Riecht Jean-Claude Juncker nach Persil?

(Dieser Text hat nur sehr wenig mit Jean-Claude Juncker zu tun. Bitte Kategorie beachten. Danke.)

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Mein Arm riecht gut, er riecht nach mir. Das bin ich, hier bin ich Mensch. Wenn ich dieses Deo nicht trage, bin ich Tier oder Pflanze. Ich weiß nicht, warum ich an meinem Arm rieche, ich kann den Gedankengang, der mich dazu verleitete, dies zu tun, nicht mehr nachvollziehen, aber ich habe es getan und es roch nach mir.
Mein Pullover roch nach Wien, mit dem billigen Waschmittel gewaschen, das zum Glück nicht so stark riecht und nach dem Trocknen nur notdürftig gefaltet, weil ich kein Bügelbrett besitze. Ich wüsste auch gar nicht, ob ich Pullover bügeln würde, das ist doch Arbeit, die nach dem ersten Tragen wieder vernichtet wurde, obwohl wir ja alle wissen, dass überhaupt keine Energie vernichtet wird, nur umgewandelt in was-auch-immer.

Das bin also Ich, mit dem Arm, der nach mir riecht und dem Pullover, der nach Wien riecht und so konstruiere ich mich selbst: Anhand von Gerüchen, die ich sonst nicht wahrnehme. Luxemburg riecht anders, vor allem meine Kleidung. Vielleicht ist das die Antwort auf die Frage, wie Jean-Claude Juncker riecht: nach Persil.

Nein, ich bin nicht neu, die Frisur ist ein wenig länger als letztes Jahr und niemand hat mich mir Perwoll gewaschen! Schicksal: Dauerkuriosität, egal wo ich mich aufhalte. In Kanada sind zwei Schalterbeamtinnen mit meinem Pass davon gelaufen und erst nach zehn Minuten wiedergekommen, ohne mit einem Wort zu erwähnen, was das sollte. Natürlich war es, weil sie das Land, das da als meine Herkunft drin stand, nicht kannten. Ich seufze, ehe ich weiterschreibe, weil ich nicht weiß, was der Text will, was ich mit dem Text will, aber es tut gut, die Maschine zu benutzen, die Finger wie wild über die Tastatur huschen zu lassen und zuzusehen, wie da etwas von dem entsteht, aus dem die Welt gebaut ist – und dabei in Echtzeit auf Rechtschreibfehler geprüft wird.

Ich stehe vor dem Spiegel und rieche an meinem Arm.
Die Person im Spiegel tut das gleiche. Verdammte trittbrettfahrende Hipster, mit ihren lächerlichen Vollbärten.
„Een Af mécht der Honnert!“
Vielleicht brauche ich Hintergrundmusik. Ob ich einmal mit Neon Genesis Evangelion im Hintergrund frühstücken werde, als würde mich das nichts angehen, als sei das alles ganz normal, die Serien der Kindheit und Jugend während dem Lesen der Zeitung am Frühstückstisch laufen zu lassen? Es wird wohl gar keine Papierzeitung mehr geben, die ich hochheben kann, um mich vor den Bildern zu verstecken, während die Protagonist_innen ihre Dialoge über ihre Psychosen führen. Dabei kann doch niemand frühstücken!

Ich möchte mich nicht älter ausmalen, ich möchte mir nicht vorstellen, dass ich eine vom Schicksal zugeschriebene Rolle übernehme, die darin besteht, exakt so zu werden wie meine Eltern. (Nicht, dass das schlecht wäre – aber verdammt unkreativ! Nicht mein Stil.) Ich hatte Vorstellungen, im tiefen Winter, als der Schnee auf den Dächern lag und ich unter dem Schnee auf meinem Sofa saß und meditierte wie damals Ginsberg. Es waren beinahe Visionen, die mich alles verstehen ließen.
Im Grund hatte ich überhaupt nichts verstanden, wie auch ihr nichts verstehen könnt von dem, was ich hier aufschreibe und bei dem ich nicht einmal weiß, ob ich nicht bereits dabei bin, mich selbst zu kopieren. „HABE ICH SCHON EINMAL SO GESCHRIEBEN?„, möchte ich den Nachthimmel anschreien, aber dafür fühlt sich die Frage zu hohl an. „Google halt!“, könnte der Nachthimmel antworten. Und den Nachthimmel schreie ich nur an, wenn das Universum meine Freund_innen schlecht behandelt, dann hat es das nämlich verdient, angeschrien zu werden. Außerdem macht diese Praxis das Leben in eben solchen Situationen noch dramatischer, was nicht schlecht sein kann.

Die Person im Spiegel hört auf, an ihrem Arm zu riechen.
Ich nicht.

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