Ann Leckie – Ancillary Justice

Leckie_AncillaryJustice_TP-692x1024Ann Leckie hat mit „Ancillary Justice“ mehere Sci-Fi Buchpreise gewonnen, unter anderem den Sci-Fi Buchpreis, den Hugo Award. Ich habe davon nichts mitbekommen, bis femgeeks darüber bloggte. Ich brauchte nach der „A Song of Fire and Ice“-Serie und ein paar Lovecraft-Kurzgeschichten (ich werde versuchen, darüber zu bloggen, um meinem Vorsatz vom Jänner treu zu bleiben), mit denen ich mich den Sommer über unterhalten habe, sowieso wieder Lesestoff. Bei kobo kostete das eBook 6,50 Euro. Das ist ein fairer Preis, auch wenn eins vor dem Lesen das DRM wegtun muss, weil das sonst ja nur in die Quere kommen würde. Schöne neue Welt des digitalen Lesens: Ich sehe irgendwo ein Buch, das ich haben will, kann es sofort kaufen und auf meinen eReader schubsen, ohne auf ein Paket warten oder mir ein schlechtes Gewissen über alle Menschen, die das Buch vor mir in der Hand hielten, machen zu müssen.

Ancillary Justice spielt irgendwann in einer sehr fernen Zukunft. Die Menschheit hat viele Systeme kolonisiert, an die Erde kann sich keine_r mehr erinnern. Das Radch-Imperium hat tausende Jahre damit verbracht, andere Planeten zu annektieren, um diesen die „Zivilisation“ zu bringen. Die Protagonistin ist für einige dieser Annektionen mitverantwortlich, sie ist nämlich ein Schlachtschiff der Radch. Oder besser gesagt: die AI eines Schlachtschiffes, die neben ihrem Raumschiff-Körper auch noch viele Ancillaries, mit kybernetischen Implantaten aufgerüstete menschlische Körper steuert, die teilweise die Besatzung des Schiffes stellen. Der Roman ist aus ihrer Perspektive geschrieben, was sie gleichzeitig zu einer nahezu allwissenden Erzählerin und meheren „einzelnen“ Figuren macht. (Kleinere Spoiler nach dem Klick.)

Da das Schiff jedoch (in einer Rückblende) zerstört wird, ist die AI in dem letzten verbliebenen Ancillary-Körper gefangen und sucht nun Rache. Allerdings ist das nicht so einfach, denn der Lord of the Radch ist auch auf mehrere Körper aufgespalten. Und ein ehemaliger Offizier der AI, der tausend Jahre in einer Fluchtkapsel überlebt hat, kommt ihr nun auch noch dazwischen …

„Ancillary Justice“ ist spannend geschrieben und schafft es wunderbar, die vielen Perspektiven der Protagonistin so darzustellen, dass eins beim Lesen keine Kopfschmerzen bekommt, obwohl es mindestens zwei Erzählebenen und eben eine Erzählerin in x Körpern gibt, die für reichlich Verwirrung sorgen könnten. Sprachlich spannend ist, dass die AI wie alle Radch keine Bezeichnungen für Geschlecht in ihrer Sprache hat. So werden alle Charaktere in einem generischen Femininum beschrieben und die AI macht sich öfters Sorgen, ob sie in Fremdsprachen nicht versehentlich die falschen Pronomen verwendet, weil diese Menschen ja alle so gleich aussehen. Mich hat das ein wenig an Strax aus Doctor Who erinnert. Überhaupt macht Leckie sprachlich einige interessante Dinge, so sind zum Beispiel die Wörter für „zivilisiert“ und für „Radch“ in der Sprache des Imperiums die gleichen. Die AI hat außerdem Gefühle, was viele spannende Fragen zu künstlicher Intelligenz aufwirft. Ich fand es auch schön, mal nicht mit der „AI wird böse und will alles übernehmen„-Trope konfrontiert zu sein, sondern einen realistischen Einblick in das Innenleben einer AI zu bekommen.

Trotz den relativ kurzen 277 Seiten lässt Leckie in ein gigantisches, altes Universum eintauchen, das sehr ausgefeilt wirkt. Sie beschreibt verschiedene Sprachen, Religionen, regionale und transgalaktische Konflikte, ohne dass der eigentliche Plot im Hintergrund verschwinden würde. Mit „Ancillary Justice“ ist die Geschichte allerdings noch nicht vorbei, denn der Roman ist der Anfang einer Trilogie, die Anfang Oktober mit „Ancillary Sword“ weitergeführt wird. Zum Glück, denn so muss ich nicht all zu lange warten.

Ich habe bei goodreads vier von fünf möglichen Sternen vergeben.
Auf der Webseite der Autorin gibt es Links für das Hardcover, das eBook und das Audiobook und von dort habe ich auch das Bild vom Cover, dessen Copyright sicher dem Verlag unterliegt.

5 Kommentare “Ann Leckie – Ancillary Justice

  1. Ich bin momentan auf der Suche nach neuen, guten Büchern, da kommt mir diese Kritik sehr gelegen. Ich werd mir das Buch schnellstens besorgen.

    Erinnert mich von der kurzen Beschreibung hier auch ein wenig an die wunderbare Hörspielserie Das dunkle Meer der Sterne von Dane Rahlmeyer – ebenfalls mit lang verlorener Erde, einer weiblichen Schiffs-KI und einem Universum das schneller ausgebaut wird als man/frau hinhören kann.

  2. Völlig OT – wie fandest Du Song of ice and fire? Ich hänge grad im dance of dragons fest, nachdem ich die ersten vier ziemlich verschlungen hatte. Glaube es liegt nicht nur daran, dass ich generell wenig lese-energie zur Zeit hab (und gerade Sherlock entdeckt).

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