Umberto Eco – Der Friedhof in Prag

Ich mag Umberto Eco. Ich weiß, dass es relativ viele gibt, die ihn nicht mögen, aber ich habe einen nicht unbeträchtlichen Teil meiner Jugend damit verbracht „Das foucaultsche Pendel“ auseinanderzunehmen und immer wieder zu lesen. Ich denke auch, dass gerade dieses Buch Einfluss auf meine Art und Weise zu schreiben hatte. Außerdem habe ich durch das Pendel gelernt mit Verschwörungstheorien und ihren Verbreiter_innen umzugehen. Ecos letzter Roman, „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“ gefiel mir nicht so gut, wahrscheinlich weil mir die Zeit von Ecos Kindheit viel zu fremd ist.

Der Friedhof in Prag ist dem Pendel ziemlich ähnlich: Es geht mal wieder um Geheimgesellschaften, die Jesuiten und Paris. Eco erzählt ziemlich spannend, wie Antisemitismus mit den „Protokollen der Weisen von Zion“ geschürt wurde. Sein Protagonist beschreibt daneben über ein Zusammentreffen mit Freud und beschreibt die französische Küche des 19. Jahrhunderts. Trotzdem glitt die Geschichte in meinen Augen nicht in ein „Oh, das kennen wir ja alles aus dem Pendel“ ab, sondern nimmt sich für einen speziellen und wichtigen Teil sehr viel mehr Zeit und Raum.

Ein Problem mit Ecos Romanen ist weiterhin, dass er sie selbst viel witziger findet als der Rest der Menschheit, der weder über sein historisches Wissen, noch über seinen literaturtheoretischen Zugang verfügt. Ich weiß nicht, ob das mein Lesegefühl stört. Wahrscheinlich wären Ecos Bücher mit Fußnoten (oder Wikipedialinks) „verständlicher“, aber im Endeffekt geht es um Fiktion, Unterhaltung und mit ein bisschen Glück vermittelt er auch noch Moral. Andererseits: Ein Autor, der seine Leser_innen fördert und ihnen nicht das Gefühl gibt, alles zu wissen.

Ich habe „Der Friedhof in Prag“ gerne gelesen, die ausführlichen Essensbeschreibungen habe ich amüsiert bis angeekelt gelesen. Nicht großartig inspirierend oder bewegend, aber spannend.

Der Friedhof in Prag beim Verlag

Das Copyright für das abgebildete Cover liegt beim Hanser Verlag

2 Kommentare “Umberto Eco – Der Friedhof in Prag

  1. hm, ich muss gestehen das ich das Pendel zwar auf deine Empfehlung gekauft habe, aber bisher immer noch nicht gelesen habe. Schande über mich!
    Ich habe Damals zwar name der Rose gelesen, fand den Roman sehr gut und die Verfilmung eine Frechheit (wie das so mit den meisten Verflimungen ist), aber ich sollte mich wirklich mal wieder mit Eco befassen. Schonmal weil mich seine Themen ja wirklich interessieren.

  2. Pingback: Bücher 2012 | enjoying the postapocalypse

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