Octavia E. Butler – Dawn

dawnDie Erde wird in einem Atomkrieg zerstört und die letzten Menschen werden von sehr merkwürdigen Aliens, den Oankali, gerettet. Die lassen die Menschen erstmal eine Runde schlafen und nach ein paar hundert Jahren wecken sie Lilith auf, die erst lernen muss, sich an den Anblick der Oankali zu gewöhnen, um dann in eine Familie aufgenommen zu werden. Die Oankali haben nicht nur ein merkwürdiges Aussehen mit vielen vielen tentakelähnlichen Sinnesorganen, sondern auch noch ein etwas komplexeres Fortpflanzungssystem als Menschen, mit drei Geschlechtern. Außerdem können sie (zumindest das „neutrale Geschlecht“) direkt DNA manipulieren, Krebs heilen und müssen sich öfters mal mit anderen Spezies paaren, um ihre genetische Vielfalt zu erhöhen. Das Wenige, was von der Menschheit nach dem Atomkrieg übrig blieb, wurde also gerettet. Aber die Oankali stellen eine Bedingung: Für sie kommt so eine Rettungsmaßnahme nur in Frage, wenn sie „einen Tausch“ dabei erledigen können.

Dieser Tausch besteht darin, dass sie die Erde mit Oankali/Menschen-Hybriden wiederbesiedeln wollen. Lilith findet diesen Plan schrecklich, kann aber in ihrer Lage als „Gerettete“ (oder Gefangene?) nichts dagegen tun. Sie integriert sich in eine Familie, in die sie zugeteilt wurde und freundet sich nach und nach mit dem Kind an. Ihr wird die Aufgabe zuteil, eine Gruppe von Menschen aus dem Tiefschlaf aufzuwecken und sie darauf vorzubereiten, mit den Oankali gemeinsam die Erde wiederzubesiedeln.

Seit ich rausgefunden habe, dass Ann Leckie („Ancillary Justice“) von Octativa E. Butler gecoached wurde, wollte ich unbedingt etwas von ihr lesen und die Xenogenesis-Trilogie schien mir ein guter Einstieg. Dawn hat mir ganz gut gefallen, weil ich Aliens mag, die nicht nur Menschen mit angeklebten Plastikteilen im Gesicht sind, sondern halt tatsächlich fremd und alien. Das Konzept von dreigeschlechtigen Außerirdischen fand ich schon länger spannend, und hier ist es auch irgendwie sinnvoll umgesetzt, auch wenn viele Details über die Oankali und ihre Gesellschaft verschwiegen werden. Alle Raumschiffe, Häuser und Geräte, die sie verwenden, bestehen aus manipulierten Pflanzen: Das ist nicht nur eine sehr hübsche Idee, sondern hat mich auch an das 1995er PC-Rollenspiel „Albion“ erinnert. Als Kind konnte ich nur die Demo spielen, womit ich ziemlich viel Zeit verbracht habe; auch dort werden Häuser und Möbel aus Pflanzen gezüchtet, allerdings offiziel durch „Magie“. Aber nur, weil Menschen aus dem Jahr 2230 etwas als Magie verstehen …

Genervt hat mich, dass die Oankali offenbar keinerlei Homo- oder Bisexualität kennen und davon ausgehen, dass alle Menschen sonst keine Probleme haben, als die Erde wiederzubevölkern. Sie bekommen zwar ein bisschen Gegenwind, aber „Eigentlich bin ich gar nicht hetero!“ gehört nicht dazu. Das ist nervig. Die nächsten zwei Teile werde ich aber wohl auch noch lesen, ich will ja wissen, ob die Menschen und die Oankali dann irgendwann doch zurecht kommen.

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