Verrechnet

Als ich mal wieder was über Luftqualität schrieb

Der pensionierte deutsche Lungenarzt Dieter Köhler beschäftigte mich ja schon vor ein paar Wochen. Luftqualität ist eins meiner Lieblingsthemen, das ich auch immer wieder gerne in der woxx behandelte. Als die Aufregung über seine Stellungnahme, die über 100 andere vermeintliche „Expert*innen“ unterschrieben, groß war, schrieb ich einen Artikel darüber, dass das alles nicht sehr stimmig war.

Bild eines Luftsensors, im Hintergrund ein beeindruckendes Panorama mit bewaldeten Hügeln

Mir ging es vor allem darum, aufzuzeigen, wie der Diskurs funktionierte und welche Mechanismen dazu führten, dass Köhler medial so präsent sein konnte. Ich bin immer noch der Meinung, dass das hauptsächlich daran liegt, dass Medien solche vermeintlichen gegenläufige Meinungen sehr erfreut aufnehmen und es so darstellen, als gäbe es zwei Seiten der Medaille. Das hat schon für Klimawandelleugner*innen sehr gut funktioniert, das funktionierte auch für Köhler sehr gut. Das Feindbild der Ökolog*innen, die alles verbieten wollen und selbst keine Heiligen sind, funktioniert sehr gut und spielte natürlich auch mit.

Kurzer Exkurs: Es ist zwar Quatsch, bei der Diskussion um Luftqualität mit Flugreisen zu kommen, weil Lungengesundheit und Klimaschutz nicht das gleiche sind (sie haben teilweise nur ähnliche Ursachen) und natürlich sollten alle Menschen versuchen, ihre Treibhausgas-Emissionen so niedrig wie möglich zu halten. Aber dieses Beharren darauf, dass „Grüne“ (ich bin nicht mal ein Fan grüner Parteien) oder Öko-Aktivist*innen ja auch so Langstreckenflüge tätigen oder Dinge in Plastikverpackungen kaufen, nervt mich unglaublich. Das hilft vor allem nicht dabei, Lösungen zu finden.

Nun hat die taz die Vergleiche Köhlers über Zigarettenrauch und Luftschadstoffe nachgerechnet und herausgefunden, dass dieser sich verrechnet hat. Seine „anschaulichen Beispiele“, mit denen er tausende Studien widerlegt sah, stimmen nicht. Um Größenordnungen. Ich bin ein wenig genervt, dass mir das nicht selbst aufgefallen ist, aber immerhin kann ich mich damit trösten, dass ich nicht alleine war.

Wir sind also nach all den Jahren, in denen Medienkompetenz gepredigt und vor „Fake News“ gewarnt wurde, nicht wirklich schlauer oder aufmerksamer geworden. Alle glauben immer noch das, was am bequemsten ist, sobald jemand hervorspringt und es mit der Aura eines „Experten“ erzählt.

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