Die Leere

Als ich an eine dramatische Nacht im Januar 2006 dachte.

eine verschneite Landschaft, im Hintergrund bäumte. Das Bild ist unscharf, da aus dem Zug heraus fotografiert.

„Worauf wartest du eigentlich?“, fragt die Person, die ich einst Ruth nannte.
Ich weiß es nicht.
Aber ich will das nicht laut aussprechen, auch wenn es keinen Unterschied macht, weil sie jeden meiner Gedanken lesen kann, ohne sich auch nur anstrengen zu müssen.

Mit einem Male erscheint mir meine Wut unglaublich sinnlos. Belanglos all diese Möglichkeiten, Scherben zu produzieren. Der Raum ist still, und ich weiß nicht, ob ich das angenehm finde oder mich nach einem Störgeräusch sehne, das mich ablenkt. Als könnte ich die Leere des vollgestellten Raumes mit Musik und Geräusch füllen, als würde das auch nur irgendetwas ändern.

Wenn Schnee fällt, verdeckt er für kurze Zeit die Sehnsucht nach dem Sommer. Es ist schwer zu erklären, aber auf irgendeine merkwürdige Art und Weise fühlt sich die Welt geborgen an, wenn eine Schneedecke auf ihr liegt. Oder ich fühle mich geborgen im Drinnen, wenn draußen eine dicke Schneedecke liegt. Dabei mag ich überhaupt nicht in der Kälte zu stehen und warten zu müssen und würde viel lieber schwitzen als frieren. Ich denke an den Sommer, denke an die Karaokeparty, auf der ich nicht gesungen habe, auf der mir jedoch etwas aufgefallen ist. Und dann denke ich an Dinge, die mir nicht aufgefallen sind.

Und mit einem Male ist es wieder Januar 2006 und ich stehe mitten in der Nacht am Rand eines Sees. Ich bin leicht angetrunken und ich will unglaublich dramatisch sein, komme mir dabei aber selbst lächerlich vor. Wenige Minuten zuvor habe ich eine Tür geschlossen, um dann theatralisch an ihr gelehnt zu Boden zu sinken. Niemand hat mich gesehen. Ich wollte das Wasser ansehen. Und dann bin ich in einer kleinen Wohnung in Köln, mit viel zu vielen Menschen und erinnere mich daran, als mir Dinge einmal nicht auffielen. Die Erinnerung ist unangenehm, ich möchte mein jüngere Ich schütteln, so heftig es nur geht, im Wissen, dass das nichts ändern würde.

„Und worauf wartest du?“
Auch die Person, die ich einst Ruth nannte, hat immer noch einen Baseballschläger in ihrer Hand. Ich komme mir unglaublich clever vor mit meiner Gegenfrage.

Der Geruch nach Sommer ist verschwunden.

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