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Wettermantel

Eine Zigarette.
Das Wetter.
Grau, nicht kalt, nicht warm, die Sommerhose ein paar Zentimeter zu kurz nur.
Das Nichtwissen, was mit diesem Tag anzufangen ist. Da liegt ein großes rotes Heft herum, das gelernt werden will, aber nicht heute, die Luftfeuchtigkeit hat keinen angenehmen Geschmack dafür. Ich will mir den Himmel anziehen, wie einen dieser Parkas, die andere Leute haben und in denen die auch gut aussehen, während meine Regenbekleidung immer ein grellbunter Sack ist. Zum Glück muss ich noch gar keine Regenkleidung tragen, da die Temperaturen noch in einem unbestimmten Bereich liegen.
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Hermann Hesse – Narziß und Goldmund

Narziß ist ein sehr junger Lehrer in einem Kloster, Goldmund sein Schüler, die beiden werden Freunde. Narziß verkündet Goldmund irgendwann, dass aus ihm nie ein Mönch wird, weil er halt nicht der Typ dafür ist. (Hesse verpackt das in sehr viel verschwurbeltere Worte, von denen ich nicht weiß, ob sie eine positive „Menschen sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Talente“- oder eher eine esoterische „Schicksal!“-Botschaft beinhalten. Goldmund fickt sich daraufhin durch die Weltgeschichte und wird nebenbei Künstler, wenn er nicht gerade Menschen umbringt oder sich selbst bedauert. Weiterlesen

Riecht Jean-Claude Juncker nach Persil?

(Dieser Text hat nur sehr wenig mit Jean-Claude Juncker zu tun. Bitte Kategorie beachten. Danke.)

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Mein Arm riecht gut, er riecht nach mir. Das bin ich, hier bin ich Mensch. Wenn ich dieses Deo nicht trage, bin ich Tier oder Pflanze. Ich weiß nicht, warum ich an meinem Arm rieche, ich kann den Gedankengang, der mich dazu verleitete, dies zu tun, nicht mehr nachvollziehen, aber ich habe es getan und es roch nach mir.
Mein Pullover roch nach Wien, mit dem billigen Waschmittel gewaschen, das zum Glück nicht so stark riecht und nach dem Trocknen nur notdürftig gefaltet, weil ich kein Bügelbrett besitze. Ich wüsste auch gar nicht, ob ich Pullover bügeln würde, das ist doch Arbeit, die nach dem ersten Tragen wieder vernichtet wurde, obwohl wir ja alle wissen, dass überhaupt keine Energie vernichtet wird, nur umgewandelt in was-auch-immer.
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Vernissage postmoderne

Es gibt grundlos Sekt und Chips. Ich muss mich auf einer Vernissage befinden! Da hier keine Kunst steht, muss ich das Kunstwerk sein. Wahrscheinlich besteht „das Kunstwerk“ in einer Performance, in der ich verzweifelt nach Kunst und Anspielungen suche. Die Anführungszeichen schweben frei im Raum, aber niemand fragt, wie das möglich ist, es ist schließlich Kunst und nicht der Marktstand eines italienischen Quantenphysikers, dem niemand glauben will.
Wüst beschimpfe ich das Publikum: „Sie sind doch der aus diesem Film da! Was machen sie hier, Sie Meta-Dings? Sie da, sind aus einem Kubrick-Film? IST DAS HIER EIN TROPE?“ In einem kurzen Moment der Stille schnäuzt jemand die Nase, er sieht verdächtig aus wie Sigmund Freud. „Ist das alles eine Anspielung an Neon Genesis Evangelion?“
Bei jedem meiner Sätze flackert über mir in rosa Leuchtschrift das Wort „postmodern!“ auf, damit das auch ja alle verstehen. Niemand versteht meine Fragen, nur manchmal kichert jemand oder ein komplett unironisches Grinsen ist in einem Gesicht zu sehen, das daraufhin errötet und seine Entgleisung sofort korrigiert und wieder ironisch grinst, denn alles ist ironisch, sogar mein Schnurrbart, den ich in meinem Vollbart verstecke.

Museum für moderne kUNST CC BY  Ben Scicluna

Ich trinke den Sekt und esse die Chips. Außer mir traut sich niemand, denn dies ist ja Kunst und deswegen müssen mir alle zusehen, denn würden sie teilnehmen an der Performance wären es nur Menschen in einem weißen Raum, die Sekt trinken und Chips essen. Ich versuche die vierte Wand zu durchbrechen, aber natürlich sind alle gebrieft. Sie dürfen nicht reagieren. Sogar die Person im Pikachukostüm bleibt ruhig, als ich sie an ihren gelben Plüschschultern packe und schüttele.

Verzweifelt versuche ich aufzuwachen, aber das hier ist alles echt. Und das meine ich nicht einmal ironisch.

photo cc-by Ben Scicluna