Kleiner, blauer Plastikkamm

Der Busfahrer steigt aus, raucht gemütlich und richtet sich die Haare. Mit einem kleinen blauen Plastikkamm. Dazu schaut er seine Reflexion im Busfenster an, beäugt sie kritisch, kämmt in seinem schütteren Haar herum, schüttelt den Kopf und wendet sich ab.

Mir ist schlecht, es ist ein schwüler Sonntagnachmittag in Wien und habe das Wochenende damit verbracht, mir das Skript von „Siedlungswasserwirtschaft“ irgendwie in den Kopf zu hämmern. „Scheißfach“, sage ich immer, der Witz wird langsam alt, aber nur für mich. Der Busfahrer stelzt rauchend um den Bus und führt eine dieser Pseudoinspektionen durch, die sie immer dann machen, wenn ich es besonders eilig habe. Dabei habe ich es heute nicht eilig, mir ist nur schlecht und ich glaube nicht, dass Busfahren das irgendwie verbessern wird. Drei Sitze vor mir diskutiert ein Vater mit seinem Kind über die Angebrachtheit von Haltewunschtastedrücken. Das Kind will drücken, der Vater spricht sich – erfolglos – dagegen aus. Die Debatte ist fast so spannend wie „Im Zentrum“. Der Bus steht noch, der Fahrer scheint mit seiner Frisur noch nicht zufrieden zu sein. Ich habe zu all dem keine Meinung, mir ist schlecht.

Der Bus fährt los, durch die tief stehende Abendsonne. Bei solchem Wetter möchte ich am Donaukanal sitzen und Radler trinken und mich darüber unterhalten, wie schön das Leben ist. Oder Psychotests aus der Magazinbeilage von Boulevardzeitungen machen.
Wir fahren vier Stationen, dann ist wieder Fahrerwechsel. Egal, ich habe es ja nicht eilig, mir ist nur schlecht.

photo cc by John Harwood

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