Aérogareportdrome II

Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

AerogareportdromeII

Weiter rollen die Bänder durch den weißen Tunnel, ich habe die dumme Angst, dass es ewig so weitergeht und ich in Wirklichkeit nie ein Flugzeug und/oder einen Bus besteigen werde, sondern meine Reise einfach mit dem Rollband bestreiten werde. Der Koffer piepst wieder, aber diesmal ist es undeutlich, ich weiß nicht, was er ausdrücken will. An den Wänden, auf die wichtige Informationen projiziert werden, blinken plötzlich hektisch Buchstaben und Zahlen und Kombinationen von beiden. Ich blicke kurz nach links und nach rechts und stelle fest, dass die anderen Rollbänder in abzweigende Tunnel führen. Mein Koffer fiepst beruhigend: Ich stehe auf dem richtigen Band und muss nur an meinem Gate abspringen.

Die Menschen vor mir haben eine anderes Ziel als ich, denn sie machen sich schon absprungbereit: Sie heben ihr Gepäck an, gehen in die Knie wie Schwimmer_innen bei einem Wettkampf vor dem Sprung ins Wasser. Als ihr Gate kommt – zu erkennen ist nur eine kleine, dunkle Öffnung in der weißen Wand, über die in großen Neonlettern die Nummer des Gates blinkt – springen sie mit einem großen Satz von dem Band, das weiterhin in sehr gemächlichem Tempo durch den weißen Tunnel kriecht. Ich gähne und lese die Nachrichten, die ebenfalls an der Decke zu lesen sind. Eine Explosion in einem Festspielhaus, ein spektakulärer Kunstraub, weiter schleppende Verhandlungen in einer ewig währenden Krise, das Wetter. Zum Glück keine Sportberichterstattung.

Mein Koffer beginnt nervös zu piepsen, außerdem vibriert er wie ein übergroßes Mobiltelefon aus den 2000ern. Ich schiebe gekonnt den Nachziehhenkel mit einer Hand hoch, neige den Koffer leicht und gehe, sobald ich den schwarzen Schlund in der Wand, der das Gate darstellt, vor mir sehe, mit einem großen Schritt von dem Band. Es wirkt sehr einfach. Ich bin nicht alleine, nach einigen Momenten steht eine kleine Reisegruppe von älteren Damen und eine, der Kleidung nach dem Tourismus verschriebene Kleinfamilie neben mir. Gemeinsam betreten wir die Schwärze des Gates. Meine Augen müssen sich erst an den starken Helligkeitsunterschied zwischen dem glänzend weißen Tunnel mit dem Rollband und dem dunklen Rohr, das zum Gate führt, gewöhnen.

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