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Genevieve Cogman – The Invisible Library

the-invisible-library-book-one-978144725623601Ein Fantasyroman, dessen Prämisse eine unsichtbare, im höchsten Maße magische Bibliothek ist, deren Bibliothekar_innen mehr oder weniger Geheimagent_innen mit Superkräften (und/oder magischen Talenten) sind. Die Bibliothek sammelt dabei „wichtige“ Bücher aus den verschiedensten Parallelwelten, die nicht nur unterschiedliche Versionen literarischer Werke beinhalten, sondern vor allem unterschiedlich von Magie, Chaos oder Technik beherrscht werden. Das klingt alles sehr abgefahren und der erste Band der Serie öffnet auch erst ein kleines Türchen in dieses (hoffentlich) großes Multiversum, das viel Potential hat. Warum das Debüt der Statistikerin absolut lesenswert ist. Weiterlesen

Moosbett.

moosbett
Es ist Nacht, aber ich muss mir Kopfhörer aufsetzen, damit ich mir einbilden kann, ich sei die einzige Person im Haus, der Straße, dem Ort, der Welt, die noch wach ist. Ich höre die Stimmen jener, die das gleiche glauben. Würde ich schlafen wollen, ich wäre nicht so angetan, aber ich sollte ja noch bloggen. So merkwürdig es auch ist, gegen den starken Willen, sich nach einem dann doch nicht so kurzen Tag ins Bett zu legen und vielleicht noch ein Kapitel zu lesen, anzukämpfen, gegen alle antrainierte Reflexe, so gut tut es doch, das Ergebnis zu sehen.

Irgendwann landete ich wieder, nachdem der Wind mich mit dem Pulloversegel davongetragen hatte. Ich war über einen tiefgrünen Wald gesegelt, der von oben wie ein grünes, leicht im Wind wogendes Meer ausgesehen hatte. Ich konnte mir nicht erklären, warum mir nichts passiert war, wie ich diese Reise ohne jede Verletzung überstanden hatte. Ich war in einem Bett aus weichem, nicht zu nassen Moos aufgewacht und hatte an eine Geschichte denken müssen, die mir ein Waldläufer einst erzählt hatte, der wohl bei einer kurzen Rast auf einem Moospolster eingeschlafen war. Weiterlesen

Pulloversegel

pulloversegel
Als ich das Haus verlasse, einmal mehr beinahe zu spät, habe ich meinen Pullover mit dem Totoromuster in der Hand und will ihn im Gehen in meine Umhängetasche stopfen. Der Wind, in diesem Teil der Welt ein seltener, aber meist gern gesehener Gast, bläst den Hügel, auf dem ich wohne, hoch und bläht den Pullover auf wie ein Segel. Ich versuche gegen den unerwarteten Widerstand anzugehen. Es muss aussehen wie in einem Comic, lustig und ein bisschen dramatisch zugleich, wie ich von meinem eigenen Lieblingspullover aufgehalten werde. Den Zug werde ich wahrscheinlich verpassen, wenn der Wind nicht nachlässt. Weiterlesen

Möwen.

möwen

Diese komischen Momente, in denen alles schlecht und sinnlos wirkt und du denkst, du müsstest die Leute vor dir warnen und ihnen sagen, sie sollen dich besser nicht fragen, wie es dir geht, weil jede Antwort nur eine schreckliche sein kann, aber dann musstest du eigentlich nur aufs Klo. Zumindest ist nach dem Wasserlassen alles wieder vergessen. Ich weiß nicht, woher das kommt, wieso sich diese Momente manchmal kommen. Ich sehe auf den Kalender und wundere mich über meine Planung. Dann fallen mir Dinge ein, die nichts damit zu tun haben, Aussagen und Geschichten, die fast zehn Jahre vorbei sind, alle Protagonist_innen sind mittlerweile verheiratet, verpartnert und/oder haben Kinder, was die Geschichten doch in ein gewisses anderes Licht rückt. Ich weiß nicht mehr, welche Szenen Gerüchte, welche erzählte Tatsachen und welche meine eigenen Träume waren. Weiterlesen

