Pulloversegel

pulloversegel
Als ich das Haus verlasse, einmal mehr beinahe zu spät, habe ich meinen Pullover mit dem Totoromuster in der Hand und will ihn im Gehen in meine Umhängetasche stopfen. Der Wind, in diesem Teil der Welt ein seltener, aber meist gern gesehener Gast, bläst den Hügel, auf dem ich wohne, hoch und bläht den Pullover auf wie ein Segel. Ich versuche gegen den unerwarteten Widerstand anzugehen. Es muss aussehen wie in einem Comic, lustig und ein bisschen dramatisch zugleich, wie ich von meinem eigenen Lieblingspullover aufgehalten werde. Den Zug werde ich wahrscheinlich verpassen, wenn der Wind nicht nachlässt.

Aber er wird stärker, mein grauer Kaputzenpullover bläht sich stärker und stärker auf, wird groß wie ein Segel. Aus meinem schnellen Schritt in Richtung Bahnhof ist ein Kampf gegen das Abheben geworden. Eine stärkere Böhe kommt, erfasst mich und mein Totoro-Segel und ich hebe ab. Eine steife Brise (ich wollte diese Formulierung immer schon einmal verwenden) erfasst mich und ich fliege davon. Es ist die falsche Richtung, aber es gibt nichts, was ich jetzt noch tun könnte. So ergebe ich meinem Schicksal, halte nach Möwen Ausschau und segele davon …

photo by Charles Yeager

Ein Kommentar zu “Pulloversegel

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