Gesten

Als ich einen Text vom letzten Sommer bloggte

Cold Brew-Kaffee mit einem Eiswürfel, stilecht serviert in einem Marmeladeglas

Wir sitzen in dem Buchladen, der auch ein Café ist und Bagels verkauft. Es ist ein heißer Sommer in Berlin, so wie vor einem Jahr, als wir uns das erste Mal getroffen haben und all dies anfing. Ich trinke einen cold brew, weil ich das letzte Mal als wir hier waren schon einen cold brew getrunken habe und gerne eine Tradition daraus machen würde. Weil ich jeder noch so kleinen Geste gleich eine tiefsinnige Bedeutung geben würde, weil irgendein Teil von mir dann doch ein hoffnungsloser Romantiker ist.

Was ich natürlich niemals zugeben würde.

A. macht dieses Ding, dass er aufsteht und sich Bücher aussucht, kurz in ihnen liest, sie dann wieder zurückstellt und sich nicht entscheiden kann, welche er kaufen soll. Ich poste ein Foto von meinem Kaffee auf instagram und würde eigentlich gerne ein tiefsinniges Gespräch mit A. führen, aber eigentlich ist es sowieso viel zu warm für tiefsinnige Gespräche. Der Kaffee ist nicht so unglaublich gut, wie ich ihn in Erinnerung habe. Dafür ist der Bagel besser. Erinnerung ist etwas merkwürdiges. Da wäre der Drucker, der in einer Telefonzelle in der Nähe vom Kotti stand, der wohl irgendwie der kleinste gemeinsame Nenner unserer gemeinsamer Erinnerungen an meinen ersten Besuch bei A. ist. Als er mir das erzählt, zerreißt es mir beinahe das Herz, weil ich das unglaublich süß finde. Vermutlich, weil ich jeder noch so kleinen Geste gleich eine tiefsinnige Bedeutung geben würde, und so weiter.

Es ist merkwürdig. Nach all den Jahren des Alleine-Seins, der „Lass uns nichts definieren“-Beziehungen, die ich alle ernster nahm als ich gerne zugegeben hätte und jenen zwischenmenschlichen Katastrophen, die mich unter anderem dazu brachten, einen Roman zu schreiben (neben einer Seminararbeit) und mich lehrten, warum Fertignudeln, die lediglich 500 ml Wasser und 8 Minuten auf dem Herd benötigen, doch einen Zweck haben können. Ich dachte, das würde immer so weitergehen vielleicht auch mal fünf statt nur drei Monate oder auch mal wieder eine merkwürdige Nicht-Beziehung, die sich zu einer grandiosen Freundschaft entwickelt.

Ich denke daran wie selbstverständlich A. das erste Mal nach meiner Hand gefragt hat und wir dann Händchenhaltend durch Berlin gelaufen sind. Die kleinen Gesten, diesdas. Ich bestelle mir noch einen cold brew, um eine Tradition draus zu machen, um eine kleine Geste draus zu machen, um dieses Leben, das sich im letzten Jahr so sehr gewandelt hat, mit Sinn anzufüllen.

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