Wetterumschwung

wetterumschwung
Es gab einen Wetterumschwung, und mit ihm bin ich nicht mehr synchron mit Wien. Die ersten Tage konnte ich mir noch einbilden, unter dem Dach und mit den gelegentlichen Temperaturspitzen würde ich in etwa so viel leiden wie jene Menschen, die ich in Wien zurückgelassen hatte. Aber nun ist endlich luxemburgischer Sommer: grau, bewölkt und ziemlich viel Regen. „Das ist gut für die Natur“, sagen die Leute. Oder sie sagen: „Das ist gut für den Wein.“ Und der Wein ist wichtig, er steht sogar in der Nationalhymne gleich hinter „dem da oben“, was für ein 98%-Katholik_innenland schon sehr ambigue (ja, das ist ein deutsches Wort!) ist. Ich sage das gar nicht, weil ich das schlimm finde: die Hitze vertrage ich nicht so gut, auch wenn ich es ab einer gewissen hohen Temperatur irgendwie wieder gut finde, weil alles schon so egal ist und die Zeit und der Schweiß und das Denkvermögen fließen. Aber ich mag auch Regenwetter, insgeheim vielleicht noch viel mehr als Hitze. Weiterlesen

an unexpected package

package
Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

Ich öffne die Tür eines Hauses am Rande des Waldes, das nicht mir gehört, das ich aber wohl bewohne. Vor der Tür liegt der Wald, dicht und grün und voller Unterholz. Außerdem liegt vor der Tür noch etwas, nämlich ein Paket. Es ist kein modernes mit amazon.com-Aufdruck und praktischer Lasche zum Aufreißen: Es ist altmodisch verschnürt und mit braunem Papier eingewickelt. Als Adresse steht nur mein Name drauf, in einer Schrift, die ich nicht lesen kann. Ich weiß aber, dass es mein Name ist. Anscheinend bin ich so bekannt, dass die Post mir die Pakete auch in den eigentlich undurchdringbaren Wald aus Dunkelgrün und Fichten bringt, wenn nur mein Name in einer komplett unleserlichen Schrift drauf steht. Das ist die einzige Erklärung, die ich akzeptiere und deswegen beginne ich noch auf der Türschwelle, die Schnur vom Paket loszuwickelen. Nach ungefähr einhundert Umdrehungen habe ich eine neue Spule Paketband, braun und fasrig und nach Staub riechend, wie aus der Schublade eines nicht genutzten Büros, in der Hand. Weiterlesen

rumoxidieren

rumoxidieren
„Pass auf, er hat heute wohl nicht viel anderes gemacht als hier rumhängen, also wird er etwas über uns schreiben!“, sagt wer über mich und ich überlege kurz, ob das wohl stimmt. Oder ob ich aus Trotz etwas ganz anderes schreiben sollte, vielleicht darüber, wie genial ich „Steven Universe“ finde oder wie gut die Musik von Kamasi Washington. Stattdessen nippe ich an meinem Cola-Bier und sage nichts oder etwas beschwichtigendes, denn ich kann meine großen Gedanken kaum noch aussprechen, die Worte sind immer unbeholfen, wenn sie erst einmal aus meinem Mund herauskommen. Weiterlesen

Mg2+

mg2plus
Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

Gleich nach dem Einschlafen gleite ich aus dem Bett. Oder vielmehr: durch das Bett. Ich sehe mich selbst darin, wie in einem glitzernden Spiegel aus bewegtem Leintuch, das entfernt nach Wasseroberfläche aussieht. Obwohl ich eigentlich in dem Zimmer unter meinem Fußboden (oder zumindest unter meinem Bett) schweben sollte, befinde ich mich im dunkelblauen Nachthimmel. Es ist noch nicht sehr spät, aber einige spitze Sterne sind schon aufgegangen. Der Mond ist aus irgendeinem Grund dreieckig und keine Sichel oder ein Rund. Ich kann darüber nicht staunen, immerhin wurde dem Mond in letzter Zeit wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Weiterlesen

Globus.

globus
Ich sitze im Schein des Globus, den ich als Schreibtischlampe benutze, weil mir alle anderen Lampen in diesem Zimmer viel zu helle Birnen haben und überlege, ob ich mir einfach nur den Pazifik ansehen soll, weil er so unverständlich groß ist, eine gigantische Wassermasse, von nur ein paar Inseln gesprenkelt, drei Handbreit auf dem Globus. Ich mag nicht immer an Oppenheimer denken, deswegen brauche ich warmes Licht, das nicht in den Augen schmerzt oder mir das Gefühl gibt, den Raum noch zusätzlich aufzuheizen. Ob es wohl möglich ist, die Glühbirne in dem Globus zu wechseln, ohne ihn komplett zu zerstören? Weiterlesen