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Ein Neuanfang für Luxemburg?

Für das österreichische Politikblog zurPolitik.com habe ich die Situation in Luxemburg zusammengefasst: Ein Neuanfang für Luxemburg?

Ich bin immer noch schockiert, dass die Liste der seit den 1960ern beobachteten Organisationen so lang ist und sich größtenteils wie ein who‘s who der luxemburgischen Linken liest. Darunter waren auch zwei Vorgängerorganisationen von Radio ARA, nämlich Radio Radau und Radio Grénge Fluessfenkelchen, aber auch die Studierendenorganisation UNEL.

Über die Frage, ob Juncker – und die (ständige) paralamentarische Kontrollkommission, sofern sie davon wusste, nicht eine moralische und politische Verpflichtung gehabt hätten, die Öffentlichkeit über solche Vorgehen zu informieren, wurde im Angesicht der aktuelleren illegalen Aktivitäten des SRELs wenig diskutiert. Seine Aussagen darüber, wann er wie viel davon erfahren hat, sind höchst widersprüchlich.

Operatioun KROPEMANN

Dieser Text ist zuerst in der wunderbaren Zeitschrift „forum„, Ausgabe 331 – Junge Literatur, erschienen. Wenn ihr an luxemburgischer Politik interessiert seid, ist ein forum-Abo eigentlich ein Muss. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankschön an die Redaktion für die Veröffentlichung und an Georges für das Lektorat.

All Seeing Eye By bixentro Some rights reserved by bixentro

„ … et klengt wéi aus Science-Fictions-Serie, wat anscheinend bis viru kuerzem an de Kellere vum SREL gedriwwe ginn ass. D’Operatioun, déi ënnert dem Numm KROPEMANN gelaf ass, huet sech mat parawëssenschaftleche Phänomener ausernee gesat. Psychologesch Ugrëffstechniken, Télékinese, Levitatioun an esouguer Teleportatioun sinn nëmmen e puer vun de Stéchwierder, zu deenen experimentéiert an awer och ausgebilt ginn ass. Déi lëtzebuergesch Agente sollte mat dëse sougenannte Psi-Fähegkeeten Informatioune fir d’Protektioun vum Grand-Duché sammele kënnen. Dëst ass der Wochenzeitung … vun enger anonymer Quell matgedeelt ginn, an awer elo vun der Enquêtekommissioun confirméiert ginn.“
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Neuwahlen in Luxemburg – Hintergründe

Graue Wolken über Luxemburg-Stadt  Some rights reserved by Jirka Matousek

Gestern ist das Undenkbare passiert. Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker hat Neuwahlen angekündigt. Nach einer beinahe siebenstündiger Parlamentsdebatte um den Bericht der parlamentarischen Geheimdienst-Untersuchungskommission, an deren Ende mehrere Rücktrittanträge im Raum standen, kündigte er an, den Großherzog heute um Neuwahlen zu bitten. Thomas Mayer vom Standard bezeichnete das als „Junckers nächtlicher Coup“ – es war aber letzten Endes wohl die einzige Möglichkeit, Gesicht zu wahren.

Die Hintergründe dieses Geheimdienstskandals sind vielschichtig und verworren, weshalb ich hier eine Linkliste zusammengestellt habe:

Jerry Weyer: Timeline über den luxemburgischen Geheimdienst SREL und seine Verfehlungen.

Falls ihr ihn noch nicht gelesen haben solltet: Mein Überblick über Geheimdienstskandal und „Bombenlegeraffaire“

Forum: die aktuelle Regierung aus der christlich-„sozialen“ CSV und der sozialdemokratischen LSAP hat nicht nur die Kontrolle des Geheimdienstes verbockt: Chronik eines politischen Scheiterns.

Forum: Ein (einige Monate alter) Hintergrundartikel über Jean-Claude Junckers politische Karriere: Der Mann ohne Eigenschaften

Der Berichterstatter der parlamentarischen Untersuchungskommission und Fraktionschef der luxemburgischen Grünen, Francois Bausch, hat auf seinem Blog auch einige interessante Artikel, z.B. einen Zwischenbericht, in dem er die Existenz des Geheimdienstes noch in Frage stellt. Das hat sein offizieller Bericht nicht mehr getan, weshalb die luxemburgische Linke auch gegen diesen Bericht gestimmt hat.

Ich freue mich über jede Ergänzung dieser Linkliste in den Kommentaren.

Photo: Some rights reserved by Jirka Matousek

Sigur Rós – Kveikur


Das neue Album von Sigur Rós, das sehr überraschend angekündigt und noch viel überraschender auf einmal da war, klingt nach den Einstürzenden Neubauten. Zumindest am Anfang. Vielleicht haben sie ein Sample benutzt, vielleicht ist das tatsächlich eine sehr verzerrte Gitarre, aber es knattert unverkennbar nach Neubauten.

Das macht mich ein bisschen fertig. Der Gesang ist wieder hübsch abgehoben-ätherisch, die Lebensfreude, die auf Með suð I eyrum við spilum endalaust und teilweise auch noch auf Valtari zu hören war, ist verschwunden und die Musik düsterer und dichter geworden. Es dröhnt und brummt in den Intros und Outros, besonders im Opener Brennisteinn, als drohe Gefahr. Worüber gesungen wird verstehe ich immer noch nicht, das macht aber nichts. Vielleicht wird die Musik dadurch sogar ein bisschen besser.

Auch an Nine Inch Nails fühle ich mich erinnert, am Anfang von Var, dem letzten Titel der knappen 50 Minuten von Kveikur. Ob diese Gleichheiten gezielte Hommagen oder doch eher Zufälle sind, kann ich nicht beurteilen.

Dumpfes Dröhnen und glockenhelle Gesänge. Kveikur hat das Potential, zu einer neuen Lieblingsplatte heranzuwachsen. Mal sehen, ob ich es schaffe, Sigur Rós ein weiteres Mal live zu sehen, der erdrückende Bass ist sicherlich ein grandioses körperliches Erlebniss, das wohl die wenigsten Heimanlagen reproduzieren können. Kveikur ist auf jeden Fall ein Schritt in eine düstere Richtung, was mir sehr gut gefällt. Bis auf diesen Neubauten-Sound ganz am Anfang, der mich irgendwann irre machen wird.