Johann Wolfgang von Goethe – Die Leiden des jungen Werther

Mein erster Goethe. Ich bin einerseits froh, das Buch nicht als von unerwiderter Liebe gebeutelter Teenager zu lesen, andererseits wäre es vielleicht gerade in so einer Situation an der Zeit gewesen, Sturm und Drang aus erster Hand zu erlesen. Vielleicht sollte ich nochmal lesen, was ich damals, in „ähnlichen“ Situationen wie Werther, so gedacht und geschrieben habe.

Die Postmoderne straft mich beim „ersten Eindruck“ mal wieder: In der Schule haben wir „Die neuen Leiden des jungen W.“ gelesen, das natürlich nicht an den guten alten Johann Wolfgang von herankommen kann und zumindest in meiner Erinnerung auch eher ein Klamaukstück war. Ich finde, da könnten Lehrer_innen durchaus mehr Rücksicht nehmen und eventuelle erste Leseerlebnisse nicht zerstören.

Es ist gut, dass es Reclamhefte gibt, die in die Jackentasche passen. So habe ich den Werther vor allem in der Straßenbahn und im Park gelesen. Ich bin auf jeden Fall begeistert davon, was und wie viel ich bisher versäumt habe. Ein bisschen verwundert haben mich die Reaktionen von Menschen, denen ich erzählt habe, dass ich den Werther gerade lese: „Bei dem schönen Wetter?“ oder „Ist dir das nicht zu depressiv?“ waren die häufigsten Fragen. Und dabei ist doch gerade der erste Teil sehr lebensbejahend.

Bild von Daniel Chodowiecki, gemeinfrei.

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