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beaucoup de mousse

Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …
Ich fahre mit der Eisenbahn durch eine flache Graslandschaft, ein Meer aus Halmen. Ich sehe den Zug von oben. Imposante Außenaufnahme, die heranzoomt und mich durch das etwas fleckige Fenster zeigt, wie ich im Zug durch die Graslandschaft fahre. Ich sitze in einem dieser altmodischen Sechserabteile. Es ist, abgesehen von mir, leer. Ich suche eine_n Gesprächspartner_in und finde sie in einer alten Dame, die zwei Abteile weiter sitzt und strickt. Sie strickt einen unglaublich langen Schal, der ihr Sechserabteil schon zur Hälfte ausfüllt. Ich kann nicht erkennen, welche Farben der Schal hat – auch nicht, wie viel Wolle die Frau dabei hat.

meadow photoPhoto by Bill Ward‘s Brickpile

Ich versuche sie zu fragen, hoffe, dass sie mir die Farbe ihres Schals beschreiben kann, denn ich kann es immer noch nicht herausfinden und werde langsam etwas unruhig, weil ich befürchte, plötzlich farbenblind geworden zu sein. „Darf ich dann noch Fahrradfahren?“, frage ich, ohne eine Antwort zu erwarten. Weiterlesen

Vorgelesen: Vernissage postmoderne

Ich nahm vor ungefähr zwei Wochen an einer Poetry Slam-Show teil. Ich kann eigentlich gar nicht richtig slammen und hatte dementsprechend ein bisschen Bammel, gemeinsam mit Menschen wie Mieze Medusa und Yasmo auf einer Bühne zu stehen. Meine Texte sind dann aber gut angekommen, ganz besonders Vernissage postmoderne. Und da nicht alle Menschen, die meine Texte lesen, nach Wien in das viel zu kleine Tüwi kommen konnten, habe ich den Text mal aufgenommen:

Die Aufnahme auf Soundcloud.

Umzug

"Observation balloon ascending" by National Library of Scotland
Die Idee, aus meiner Namensdomain eine Art Visitenkarte zu machen, hatte ich ja schon länger. Mir ist nur nie eine gutecoole Domain eingefallen, die etwas mit dem Namen des Blogs zu tun hat. Das ist immer noch nicht passiert, aber soulzeppel.in ist so cool. Außerdem hatte ich mit meinem bisherigen Hoster einige Probleme, was den Druck, doch endlich umzuziehen, erhöhte. Wenn die Datenbank alle paar Tage mal ausfällt und ich keine Antworten auf meine Supportanfragen bekomme, verziehe ich mich lieber.

Das Blog enjoying the postapocalypse läuft also ab jetzt unter http://soulzeppel.in. Es gibt Weiterleitungen, die insbesondere alle Permalinks auffangen und das auch längerfristig tun werden. Die Links in euren Blogrolls, Linklisten und ähnlichem solltet ihr allerdings ändern, ebenso eure Feedreader, der neue RSS-Feed findet sich hier (atom gibt es auch).
Wenn ihr diesen Satz liest, ist alles in Ordnung.

Also auf, wir reisen mit dem großen Seelenzeppelin!

(Foto: „Observation balloon ascending“ by National Library of Scotland)

Liberal, demokratisch, deutschnational?

Dieser Post erschien zuerst in der Ausgabe 01/2014 des progress und wurde im März 2016 rückdatierend auf dieses Blog gepostet.

Immer wieder versuchen Burschenschaften, ihre Rolle während der Deutschen Revolution 1848 zu glorifizieren und ihre Beteiligung am Nationalsozialismus kleinzureden. Ein Fest am 8. Mai soll die Mythen der Burschenschaften zementieren.
24. Jänner, Wien. Auf den Straßen demonstrieren Antifaschist_innen gegen den von der Wiener FPÖ organisierten „Akademikerball“, in der Hofburg tanzen schlagende Burschenschaftler und rechte Politiker_innen. In den darauffolgenden Tagen und Wochen wird eins dieser Ereignisse heiß diskutiert: die Demonstrationen und ihre Kollateralschäden, vor allem umgeworfene Mistkübel und eingeschlagene Fensterscheiben. Am achten Februar findet darauffolgend in Linz der „Burschenbundball“ statt.

20140124-PLN_0525_blogBunter und kreativer Protest gegen den „Akademikerball“ im Januar 2013. Foto: Luiza Puiu

Auch hier findet eine große antifaschistische Kundgebung statt, bei der allerdings Menschen aufgrund dunkler Kleidung von Demoordner_innen vom Rest der Demonstration ausgegrenzt wurden. Angeblich, um Szenarien wie in Wien zu vermeiden. Gebracht hat diese Entsolidarisierung außer einer fragwürdigen Spaltung der Demonstration nichts: Ein Diskurs um den Auslöser der Demonstrationen blieb, wie in Wien, aus. Stattdessen reden rechte Politiker_innen von der bedeutenden liberaldemokratischen Rolle der Burschenschaften während der Revolution 1848, im gleichen Atemzug wird dann meistens auch ihre Auflösung 1938 als „Beweis“ dafür genannt, dass die deutschnationalen Männerbünde nicht rechtsextrem seien. Weiterlesen

Scheitern; ein Selbstversuch.

In wie kurzer Zeit kann ich einen Text schreiben?

scheitern

Ich versuche, so zu schreiben, wie ich es tat, als ich noch nicht darüber nachdachte, was ich schrieb. Ich vermisse die Mittagspausen, zwischen zwei Schulstunden. Mein Kopf füllte sich auf dem Nachhauseweg mit Ideen, die ich dann so schnell wie möglich in meinen Computer eintippte.

Heute stehe ich in meinem Badezimmer und schneide mir die Haare. Ich versuche, eine lustige Frisur aus der Wolle auf meinem Kopf zu machen. Eine Seite lang, die andere kurz. Natürlich kann ich das nicht alleine, es funktioniert nicht, ich rasiere alles ab. Weiterlesen

In Treatment

intreatmentVor ein paar Jahren versuchte ich schon einmal, In Treatment zu schauen und nach zwei Episoden wieder aufgegeben, weil ich damals dachte, ich hätte genug Menschen in meinem Leben, die mir von ihren Problemen erzählen und müsste mir nicht auch noch eine Serie anschauen, in der kaum etwas anderes passiert. Nach einem Gespräch über Serien in der progress-Chef_innenredaktion war ich wieder anderer Meinung und versuchte es nochmal.

Die Serie zeigt an jedem Wochentag die Sitzung von Therapeuten Paul Weston und jeweils eine_n andere_n Patient_in, bzw. Freitags seine Supervisionsstunde mit seiner Mentorin Gina. Das Format, in meinen Augen ein Weg, um die Zuschauer_innen an das Medium TV und seine fixen Ausstrahlungszeiten zu binden, stammt nicht aus den USA, sondern aus Israel. 2005 bis 2008 liefen zwei Staffeln von BeTipul, das in über zwölf Ländern lokal adaptiert wurde. Das etwas komplizierte Sendekonzept erklärt die deutschsprachige Wikipedia ganz gut. Weiterlesen