Tanzen/Schwimmen/Schreiben

Es gibt zwei Situationen, in denen meine Gedanken laut und klar sind. Im Schwimmbad, unter Wasser und bei lauter Musik. Letzteres ist ziemlich blöd. Mich auf Konzerten konzentrieren zu müssen, um nicht völlig abzudriften und mich irgendwann zu fragen, wie viele Lieder ich „verpasst“ habe, ist nicht sehr entspannend. Vielleicht geht es allen Menschen so und ich kann nur nicht so gut damit umgehen. Das macht auch das Tanzen schwierig. Ich tanze eigentlich gerne, aber ich komme sehr schwer „rein“ und lasse mich auch sehr leicht wieder „raus“ katapultieren. Vielleicht fehlt auch nur die richtige Musik. Oder irgendetwas anderes.

Ich stelle mir vor, wie ich in einem sterilen Schwimmbad meine Bahnen schwimme. Ich muss an die Szene in Neon Genesis Evangelion denken. Als ich die Folge „Magmadiver“ zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich ein merkwürdiges Déja-Vue. Als sei ich schon mal in diesem Schwimmbad gewesen. Was nicht sein kann, weil das Schwimmbad gezeichnet ist und ich mich recht selten in gezeichneten Schwimmbädern aufhalte. Letztendlich ist es egal, wer da seine Runden zieht: die Helden meiner Jugend, Don Draper oder ich halt. Das Schwimmen wäre nebensächlich. Wichtig ist das helle Aquamarin, der Chlorgeruch und die sterilen Fliesen, auf denen wahrscheinlich ganze Fußpilzzivilisationen wachsen. Vielleicht würde das alles auch überhaupt nichts werden. Meine Kondition ist so gut wie nicht existent, ich sehe ohne Brille kaum etwas und die lauten Gedanken lenken vom Schwimmen genauso ab wie vom Tanzen.

Beim Schreiben sind meine Gedanken auch oft sehr klar und laut. Aber da stört es nicht.
(Nein, das ist keine Lösung.)

photo cc by jayhem

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