Einzug

Umzug heißt auch immer Einziehen.
Ein großer, leerer Raum, nur gefüllt mit Kisten und Tüten, in denen deine wenigen Halbseligkeiten stecken. Dazu ein paar Möbel, die du in mühevoller Klein- und Überzeugungsarbeit an dich gerissen hast. Noch steht da das alte, ungemütliche Bett, noch steht alles Kreuz und Quer, als sei dieser neue Raum ein Lager und kein Zimmer.

Auftritt: der Baron von LuxemburgAuftritt: der Baron von Luxemburg (3. v. l.)

Erschöpft baust du den Computer zusammen, checkst deine Emails, twitter, facebook, Nachrichten. Nichts bedeutendes.
Nichts bedeutendes bedeutet auch: Keine schlechten Nachrichten. k. geht es gut, das war wichtig, zu wissen.
Die erste Nacht in der neuen Wohnung ist wichtig. Besser gesagt: die Träume in der ersten Nacht sind wichtig. Du bewegst dich mit den Worten von Max Frisch zum Schlafen. Ärgerst dich, bevor dir die Augen zufallen, ein wenig über die Misogynie in Homo faber.

Schnitt. An deine Träume kannst du dich nicht mehr erinnern. Du bist dir jedoch sicher, dass du welche gehabt hast. Nicht, weil du weißt, dass „man immer träumt, sich nur nicht immer daran erinnert“, sondern weil du weißt, dass du dich daran erinnert hast, für einen kurzen Moment. Wahrscheinlich vergisst du viel zu oft, die Träume kurz nach dem Aufwachen zu fixieren, wie bei der Entwicklung von Fotos. Geschäftig scheinen sie dir gewesen zu sein. Wahrscheinlich kann das wieder alles oder nichts heißen. Gerne würdest du mal träumen, du würdest träumen.

Schnitt. Ein Ausflug an das Ende von Wien, irgendwo in der Pampa ein Lattenrost und eine Matratze kaufen. Das läuft alles viel zu glatt, so dass ihr entscheidet, auch noch mindestens eine Badematte und Bettwäsche zu kaufen. Sogar die Zahlung mit Karte funktioniert, obwohl der Kreditrahmen eigentlich längst gesprengt sein sollte. Das grün der Karte steht wohl doch nicht für „jugendlich“, sondern für „Smaragd“. Als könntest du die Karte ziehen, laut mit einem übertriebenem groß-kaiserlich-pikiertem-österreichischen Akzent „ICH BIN DER BARON VON LUXEMBURG“ rufen und all deine Probleme lösten sich in Luft auf!
(Akzeptieren wir für einen kleinen Moment, dass es für Außenstehende zumindest manchmal so aussehen muss. Obwohl das leben weitaus komplizierter ist. So gibt es zum Beispiel überhaupt keinen Baron von …)

Schnitt. Ein riesiger Topf Kürbisrisotto. Viel zu viel für drei Personen, sogar für die vier, die schlussendlich davon essen. Letzten Endes isst man nur noch, weil es gut schmeckt, obwohl man eigentlich überhaupt keinen Hunger mehr hat. Gemütliches Zusammensitzen. Der Raum ist so weit eingerichtet. Es hängen sogar einige dekorative Elemente an der Wand. Du freust dich. Die Schränke in der Küche sind voll mit Tee.

Aus dem leeren Raum ist ein Zimmer geworden. Mit Balkon. Will noch jemand etwas Risotto?

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