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beeindruckend unbeeindruckend.

Ich weiß nicht, wie ich das nennen soll. Ich will nicht darüber reden, ich vermeide es, das Thema anzusprechen und hoffe, dass niemand es auf den Tisch bringt. Das geht nur mich und die andere Person etwas an. Wenn ich trotzdem davon rede, gerate ich in Erklärungsnot wie ein Ruderboot auf hoher See. Das Bild passt nicht, so so passen auch alle meine Erklärungen nicht. Und wisst ihr was?

Das ist gut so. Es fühlt sich gut und richtig an und muss offenbar so sein. Ich gehe gerne spazieren, obwohl ich eigentlich der Meinung bin, das Haus sollte ich nur in absoluten Notfällen und zu den notwendigen Dingen des täglichen Lebens verlassen. Es ist neblig in Wien und manchmal auch in meinem Kopf. Es ist schön, ein „Geheimnis“ zu haben, selbst wenn es nur in den unaufregenden Details liegen sollte. (Spätestens jetzt werden wohl die meisten von den Menschen, die das hier lesen, wilde Spekulationen darüber anfangen, was ich wohl meine.)

Die Stadt sieht von oben betrachtet sehr schief und falsch aus. Auf einem Satellitenbild oder einer Karte ist noch alles in Ordnung, aber von einem Hügel im Nordwesten aus ist alles irrsinnig verzerrt und Gebäude, die eigentlich sehr nahe sind, sehen aus, als lägen Kilometer dazwischen und umgedreht. Sollte geändert werden. Die Realität hat sich gefälligst meinen Vorstellungen anzupassen. Vielleicht werde ich gerade wegen diesen Gedanken immer verschrobener, weil ich mich weigere, mich weiterhin an merkwürdige von mir von wem auch immer verlangte Verhaltensweisen zu halten. Wenn ich mich unwohl fühle, rede ich halt über Atombombenexplosionen und wie sehr ich mir wünsche, dass die Welt untergeht. Das verschreckt dann alle.

Und dann war es soweit. Der Moderator rief die erste Gruppe des Talentewettbewerbs in die Manege: „REGULAR LUXEMBOURGISH MEALTIME!“. Ich stand auf, Blut schoss in meine Ohren und Wangen und ich setzte mich auf den Stuhl, der den Talentierten vorbehalten war. Nein, ich brauchte kein Youtubevideo als Unterstützung, ich kann mich ganz gut alleine demontieren. Ich lese dies und frage mich, ob irgendwer verstanden hat, was ich meinte und verdammt, ist dieser Satz lang. Dann erkläre ich, für den nächsten Text hätte ich keinen Titel, denn er heißt #################################, was sich nicht wirklich vorlesen lässt. Ich lese und höre Lacher an Stellen, die eigentlich nicht lustig gemeint waren, bei denen ich aber vielleicht auch lachen würde. Danach klatschen alle begeistert.

Ich hatte die Texte eigentlich so ausgewählt, dass danach außer den drei Leuten, mit denen ich sowieso schon auskomme, niemand mehr mit mir reden würde. Ziel verfehlt. Nach dem Wettbewerb wird „REGULAR LUXEMBOURGISH MEALTIME“ von allen auf den zweiten Platz gewählt. In den nachfolgenden Gesprächen verwundert mich diese Platzierung wieder, denn offenbar dachten einige, die Texte seien nicht von mir, sondern nur von irgendwo aus dem Internet. Immerhin haben jetzt alle ein Gesprächsthema, das sie mit mir bereden wollen – und es sind nicht die Kennzahlen des Großherzogtums Luxemburg. Vielleicht sind die Menschen doch nicht alle so unausstehlich, wie ich oft denke. Oder eine Affinität zu viel Bier und Singstar heißt noch lange nicht, dass die Texte, die ich schreibe, sie nicht doch irgendwie beeindrucken können. Ist das ein gutes Zeichen?

Fühlt sich nicht schlecht an, dieses Leben gerade. Wenn es ginge, würde ich es noch eine ganze Zeit lang so machen. Dieses Magazin füllen und koordinieren und manchmal wütende Pressemitteilungen in die Welt schicken. Einmal in der Woche Radiosendung. Und öfters bloggen würde ich auch, wenn da nicht diese Zwänge wären, die sicher bald schlagend werden, ich würde sogar jeden Tag Tierkekse backen.