an unexpected package

package
Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

Ich öffne die Tür eines Hauses am Rande des Waldes, das nicht mir gehört, das ich aber wohl bewohne. Vor der Tür liegt der Wald, dicht und grün und voller Unterholz. Außerdem liegt vor der Tür noch etwas, nämlich ein Paket. Es ist kein modernes mit amazon.com-Aufdruck und praktischer Lasche zum Aufreißen: Es ist altmodisch verschnürt und mit braunem Papier eingewickelt. Als Adresse steht nur mein Name drauf, in einer Schrift, die ich nicht lesen kann. Ich weiß aber, dass es mein Name ist. Anscheinend bin ich so bekannt, dass die Post mir die Pakete auch in den eigentlich undurchdringbaren Wald aus Dunkelgrün und Fichten bringt, wenn nur mein Name in einer komplett unleserlichen Schrift drauf steht. Das ist die einzige Erklärung, die ich akzeptiere und deswegen beginne ich noch auf der Türschwelle, die Schnur vom Paket loszuwickelen. Nach ungefähr einhundert Umdrehungen habe ich eine neue Spule Paketband, braun und fasrig und nach Staub riechend, wie aus der Schublade eines nicht genutzten Büros, in der Hand.

Das braune Paketpapier knistert und legt, enthüllt, eine Schachtel frei, ebenfalls aus braunem Karton. Ich bemerke einen merkwürdigen Geruch, der wirklich süßlich riecht, im Gegensatz zu dem, was Polizeimeldungen gerne als „süßlich“ bezeichnen. Ich weiß nicht, woher er kommt, aber ich vermute, dass es nicht das Unterholz ist, denn gerade in dem Moment weht eine sanfte Brise eine leichte Mischung aus Zahnpasta, Erde und Tannennadelbadezusatz geradewegs in meine Nase, die sich leicht gekitzelt fühlt.

In dem Karton liegt in grauem, dicken Papier eingewickelt ein Einmachglas, das nochmal dicke Watte verpackt ist, die wie Zuckerwatte riecht, aber nicht essbar ist, wie ich von einem winzigen Zettel erfahre. Nachdem ich die Watte entfernt habe, sehe ich, dass das Glas mit Blitzen gefüllt ist. Sie zucken mit beunruhigender Regelmäßigkeit in dem Glas, das entgegen aller Regeln kalt bleibt. Ich habe keine Probleme, sie anzusehen, sie sind sehr schön, ich mag Blitze, und diese schmerzen nicht in den Augen, egal wie oft und wie lange ich sie anschaue. Dennoch muss ich weinen. Das liegt aber nicht an den Blitzen, nicht an dem Wald, der immer noch ein wenig nach Zahnpasta riecht und auch nicht daran, dass ich in einem merkwürdigen Haus wohne, was ich bis vor einigen Minuten nicht wusste.

Ich bin gerührt und gleichzeitig sehr verwirrt, den ich hätte nicht mit so einer Überraschung gerechnet. Ich sehe nichts mehr und versuche, zurück ins Haus zu gehen. Dabei stolpere ich mehr als dass ich gehe und halte das Einmachglas mit den Blitzen so fest, wie es nur geht. Warme Tränen rinnen meine Wangen runter, unter meinen Barthaaren, so als wäre ich gar nicht rasiert und hätte ein scheinbar unbehaartes Kindergesicht und bilden winzig-kleine Wasserfälle an meinem Kinn. Mit letzter Kraft schaffe ich es, das Glas sicher in ein Regal zu stellen, neben das mit dem Nebel, den ich (die Erinnerung ist nicht ganz klar und die unglaublich kräftige Welle der Rührung und Traurigkeit, die mich erfasst hat, macht es schwer, klar darüber nachzudenken) vor einiger Zeit im Wald eingesammelt habe.

Ich setze mich auf den Boden. Meine Augen brennen nicht, aber ich sehe kaum etwas. Ich weine, als würde es mir das Herz zerreißen. Das letzte Mal, als ich so geweint habe, musste ich daran denken, wie einsam Raumsonden um Kometen wohl sind. Das einzige, was ich in dem von den Tränen gewölbtem Blickfeld erkennen kann ist das Aufleuchten der Blitze.

Danke an Linus für das Storymatickarten-Ziehen. Folgende Karten wurden gezogen: person who has been stood up, mechanic, person in tears, lightning, unexpected package, what is that smell? Nicht alle Karten wurden verwendet.

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