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Nur die Wirklichkeit

Als ich in Weltuntergangsstimmung war.

Wieder das Bild der Teetasse, aber diesmal mit noch mehr Glitches und Bildfehlern, so dass sie kaum noch zu erkennen ist.

Meine Gedanken rasen. Ich versuche, eine gute Replik auf jene Worte zu finden, die die Person, die ich einst Ruth nannte, mir eben entgegengeschleudert hat. Ihre Stimme war ruhig, beinahe sanft, aber jede Silbe fühlte sich an wie ein Tennisball, der mit voller Wucht geschlagen den falschen Weg findet und mir im Gesicht landete.

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Merkwürdig

Als mir alles merkwürdig vorkam

rote Ziegelmauer, auf der Graffiti und Streetart ist. Prominent ist ein rundes Streetart-Ding, das einen stilisierten Vogel in einem Dreieck darstellt.

Es ist so merkwürdig, wie sich Dinge, die immer noch relativ neu sind, sich trotzdem schon so bekannt anfühlen.
Es ist so merkwürdig, wie warm ein Tag im Februar sein kann und wie wenig ich mich erinnern kann, wie heiß und sonnig die Februartage letztes Jahr waren oder ob diese unglaublich schlimm kalten zehn Tage vielleicht nicht doch auch im Februar waren? (Ich habe nachgeschaut, der Februar 2018 war in Luxemburg sehr kalt.)
Es ist so merkwürdig, wie ich mich immer noch nicht an den „neuen“ Haarschnitt gewöhnt habe.
Es ist so merkwürdig, dass es nicht mehr so lange dauert, bis ich genauso lange erwachsen bin wie es gedauert hat, bis ich erwachsen wurde.
Es ist so merkwürdig, wie unterschiedlich lange Pakete vom großen bösen Internetversandhandel zu mir brauchen.
Und es ist noch viel merkwürdiger, wie schnell das in dem Land geht, in dem ich mal gewohnt habe.
Es ist so merkwürdig, dass ich mich tatsächlich auch nach einem langen Tag, an dem ich in viel zu kurzer Zeit viel zu viele Zeichen schreiben musste, hinsetzen kann und einen Blogeintrag in die Tastatur tippen kann, auch wenn das Format zugegebenermaßen nicht sehr anspruchsvoll ist.
Es ist so merkwürdig, auf der Welt zu sein und zu atmen und all dies.
Es ist so merkwürdig, dass mir alles so merkwürdig vorkommt.

Das Mahnmal

Als ich ein Mahnmal erschuf

Foto des Monoliths im norwegischen Vigeland Park, der aus ganz vielen menschlichen Körpern besteht.

Es gibt diesen Punkt, bis zu dem sich die Dinge verschlechtern, und dann passiert etwas und die Sonne scheint und alles wirkt wieder viel besser. So ein Tag war heute, auch wenn gestern schon die Sonne schien und eigentlich nichts bemerkenswertes passiert ist. Google Play Music, das ich mehr aus einer Verlegenheitslösung heraus benutze, kann übrigens erstaunlich gute „Zufallsmixe“ produzieren. Wollte ich nur mal irgendwo notiert haben, bevor ich es wieder vergesse.

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Antworten und Fragen

Als der Tee bitter wurde.

Teetasse, mit Bildfeldern, die einzelnen Farbschichten sind verschoben, so dass ein spannender Effekt entsteht.

„Das klingt viel zu einfach. Es muss doch komplizierter sein!“
Meine Stimme klingt erregter, als ich möchte dass sie klingt.

Ich war immer schon schlecht darin, meine Gefühle zu verstecken, mir ist immer alles ins Gesicht geschrieben. Was ironisch ist, denn im Alter von zehn Jahren hatte ich eine mysteriöse Krankheit, ausgelöst durch einen Zeckenbiss (oder auch nicht), die mit einer partiellen Gesichtslähmung einherging. Was dazu führte, dass ich in der Folgezeit große Probleme damit hatte, meine Mimik zu kontrollieren. Die logische Konsequenz davon sollte eigentlich ein resting irgendetwas face sein, nicht ein genaues Abbild all meiner Gefühlsregungen. Und dazu habe ich noch das Gefühl, überhaupt nicht richtig auf Dinge reagieren zu können. Vielleicht hätte ich doch Schauspieler werden sollen.

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Die Überrumpelung

Als die Person, die ich einst Ruth nannte, mir Tee anbot.

Eine filigrante Tasse mit orangem Muster und  Tee in der gleichen Farbe.

