Hallo wort.lu-Leser_innen!

Jetzt ist das also passiert.

Ein Haus im Dschungel.

Wort.lu, die Webseite der größten luxemburgischen Tageszeitung, interessiert sich nun auch für Blogs und verlinkt mich in der Rubrik „Blogosphäre“ ihrer deutschen Ausgabe. Das kommt ein bisschen überraschend. Nicht nur, weil ich meine Inhalte nicht unbedingt für kompatibel mit der Wort-Linie halte, sondern auch, weil es reichlich spät kommt. Warum ich ein wenig Bauchweh habe und wie das doch alles passiert ist

„Bauchwéi“
Ich hatte – und habe noch immer etwas Bauchschmerzen bei der ganzen Sache. Zum einen zahlt wort.lu Blogger_innen* nichts dafür, dass sie – zumindest könnte der Anschein erweckt werden – Inhalte für sie bereitstellen, zum anderen wird aber „natürlich“ Werbung auf der „Blogosphären“-Seite gezeigt. Das wirkt alles so ein bisschen einseitig und halt so, wie die „alten Medien“ gerne mit Blogger_innen (oder generell User_innen) umgehen: eine Möglichkeit, relativ billig Inhalte bereit zu stellen. Von dem gestern angekündigten Wettbewerb habe ich heute auch zum ersten Mal erfahren.

Andererseits: Ich kann keine Webseite der Welt davon abhalten, auf mein Blog zu linken und auch das Einbinden vom RSS-Feed (der die neusten Einträge anzeigt) ist etwas, was sich eher mit Mühe verhindern ließe (über die Frage, ob bereits der Titel eines Artikels urheber_innenrechtlich geschützt ist, lässt sich sicher streiten – das wäre mir aber zu blöd), was die Anfrage von wort.lu diesbezüglich recht leicht beantwortet hat: Klar freue ich mich über Links, aber ich kann keine Exklusivität (die Wort.lu im Gegenzug für ihr „selected by“-Siegel gerne gehabt hätte) versichern. Alleine schon, weil mir die zeitlichen und monetären Ressourcen zur Überprüfung einer solchen Exklusivität fehlen (wie das Internet funktioniert, habe ich der anderen großen luxemburgischen Tageszeitung vor Jahren hier erklärt).

„Mä bon“
Ich habe also nie so wirklich „Ja“ (aber halt auch nie richtig „Nein“) zu dieser Sache gesagt und jetzt ist das Linkportal online und na gut, probieren wir es mal. Grundsätzlich ist es ja auch lobenswert, dass Zeitungen „junge“ Autor_innen, Journalist_innen, Publizist_innen, usw. fördern wollen. Wobei sich jedes Medium die Frage gefallen lassen muss, ob es dafür nicht auch andere Möglichkeiten gibt, die mehr als „nur“ ein Link wären. Kleiner Exkurs: Ich sehe das als progress-Chefredakteur natürlich aus einer privilegierten Position: Meine Herausgeberin, die Österreichische Hochschüler_innenschaft, hat irgendwann beschlossen, dass sie ihren Mitgliedern (alle Studierende in Österreich) ein kostenloses Magazin anbieten und Jungjournalist_innen die Möglichkeit zum experimentieren geben will. Wir bieten damit also eine Spielwiese und bezahlen unsere Autor_innen und Fotograf_innen (neuerdings – nachdem wir als Redaktion dafür gekämpft haben – sogar etwas über dem Kollektivvertrag). Als mitgliederfinanziertes Magazin müssen wir uns keine Gedanken um Anzeigen oder Auflage machen – dafür machen wir uns umso mehr welche darüber, wie wir junge Journalist_innen fördern können (Ja, liebes Wort, ich hätte da ein paar Ideen!). Exkurs Ende.

Was es hier zu lesen gibt …
Ich mag viele Inhalte von wort.lu nicht sehr oder überhaupt nicht. Es ist mir wichtig, unabhängig zu bleiben und mein Ding hier zu machen. enjoying the postapocalypse ist seit über 13 Jahren meine Spielwiese, mein Notizbuch, teilweise auch mein öffentliches Tagebuch. Hier wechseln sich politische Essays mit literarischen Experimenten ab – mal schreibe ich Rezensionen zu konsumierter Popkultur, mal persönliche Jahresrückblicke. Hier sind auch immer noch Einträge online, die ich 2001 geschrieben geschrieben habe. Ja, die sind „peinlich“ und nein, das ist mir nicht peinlich.

Übrigens habe ich vor nicht allzu langer Zeit hier geschrieben, was für Blogs mir so am Herzen liegen und am unteren Ende dieser Seite findet sich unter „Blogroll“ eine Liste mit empfehlenswerten Blogs. Meine Lieblingsrubriken bei mir selbst sind literarische Spielwiese und Politik. Viel Spaß beim Lesen und Stöbern!

(* Ja, ich schreibe Blogger_innen. Das nennt sich geschlechtergerechte Sprache und der Unterstrich steht für all jene Geschlechtsidentitäten, die sich nicht „männlich“ oder „weiblich“ definieren [z.B. transgender]. Nein, das stört den Lesefluss nicht.)

Das Foto stammt von Melody Sy.

Ein Kommentar zu “Hallo wort.lu-Leser_innen!

  1. Pingback: Zweitausendfünfzehn | enjoying the postapocalypse

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