Der Spaßvogel

Als Nakia die Krähe zum Kaffeetrinken einlud

Nakia runzelte etwas übertrieben die Stirn. Dann konnte sie sich nicht zurückhalten und grinste breit.
„Du bist mir aber vielleicht ein … Spaßvogel.“, sagte sie, behutsam, wie um die kleinen Dunstwölkchen, die beim Sprechen aus ihrem Mund kamen, nicht zu zerstören. Sie grinste immer noch über das ganze Gesicht, einerseits wegen der Krähe, andererseits wegen ihres Wortspiels.

Die Krähe neigte den Kopf, als wäre sie verwundert. Nakia warf ihr nochmal eine halbe Erdnuss hin, die die Krähe aufpickte und schnell schluckte.
„Ein gutes Wortspiel, aber ich habe es schon sehr oft gehört, deswegen ist es nicht mehr so lustig für mich“, entschuldigte sich der Vogel.

„Hättest du lieber gehabt, ich hätte dich ‚liebes Katzi‘ oder so etwas in der Art genannt?“, entgegnete Nakia. Ihr war kalt, sie war definitiv nicht warm genug angezogen, um in der Kälte des winterlichen Morgens auf ihrem Balkon zu stehen und mit einer Krähe zu reden. Außerdem hatte sie noch keinen Kaffee getrunken, weshalb ihr die Situation vielleicht viel weniger absurd vorkam, als sie vermutlich war.

Geistesabwesend streckte sie die Hand aus, auf der sich mehrere Erdnüsse befanden. Die Krähe zögerte, pickte dann aber beinahe zärtlich jede einzelne Nuss von ihrer Hand, immer darauf aufpassend, sie nicht mit dem Schnabel zu verletzen.

„Magst du nicht reinkommen? Ich würde gerne Kaffee trinken.“, fragte N., ohne sich recht bewusst zu sein, dass das vielleicht ein wenig merkwürdig war.

„Ui. Zum Kaffee wurde ich noch nie eingeladen. Zumindest ist das nie die erste Frage, die mir gestellt wird. Meistens fragen die Leute, ob sie mich am Kopf kraulen können.“
Nakia lächelte. Die Krähe amüsierte sie, und sie hatte das Gefühl, dass es dem Vogel mit ihr ebenfalls so ging. Trotzdem war ihr kalt und sie sehnte sich nach einem Kaffee. Dieses Sehnen kündigte sich mit einem leichten Kopfschmerz am oberen Rand ihrer Stirn an.
„Wirklich? Die Leute fragen dich spezifisch, ob sie dich am Kopf kraulen können? Nicht, ob sie dich berühren dürfen?“
Nakia war, als ob die Krähe rot geworden wäre. Das war natürlich nicht möglich, aber eventuell drehte sie verlegen den Kopf zur Seite.
„Na gut, vielleicht hast du Recht …“, sagte sie kleinlaut.

„Möchtest du vielleicht am Kopf gekrault werden?“, grinste Nakia und hielt der Krähe noch eine Erdnuss hin.
„Also wenn du mich so fragst …“, begann die Krähe, um ihren Satz dadurch zu unterbrechen, dass sie die Erdnuss fraß, diesmal schon etwas gieriger als zuvor, „ja, das möchte ich.“
„Gut. Kein Problem. Aber dann – bitte – drinnen! Es. Ist. Kalt.“
„Miau.“, antwortete die Krähe.

Photo by Casey Horner on Unsplash

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