Moosbett.

moosbett
Es ist Nacht, aber ich muss mir Kopfhörer aufsetzen, damit ich mir einbilden kann, ich sei die einzige Person im Haus, der Straße, dem Ort, der Welt, die noch wach ist. Ich höre die Stimmen jener, die das gleiche glauben. Würde ich schlafen wollen, ich wäre nicht so angetan, aber ich sollte ja noch bloggen. So merkwürdig es auch ist, gegen den starken Willen, sich nach einem dann doch nicht so kurzen Tag ins Bett zu legen und vielleicht noch ein Kapitel zu lesen, anzukämpfen, gegen alle antrainierte Reflexe, so gut tut es doch, das Ergebnis zu sehen.

Irgendwann landete ich wieder, nachdem der Wind mich mit dem Pulloversegel davongetragen hatte. Ich war über einen tiefgrünen Wald gesegelt, der von oben wie ein grünes, leicht im Wind wogendes Meer ausgesehen hatte. Ich konnte mir nicht erklären, warum mir nichts passiert war, wie ich diese Reise ohne jede Verletzung überstanden hatte. Ich war in einem Bett aus weichem, nicht zu nassen Moos aufgewacht und hatte an eine Geschichte denken müssen, die mir ein Waldläufer einst erzählt hatte, der wohl bei einer kurzen Rast auf einem Moospolster eingeschlafen war.

Ich war also aufgewacht und gelandet, im Moos gebettet und von meinem Totoropulloversegel zugedeckt, und so blinzelte ich in die warme Abendsonne, die wie ich feststellen sollte, in diesem Wald immer schien. Das Licht veränderte sich nicht, obwohl es natürlich Nacht und Tag wurde, was ich einzig am Aufgang der Sterne bemerkte. Ich sah nicht viele von ihnen unter dem tiefgrünen Blätter- und Nadeldach, unter dem ich auf weichem Untergrund wandelte, ohne Recht eine Ahnung zu haben, welche Richtung ich eingeschlagen hatte. Ich musste an ein Buch denken, dass ich als Kind gelesen hatte und das mich zu tiefst verstört hatte. Dort musste ein Geschwisterpaar alleine im Wald überleben und dazu befolgte die Schwester den Rat des Vaters, Insekten in das Essen zu mischen, damit es eiweißreich war. Natürlich wurde dies durch den Rat des Vaters am Anfang der Geschichte gelampshadet, was es für mich aber nicht weniger merkwürdig machte, darüber zu lesen.

Die Sterne glänzten schon hell zwischen den Blättern hervor, als ich mitten im Wald eine Hütte erblickte …

photo by Jens Lelie

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