Möwen.

möwen

Diese komischen Momente, in denen alles schlecht und sinnlos wirkt und du denkst, du müsstest die Leute vor dir warnen und ihnen sagen, sie sollen dich besser nicht fragen, wie es dir geht, weil jede Antwort nur eine schreckliche sein kann, aber dann musstest du eigentlich nur aufs Klo. Zumindest ist nach dem Wasserlassen alles wieder vergessen. Ich weiß nicht, woher das kommt, wieso sich diese Momente manchmal kommen. Ich sehe auf den Kalender und wundere mich über meine Planung. Dann fallen mir Dinge ein, die nichts damit zu tun haben, Aussagen und Geschichten, die fast zehn Jahre vorbei sind, alle Protagonist_innen sind mittlerweile verheiratet, verpartnert und/oder haben Kinder, was die Geschichten doch in ein gewisses anderes Licht rückt. Ich weiß nicht mehr, welche Szenen Gerüchte, welche erzählte Tatsachen und welche meine eigenen Träume waren.

Es spielt auch nicht wirklich eine Rolle. Ich sehne mich nach Stille. Ich will, dass das Netbook beim Aufladen keine merkwürdigen Geräusche macht, dass der Ventilator ruhiger läuft, dass keine Musik von Draußen ins Drinnen dringt, dass auf Facebook weniger Quatsch steht, dass Leute sich nicht so laut vor mir küssen, dass die Türen nicht so laut knarzen und vor allem will ich, dass meine eigenen Gedanken weniger laut sind, wenn sie in absurden Bahnen um den linksalternativen Szenegossip Luxemburgs kreisen. Ich klammere mich an die Wasserflasche von letzter Woche, bewundere den klaren Riss, der die Grenzen aufzeigt. Ich sehe gen Himmel und höre ein Geräusch, so lautlos, dass ich es nur vermissen konnte.

Ich muss an die Möwen denken, die meine Heimatstraße in Wien bewohnen, aber immer nur im Winter. Sobald es kalt genug ist, ziehen sie offenbar von der Donau weiter in die Stadt und bleiben in unserer Straße, die sich leicht den Hügel raufzieht und kreisen über der Häuserschlucht und kreischen leise. Ich muss an Blogtitel und dieses eine Lied von Pink Floyd denken, mit dem wir uns vor ewiger Zeit auf twitter gegenseitig trösteten. Ich mag es, wenn Winter ist und ich am Weg zur Uni die Möwen sehe, wie sie ihre Runden über den Häusern drehen und dann drehe ich mich kurz um oder werfe einen Blick über meine Schultern nach hoch oben und sehe das große Zeppelin. Für einen Moment ist die Welt wieder in Ordnung.

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