Zum Licht

Als ich mir einmal mehr bewusst machte, dass nicht alles schlecht ist.

Betonstrukturen und Licht. Tschuldigung, viel mehr ist wirklich nicht zu sehen.

Ich sehe das Licht am Ende des Tunnels. „Wie unglaublich lächerlich“, denke ich. Manchmal unterbreche ich meinen Gedankenstrom, um einen einzigen Satz laut und klar zu denken, so als würde ich ihn aussprechen. Ich schüttele ungläubig den Kopf, um meinen Gedanken zu verdeutlichen. Obwohl hier niemand ist, der das sehen könnte, obwohl ich ganz alleine hunderte Meter unter der Erde knöcheltief im lauwarmen Wasser stehe und Licht mit meinem Telefon mache. So, als wäre das eine ganz normale Sache. Vorsichtig gehe ich weiter. Das Wasser macht laute Geräusche bei jedem Schritt.

Ich fühle mich wohl bei der Arbeit. Es ist ja nicht so, als würde ich in die Tiefe vordringen, um lediglich die negativen Dinge zu herauszubohren. Oder zumindest sollte ich das nicht. Ich habe das Gefühl, dass das, was ich tue, geschätzt wird, dass ich die Aufgaben, die ich zu erledigen habe, gut erfülle. Und meistens ist es nicht allzu stressig. Natürlich ist das stets das Bestreben, mehr zu tun, mehr zu erreichen, aber dafür müsste vermutlich alles etwas größer sein. Manchmal bin ich auch müde, oder das scheinbare Verharren im Status Quo nervt mich, aber im Großen und Ganzen läuft alles.

Ich mag den Winter nicht, aber wenn es regnet und ich von drinnen auf den Regen im Draußen schauen kann, ist das schon ganz in Ordnung. Dann kann ich auch für einen halben Tag vergessen, dass ich eigentlich unter der Dunkelheit leide. Vielleicht habe ich heute auch genau zum richtigen Moment Kaffee getrunken oder etwas gegessen und mein Körper leidet nicht gerade so sehr daran, dass ich nicht mehr so lebe, dass ich genau dann etwas essen kann, wenn ich Lust dazu habe, sondern das am Besten zu bestimmten Zeiten machen sollte – oder Zeit in Vorbereitung stecken sollte.

Das Licht stellt sich als mehrere Lichter heraus. Ich stehe vor einer Höhle, einer Halle, einer Art modernen Kathedrale, die sich wohl am ehesten als eine Mischung der Minen von Moria und dem Todesstern beschreiben lassen. Und überall blinken kleine Lichter, vermutlich LEDs, in ungewohnt warmen Farben. Über Strukturen aus Beton, von denen ich nicht erkennen kann, ob sie zur Zierde dienen oder wirklich eine Funktion haben. Ich muss eine kleine Steigung überwinden, das Wasser wird mit jedem Schritt niedriger. Meine Schuhe und meine Hose sind trotzdem klatschnass, der Stoff klebt mir unangenehm an den Beinen.

Als ich aus dem Wasser steige und den Betonboden erreiche, werden alle Lichter heller und ein leises, angenehmes Summen ertönt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *