von hier.)