„Möchtest du Tee?“
Die Person, die ich einst Ruth nannte, sitzt auf einem sterilen Designermöbel. Sitzen ist das falsche Wort. „Lümmeln“ wäre vermutlich angebrachter. Diese Betrachtung hält mich davon ab, mich zu wundern. Der Porzellanladen, er ist verschwunden. Oder vielmehr: Wir sind aus dem Porzellanladen verschwunden. Alles steht wieder gerade herum, die Schwerkraft beträgt exakt 9,807 m/s² und alles wirkt ruhig, vertraut, nicht bedrohlich. Vor dem Designermöbel steht ein ähnlich abstraktes Beistelltischchen, auf dem eine Kanne Tee und zwei Tassen stehen. Das Getränk hat eine einladende, rötliche Farbe. Wie ein Sonnenuntergang nach einem anstrengenden Tag Nichtstun am Strand.

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Erstaunlich warm und erstaunlich kurz

Als ich unmotiviert so etwas wie Tagebuchbloggen machte.

Ein Stück Garten mit vielen violetten Blumen

Es war heute erstaunlich warm. Vielleicht glaube ich doch, dass bald so etwas wie Sommer oder zumindest Frühling kommt. Ich traue dem Wetter nie, bin immer misstrauisch. Die unvorsichtige Art, in der ich mich kleide, drückt dieses Misstrauen aus. Immerhin könnte es ja auch viel wärmer und trockener werden und dann würde ich schwitzen in dieser Hitze statt zu frieren weil ich ich zu faul war, eine Jacke anzuziehen.

Die Wärme ist gut, denn ich habe endlich wieder meine Haare geschnitten und sehe weniger aus wie ein verwirrter Magier, als das für die letzten paar Wochen der Fall war. Gibt es eigentlich einen Namen dafür, dass Menschen (oder ich) schlecht darin sind, Dinge in regelmäßigen, aber recht weit auseinanderliegenden Abständen zu tun? Tragen sich Menschen das nächste Haareschneiden in den Kalender ein, oder passen sie einfach mehr darauf auf als ich? So saß ich in der Sonne, jammerte still über meine Unzulänglichkeiten und fühlte mich wie ein frischgeschorenes Schaf. Wobei frischgeschorene Schafe vermutlich eher unter einem Schock leiden, ich war mir nur nicht sicher, ob alle Haare die Länge hatten, die sie haben sollten.

Ich gieße die Pflanzen für das neue Pflanzenjahr, aber es sind nur ein paar wenige Töpfe mit Erde, die ich nass spritzen muss. Ich hatte gehofft, ich könnte die Zeit nutzen, mich zum bloggen zu inspirieren, aber es ist nur eine kurze, schnell erledigte Tätigkeit, an deren Ende ich mir den Kopf ganz sanft an der Dachschräge stoße.

Das ist keine Metapher für irgendetwas.

weekend reading 5

Als ich wieder einmal viele Links für euch zusammensammelte

Eine Zeitung

Die Vorbereitung für diese Rubrik passiert im Moment wesentlich flüßiger, also habe ich mir eventuell einen guten Rythmus antrainiert. Das heißt für euch, dass ihr mehr und tendenziell spannendere Links bekommt. Und vielleicht weniger Eigenproduktionen bzw. Werbung für Dinge, die ich anderswo mache. Die woxx solltet ihr sowieso regelmäßig lesen!

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Bin ich in einer Parallelwelt gelandet?

Ein praktischer Ratgeber des Kollektivs frei- und unfreiwilliger Weltenreisender (KFUW)

Foto von Nahverkehrsinfrastruktur und Strommasten mit sehr vielen Bildfehlern/Glitches.

Wirkt alles ein wenig merkwürdig?
Lacht niemand über ihre Witze?
Verstehen Sie nicht, worüber alle reden?
Ist ihre Kleidung über Nacht aus der Mode gekommen?
Kommt Ihnen das Fernsehprogramm enorm seltsam vor in letzter Zeit?
Haben Sie Gliedmaßen zu viel?

Wenn Sie eine, mehrere oder keine dieser Fragen mit „Ja“ oder „Jein“ beantworten können, bestehen große Chancen, dass Sie in einer Parallelwelt gelandet sind! Dies ist kein Grund zur Beruhigung. Viele Menschen landen versehentlich in Parallelwelten (oft auch „andere Dimension“ genannt), ohne es gleich zu merken – Sie müssen sich dafür nicht schämen. Oft sind die Unterschiede nicht sehr groß.

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Zehn Tage

Als Naika erfuhr, welchen Geburtstag sie bald feiern würde.

Eine Tasse Kaffee auf einem dunklen Holztisch

„An welchen meiner Geburtstage soll ich bitte nicht gedacht haben? Ich habe nur einen einzigen, ich kenne das Datum und weiß wann es ist. Mein Geburtstag ist noch weit weg.“, eröffnete Naika der Krähe und fühlte sich auf einmal viel selbstbewusster. Vielleicht war der Vogel zu der falschen Person gekommen, oder vielleicht hatte sich die Person, die sich geschickt hatte, einfach geirrt und Naika war gar nicht die Empfängerin einer schlechten Nachricht. Vielleicht konnte sie bald in Ruhe einen zweiten Kaffee trinken und würde nicht weiter über all das nachdenken müssen.

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