Podcasting

Als ich ein paar Gedanken über das Sprechen im Netz aufschrieb

Ein auf alt getrimmtes Mikrofon vor einer weißen Wand, an dem ein buntes Poster hängt.

Zu allererst: Die neuste Folgeirgendwas mit meta“ ist gestern kurz vor Mitternacht erschienen. Wir haben am Sonntag aufgenommen, Montag, Dienstag und Mittwoch habe ich daran geschnitten. Ich mag die Folge sehr gerne, weil ich mich an einigen Stellen mit Soundeffekten austoben konnte. Die Hoffnung, dass nicht nur ich das lustig finde, ist zumindest da und bisher hat mir noch niemand erzählt, dass er*sie es sehr nervig findet. Katja und ich sprechen in der aktuellsten Episode über Baby Shark, Marie Kondo, Birdbox, besprechen wie immer eine Episode BoJack Horseman und rezensieren einen Käse.

Ich mag Podcasten. Das sollte für die meisten, die hier mitlesen, keine Überraschung sein, immerhin habe ich den ersten Podcast schon Ende 2006 veröffentlicht – und ein Jahr davor schon die ersten Blogtexte eingesprochen. Als ich diesen „Podcast“ aufnahm, habe ich allerdings schon Radio gemacht, das Sprechen für ein Publikum ist also nichts neues für mich. Ich weiß aber nicht, ob ich zu dem Zeitpunkt schon sonderlich viele Podcasts gehört habe, wann der erste iPod in meinem Besitz war, weiß ich auch nicht auswendig. Damals war die Synchronisation sowieso sehr aufwändig, dafür aber ein etwas magischer Prozess.

So hatte ich auch nur wenig Vorbilder, um Podcasting-Formate zu entwickeln. Angscht a Schrecken zu Lëtzebuerg machte über die Jahre eine spannende Entwicklung durch, vom „Gonzojournalismus“ über mein Nachtleben bis hin zum satirischen politischen Kommentar. Letztes Jahr ist das Projekt eingeschlafen, weil mir die Kraft und die Zeit fehlte und ich halt auch für andere Tätigkeiten politische Meinungen raushauen musste – und ich mag es nur ungern, mich ständig zu wiederholen. Es gibt so viele großartige Podcasts da draußen und ich würde wirklich gerne mehr mit Audio arbeiten – im Redaktionsalltag ist dafür aber nicht immer so viel Zeit, wie ich gerne möchte.

Zum Schneiden benutze ich immer noch Audacity, das mir auch nach all diesen Jahren immer noch gute Dienste leistet. Vermutlich gibt es mittlerweile bessere Programme und ich könnte mir die, die nicht allzu teuer sind, wohl auch leisten. Auphonic hat sich auf Podcasts spezialisiert und kann wohl super viele magische Sachen, aber bisher hatte ich noch keine Lust, mich wirklich an etwas neues zu wagen. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine ersten Radiobeiträge noch auf Minidisc geschnitten habe, was ungefähr die frickeligste Möglichkeit überhaupt war und ein hohes Maß an abstrakten Denken, Reaktionsfähigkeit und Fingerspitzengefühl verlangte.

Mit Schneidprogrammen hat eins mehr Kontrolle über das endgültige Produkt, kann Sätze ein wenig umdrehen und „Ähs“ rausschneiden. „Irgendwas mit Meta“ ist ziemlich heftig bearbeitet, weil ich persönlich finde, dass sogenannte Laberpodcasts oft daran kranken, dass Menschen zu oft „Ähm“ sagen, nach den Worten suchen, usw. Ich finde das nicht schlimm und wenn ich die Sprecher*innen sympathisch finde und mich der Inhalt interessiert, schalte ich auch deswegen nicht ab. Aber für meine eigenes Produkt habe ich halt irgendwie hohe Standards und versuche, die möglichst gut einzuhalten. Außerdem kommen wir so mit rund einer Stunde Aufnahme immer auf etwas um die 35 Minuten Spielzeit, was ich eine sehr angenehme Spanne finde.

Das merkwürdige am Schneiden – egal, ob für‘s Radio oder für Podcasts – ist, mitzukriegen, wie wenig gesprochene Sprache eigentlich funktioniert. Beziehungsweise, wie wenig sie den Regeln geschriebener Sprache folgt. Chaotisch, unterbrochen, mit Einschüben, zurückrudern, sich-korrigieren, dass ich mich immer wieder frage, wie Menschen einander überhaupt verstehen. Beim Transkribieren von Interviews fällt das oft noch extremer aus, weil die wenigsten Menschen halt tatsächlich druckreif reden können. Was aber nicht heißt, dass es keinen Spaß macht. Das Gefühl, genau an der richtigen Stelle angesetzt zu haben, so dass ich 30 Sekunden rausschneiden kann und der Satz danach flüssig klingt, ist schon ziemlich cool.

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