Da endlich sah ich das Pendel.

Pendel

Da endlich sah ich das Pendel.
Die Kugel, frei schwebend am Ende eines langen metallischen Fadens, der hoch in der Wölbung des Chores befestigt war, beschrieb ihre weiten konstanten Schwingungen mit majestätischer Isochronie. Ich wusste – doch jeder hätte es spüren müssen im Zauber dieses ruhigen Atems -, dass die Periode geregelt wurde durch das Verhältnis der Quadratwurzel aus der Länge des Fadens zu jener Zahl π, die, irrational für die irdischen Geister, in göttlicher Ratio unweigerlich den Umfang mit dem Durchmesser eines jeden möglichen Kreises verbindet, dergestalt, dass die Zeit dieses Schweifens einer Kugel von einem Pol zum Andern das Ergebnis einer geheimen Verschwörung der zeitlosesten aller Maße war – der Einheit des Aufhängepunktes, der Zweiheit einer abstrakten Dimension, der Dreizahl von π, des geheimen Vierecks der Wurzel und der Perfektion des Kreises.

Umberto Eco (* 5. Januar 1932; † 19. Februar 2016)

Das sind die ersten Sätze aus „Das Foucaultsche Pendel“ – ein Buch, das meine Jugend, mein Denken, meine Interessen, mich wie kein anderes Einzelwerk geprägt hat. Ich bin nicht so der Mensch, der tote Persönlichkeiten öffentlich betrauert. Menschen sind selten nur toll und haben beinahe alle negative Facetten, weshalb ich mir schwer tue, sie auf ein Podest zu heben. Ich mochte Eco und seine Bücher und bin dankbar, dass ich das Pendel lesen konnte.

Das Foto habe ich übrigens am 11. Mai 2008 in Paris gemacht.


Es handelt sich um das Pendel aus dem Roman, das im Musée des Arts et Métiers, im Gewölbe von St-Martin-des-Champs hängt und dort beständig nachweist, dass die Erde sich um sich selbst dreht. Den Tweet habt ich damals per SMS geschickt. Ich habe dann wenige Minuten drauf eine sehr ominöse SMS bekommen. Von einer Person, von der ich nicht vermutet hätte, dass sie meine Tweets liest, was mich angesichts des Romanplots dann doch etwas paranoid machte. Im Endeffekt stellte sich heraus, dass die Person natürlich auf mein Blog geschaut hatte, wo ich die Tweets damals einblenden ließ. Den Rest des Tages fuhren wir auf Leihfahrrädern durch Paris. Danke Umberto!

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