Torchwood

Ich habe mir in den letzten Wochen die BBC-Serie Torchwood noch einmal angesehen. Das Doctor Who-Franchise habe ich nach 2008 völlig aus den Augen verloren und dabei einiges verpasst. Inzwischen habe ich das alles nachgeholt, rutsche bis zum 30. März unruhig auf meinem Stuhl hin und her und versuche nicht all zu oft die Who-Titelmelodie zu summen. Die vierte Staffel Torchwood hatte ich bisher noch nicht gesehen, weshalb es sich anbot, die Serie noch einmal von vorne zu anzuschauen. Ein bisschen Whoniverse ist besser als gar keins. (Ab hier könnten Spoiler vorkommen.)

Torchwood ist eine Geheimorganisation, die sich darum kümmert, Außerirdische und paranormales Zeug von der Menschheit (bzw. vor allem vor dem Vereinigten Königreich) fernzuhalten. Es gibt (oder gab) mehrere Zweigstellen, aber die Serie zeigt nur jene im walisischen Cardiff, das praktischerweise an einem Riss in der Raumzeit liegt, durch den alle möglichen Außerirdischen und deren Artefakte gespült werden. Torchwood besteht nur aus ein paar Menschen. Das gibt der Serie die Möglichkeit, alle Charaktere und ihre Hintergründe zu beleuchten, macht sie aber auch etwas unrealistischer. Ja, es ist Sci-Fi mit fantastischen Elementen, aber dennoch wirkt das Torchwoodteam ein bisschen unterbesetzt.

Zentrales Thema ist (Un-)Sterblichkeit. Während der überaus attraktive (und auch von allen Geschlechtern und Wesen angezogene) Jack Harkness nicht sterben kann, verbleiben anderen Charaktere für mehr oder weniger lange Zeit untot. Die vierte Staffel „Miracle Day“ beschäftigt sich sogar gänzlich mit dem Nicht-Sterben-können der gesamten Menschheit. Leider bietet Jack Harkness nicht (viel) mehr Facetten als die meisten unsterblichen Gestalten, die sich so durch die Popkultur bewegen.

Die Auflösungen sind leider nicht immer besonders kreativ oder beschränken sich auf eine Deux-ex-machina-ähnliche-Erklärung. Während mich bei Fringe die relativ starren Rollenbilder störten, die bei Torchwood zumindest teilweise aufgelöst werden, so fehlt bei Torchwood zu einem guten Teil die „Mythologie“, die sicher sehr gut zu der Serie gepasst hätte. Immerhin gibt es reichlich Anspielungen an den Doctor, teilweise auch an andere Sci-Fi. Andererseits hätte ich mir bei jeder zweiten Folge das Auftauchen der TARDIS als Lösung gewünscht – der Doctor durfte jedoch aus Jugendschutzgründen nie in Torchwood auftreten.

Grundsätzlich mag ich Serien wie The Killing oder Homeland, die nur einen einzigen Plot haben, den sie über eine oder mehrere Staffeln verfolgen. Die dritte und vierte Staffel von Torchwood arbeiteten nach diesem Prinzip. Ich weiß nicht, ob ich das so gelungen fand. Die Besetzung schwindet von der zweiten zur dritten Staffel enorm und zur vierten hin noch einmal. Das ist nicht unbedingt eine schlechte Sache. Vor allem ist es realistisch, dass bei supergeheimen Alienabwehrorganisationen mal die eine oder andere Person stirbt. Leider wird niemand ersetzt und viel des Charmes der ersten zwei Staffeln geht dadurch verloren.

Die vierte Staffel wurde von BBC Worldwide und den US-Sender Starz koproduziert, was sich zuerst dadurch äußert, dass offenbar peinlich genau auf eine paritätische Verteilung der Außenszenen geachtet wurde, (Und es wird wild zwischen Cardiff und den USA hin- und her geflogen, ohne dass je jemand Jetlag beklagt. Oder an CO2-Emissionen denkt. Was sind das für Weltretter_innen?) aber auch durch viele eher-nicht-so-lustige Anspielungen auf Unterschiede zwischen dem Vereinigen Königreich und den USA.

Ich werde Torchwood vermissen, falls es keine weitere Staffel geben wird, wonach es momentan aussieht. Das liegt aber vor allem an John Barrowman bzw. an seinem wunderbaren Charakter Captain Jack Harkness. Andere Serien werden nämlich leicht frustrierend, wenn man bedenkt, wie problemlos sich queere Charaktere einbinden lassen, ohne dass ständig ihre Sexualität oder ihr Begehren Thema der Serie sein muss.

Ein Kommentar zu “Torchwood

  1. Die ersten beiden Staffeln der Serie fand ich genial. Die Folgen war unterhaltsam geschrieben, es gab genug zum Miträtseln und es war ziemlich toll, dass es in meiner Stadt spielte. Mich störte die fehlende Mythologie wenig, die Motivation der Charaktere wurde erforscht und erklärt und es war irgendwie angenehm, dass halt alles größenteils auf Chaos beruht und nicht auf irgendeinem Plan die Erde zu zerstören.

    Die dritte Staffel war ganz okay, nur war in typischer BBC Art schon lange vorher bekannt, dass Ianto sterben wird, was das Ganze ziemlich ruinierte. Die vierte Staffel war mir zu amerikanisch – Jack war auf einmal nur noch schwul (Pansexualität war Starz dann wohl doch zu heftig) und die Auflösung machte nicht nur keinen Sinn, sie widersprach dem was man uns neun Folgen lang vorhielt: dass es eben nicht Jacks Blut ist. (Und die wallisischen Szenen wurden noch nicht mal in Cardiff gedreht, sondern in Swansea. War wohl billiger.)

    Ich werde immer noch ein wenig traurig, wenn ich an der Gedenkmauer für Ianto vorbeigehe – und es tauchen auch immer noch neue Blumen auf. Aber ich weiss wirklich nicht, ob ich noch eine fünfte Staffel möchte. Wenn, dann nur wenn sie so wird wie die Erste und Zweite.

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